Kultur 05.12.2011

George Clooney beim Filmfestival in Venedig

Das 68. Filmfestival eröffnet mit George Clooneys schönem Polit-Drama "Die Iden des März" und großem Staraufgebot.

Das älteste Filmfestival der Welt ist Baustelle. Immer noch. Zwar wird seit Jahren an dem großen Festivalgebäude, dem Casino am Lido, herum renoviert. Doch Fortschritte sind keine zu erkennen, im Gegenteil. Die Baustelle wird größer statt kleiner. Trotzdem präsentieren sich das 68. Filmfest von Venedig mit großem Glamour und internationalem Star-Auftritt. Zum Auftakt reiste George Clooney - ein Dauergast von Festivaldirektor Marco Müller - mit seiner Hollywood-Entourage an, um sein neues Polit-Drama, "Die Iden des März" als Weltpremiere im Wettbewerb vorzustellen.

Nein, er wolle nicht Präsident der Vereinigten Staaten werden, erklärte ein gut gelaunter Clooney strahlend der begeisterten Weltpresse: "Mein Job ist sehr sexy. Ich will mit niemanden tauschen." Und überhaupt: "Wenn ein Politiker Entscheidungen trifft, dann kann das auf das Leben von Menschen fatale Auswirkungen haben. Da bleibe ich lieber beim Geschichten erzählen: Im schlimmsten Fall gibt's schlechte Kritiken."

Clooney selbst führte die Regie bei "Die Iden des März" und spielt auch eine der Hauptrollen inmitten seines charismatischen Männer-Ensembles. Und tatsächlich sind es vor allem die hervorragenden Schauspieler - Ryan Gosling, Philip Seymour Hoffman, Paul Giamatti und Clooney selbst - die das Herzstück dieser gediegenen Regiearbeit bilden. Vor allem ihnen verdankt sich die Sogwirkung des atmosphärisch sehr stimmungsvollen, erzählerisch aber etwas behäbigen Wahlkampfdramas.

Moralverlust

Im Zentrum steht der Wahlkampf eines demokratischen, liberalen Senators - gespielt von Clooney selbst - der vor den Vorwahlen zur US-Präsidentschaftskandidatur steht. Seine Wahlhelfer stehen ihm treu zur Seite - allen voran der brillante Ryan Gosling, der als Redenschreiber und glühender Verehrer des Senators bereits eine blühende Polit-Karriere vor sich sieht. Doch interne Intrigen und eine missglücke Liebesaffäre korrumpieren den jungen Mann. Um politisch zu überlegen, opfert er alle seine Wertvorstellungen. Am Ende kann man sagen: die Karriere lebt, die Moral ist tot.

Clooney erzählt altmodisch langsam und verlässt sich dabei ganz auf die Gesichter seiner Schauspieler. In auratischen Großaufnahmen beobachtet er die Männerköpfe beim Verhandeln ihres politischen Geschicks: "Es sollte die Dimension von einem Shakespeare-Drama haben", sagt Clooney bei der Pressekonferenz: "Mir ging es nicht um Politik, sondern um Moral und die Frage, ab wann Menschen ihre Seele dem Teufel verkaufen."

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011