Silberner Bär als bester Schauspieler für Georg Friedrich auf der Berlinale

© EPA/CARSTEN KOALL

Berlinale
02/20/2017

Georg Friedrich: Ein raunziger Wiener in Berlin

Der österreichische Schauspieler Georg Friedrich wurde auf Berlinale mit dem Silbernen Bären geehrt.

von Alexandra Seibel

Georg Friedrich gehört zu jenen Schauspielern, die man blind erkennt. Seine markant hohe, raunzige Stimme im prägnanten Wienerisch bohrt sich mit hohem Wiedererkennungswert ins Ohr. Bei neun von zehn Telefonaten werde er mit "Frau Friedrich" angesprochen, erzählte der 50-jährige Schauspieler in der Talkshow "Willkommen Österreich": "Mittlerweile gehe ich gar nicht mehr ans Telefon."

Mittlerweile verstehen ihn aber auch die deutschen Nachbarn ohne Untertitel. Ob das überhaupt echtes Wienerisch war, wollte eine deutsche Journalistin bei der Pressekonferenz zu Josef Haders "Wilde Maus" in Berlin wissen: Sie habe alles verstanden.

Gleich zwei starke Auftritte lieferte Georg Friedrich auf der 67. Berlinale. Er spielte in Josef Haders Regiedebüt "Wilde Maus" eine Art Prater-Strizzi, der eine alte Hochschaubahn aufpoliert.

In Thomas Arslans Wettbewerbsfilm "Helle Nächte" wiederum, der ihm den Silbernen Bären als bester Schauspieler einbrachte, war er aber weit von seinem Wiener Biotop entfernt. In dem elegischen Vater-Sohn-Porträt spielt er einen Mann der Mittelklasse, der Kontakt zu seinem Sohn sucht und mit ihm einen (meist schweigsamen) Trip durch Norwegen unternimmt.

Klar, schon allein aufgrund seiner Stimmlage bleibt Friedrich unverkennbar, und auch seine impulsiven Gefühlsausbrüche im Streit mit dem Teenager lassen Erinnerungen an seine Paraderollen im österreichischen Kino anklingen. Insgesamt aber bestach er vor allem durch sein zurückhaltendes Spiel, sein unterdrücktes Schweigen, das seinen Gesichtsausdruck und die dahinter verborgenen Emotionen zu intensivieren schien.

Georg Friedrich sei der "einzig richtige Filmschauspieler in Österreich", sagte Josef Hader im KURIER-Interview über seinen Kollegen: Weil er es konsequent ablehne, irgendwo im Fernsehen aufzutreten.

Glockenhell

Blickt man auf seine Werkliste, hat Friedrich allerdings schon eine ganze Menge Fernseh-Arbeit geleistet. So gibt es beispielsweise eine hinreißende Aufnahme von dem erst 14-jährigen, der mit glockenheller Stimme in einer TV-Fassung von Raimunds "Der Verschwender" singt – unter der Regie von Ernst Wolfram Marboe.

Trotzdem sieht man Georg Friedrich tatsächlich vor allem im Kino. Offiziell startete er seine Karriere in Niki Lists "Müllers Büro", doch bereits 1983 hatte er eine "winzige Rolle" in Walter Bannerts "Die Erben", erzählte er einmal dem KURIER: "Aber da war ich eigentlich eher Komparse."

Im österreichischen Kino spielte Georg Friedrich oft den Wiener Proleten, den renitenten Halbstarken oder den weinerlichen Zuhälter. Sein Spielekanon umfasst ein Regie-Register von Ulrich Seidl, Barbara Albert, Michael Glawogger und viele mehr: Zwischen "Nordrand", "Import Export" und "Contact High" lieferte Georg Friedrich immer bemerkenswerte Auftritte. Zu seinen eindrücklichsten gehört jener in Seidls "Hundstage", wo er seinen Zuhälterkollegen zwingt, mit einer Kerze im Hintern die Bundeshymne zu singen.

Bemerkenswert auch sein Auftritt, als er den Bären in Berlin entgegen nahm und diesem einen Kaugummi auf die Tatze klebte: "Ich wollte den Preis dadurch nicht schmälern, ich wollte mich eher mit ihm anfreunden", sagte er nachher. Er und der Bär – ab jetzt Freunde fürs Leben.

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