© Monika Rittershaus

Kritik
12/18/2021

"Giulio Cesare" an der Wien: Lustvolles Spiel mit dem Theater

Händels „Giulio Cesare in Egitto“ in der Regie von Keith Warner und mit hervorragenden Singschauspielern im Theater an der Wien.

von Peter Jarolin

Allmählich heißt es Abschied nehmen. Denn mit Ende dieser Spielzeit ist auch die erfolgreiche Intendanz von Roland Geyer – er war seit der Umwandlung in ein Opernhaus 2006 verantwortlich – Geschichte. Das Theater an der Wien selbst wird bereits ab März zugesperrt und zwei Jahre lang generalsaniert; bis dahin stehen nur noch zwei große Premieren auf dem Programm.

Warum diese Vorbemerkung? Ganz einfach: Geyer setzte in seiner Ära immer ganz bewusst auch auf Barockopern, meist mit größtem Erfolg. Und mit Georg Friedrich Händels „Giulio Cesare in Egitto“ hat nun das letzte Werk aus dieser Epoche seine Premiere gefeiert.

Großes Sandalenkino

Aber ohne Regisseur Keith Warner, dessen Arbeitsvisum (unsäglicher Brexit!) mit Probenende abgelaufen war und trotz aller Bemühungen seitens der Behörden nicht verlängert wurde. Was schade ist. Denn es wäre spannend gewesen, wie das Publikum auf Warners herrlich spielerisch-verspielte Inszenierung reagiert hätte. Denn dieser „Giulio Cesare“ ist auch großes Sandalenkino im besten Sinne des Wortes.

Warner verlegt die Handlung nämlich in ein ägyptisiertes Kino im Stile des legendären Grauman's Egyptian Theatre von Hollywood. Auf einer riesigen Leinwand (Ausstattung: Ashley Martin-Davis) flimmern immer wieder Bilder teils in Farbe, teils in Schwarz-Weiß (Video: David Haneke) auf. Cäsar und Cleopatra, ein Begräbnis, ein psychodelischer Drogentrip, eine Flusslandschaft, idyllische Welten und Pyramiden. Denn wie es schon so wunderbar selbstironisch im Vorspann heißt: „Warner Studio presents“. Credits inklusive.

Auch abseits der Leinwand tut sich einiges, denn hier spielt die Regie lustvoll mit Bildern, Geschichten, Behauptungen und dem Theater an sich. Köstlich etwa jene Szene, in der Giulio Cesare mit Cleopatras bösem Bruder Tolomeo (herrlich auf einen Antiheld der Marke Quentin Tarantino getrimmt und gut bei Stimme: Christophe Dumaux) Federball spielt. Oder wenn Cleopatra ihrem Cesare vor einem entscheidenden Kampf unbedingt eine Toga als Outfit verpassen will. Da ist Warner – ebenso wie bei den tieftragischen Szenen – in absoluter Höchstform.

In Hochform präsentieren sich aber auch viele der exzellenten Singschaupieler. So ist der Countertenor Bejun Mehta ein vokal wie darstellerisch fabelhafter Giulio Cesare. Da sitzen die Koloraturen makellos. Gleiches gilt für die Sopranistin Louise Alder als stimmlich wie auch optisch flexible und wandelbare Cleopatra sowie für Jake Arditti, der als Sesto vom Muttersöhnchen zum eiskalten Rächer an seinem Vater mutiert. Als Sestos trauernde Mutter überzeugt Patricia Bardon als standesbewusste Römerin. Den bösen General Achilla gestaltet Simon Bailey mit Nachdruck. Konstantin Derri und Joni Österlund in der stummen Rolle des ermordeten Pompeo ergänzen das homogene Ensemble.

Großes Ohrenkino

Und Dirigent Ivor Bolton liefert am Pult des Concentus Musicus Wien den passenden Soundtrack zu dieser gelungenen Arien-Nummernrevue ab. Sicher hätten ein paar Striche nicht geschadet, denn dieser „Giulio Cesare“ weilt doch ziemlich lange in Ägypten. Aber Boltons Dirigat macht das fast vergessen. Jubel für alle Beteiligten.

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