Revolutionen hielt er für vergeblich: Georg Büchner

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Georg Büchner
10/17/2013

Keiner sollte ihm zu gering oder zu hässlich sein

Jubiläum: Vor 200 Jahren wurde Georg Büchner geboren, vor 100 Jahren sein Dramenfragment "Woyzeck" uraufgeführt.

von Barbara Mader

Er hat das Zeug zum Kultstar. Er war Romantiker, Rebell, und er starb jung. Schon als 20-Jähriger postulierte er: „Wenn in unserer Zeit etwas helfen soll, so ist es Gewalt. Wir wissen, was wir von unseren Fürsten zu erwarten haben. Alles, was sie bewilligten, wurde ihnen durch Notwendigkeit abgezwungen.“

Mit nur 23 Jahren ging Georg Büchner im Schweizer Exil an Typhus zugrunde. Es ist jetzt oft zu lesen, dass sein früher Tod zum Mythos Büchner beigetragen habe. Aber: Er hatte bis dahin Ungeheures geleistet. Dreieinhalb Theaterstücke geschrieben, in Naturwissenschaften promoviert (über das Nervensystem von Fischen) und mehrere aufrührerische Schriften herausgegeben – in Deutschland wurde er steckbrieflich gesucht. Und das, obwohl er die tatsächliche revolutionäre Bewegung für vergeblich hielt: „Ich teile nicht die Verblendung derer, welche in den Deutschen ein zum Kampf bereites Volk sehen.“

Konfisziert

Heute vor 200 Jahren wurde Georg Büchner in Goddelau in Hessen geboren. Gewürdigt wurde er erst Jahrzehnte nach seinem Tod. Seine wenigen Schriften blieben lange Zeit so gut wie unbekannt – sie waren vernichtet oder konfisziert worden. (Sein Bruder veröffentlichte später einen Teil seiner Arbeiten – allerdings ohne den „Woyzeck“, weil er Büchners Schrift nicht lesen konnte. Eine erste Gesamtausgabe lag 1879 vor.)

Sein schmales Werk ist noch heute von bestechender Modernität und Vielseitigkeit: Da ist die politische Auseinandersetzung mit dem idealistischen Einzelhelden in „Dantons Tod“; da ist die Satire auf die „abgelebte moderne Gesellschaft“ in „Leonce und Lena“, und da ist, im „Lenz“ und vor allem im „Woyzeck“, die missachtete Wirklichkeit der Hässlichen und Geknechteten: Der Gedemütigte, dem es als „Subjectum“ der Geschichte unmöglich ist, einzugreifen, wie Büchner in Briefen an seine Verlobte Wilhelmine Jaeglé schilderte. Der Mensch – nichts als ein Spielball. Mit Woyzeck stellte Büchner jenen Unterdrückten auf die Bühne, den er bereits in seiner ersten Veröffentlichung, der Flugschrift „Der Hessische Landbote“ beschrieben hatte: Mit den berühmten Worten „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ schildert er die Ausbeutung der Bauern durch das Großherzogtum: „Das Leben der Vornehmen ist ein langer Sonntag, (...) das Volk aber liegt vor ihnen wie Dünger auf dem Acker.“

Sein erster Herausgeber Karl Emil Franzos bezeichnete Büchner als ersten Demokraten, der nicht vorrangig für die geistigen Güter der Gebildeten eintrete, sondern auch die „große Magenfrage“ thematisiere. Das, und sein Humanismus sind es, die Büchner heute noch so eindringlich machen. Im „Lenz“ schreibt er: „Man muss die Menschheit lieben, um in das eigentümliche Wesen jedes einzudringen; es darf einem keiner zu gering, keiner zu hässlich sein (...).“

Info: Am Samstag zeigt 3SAT um 21.15 Uhr die Doku das „Büchner-Protokoll“ und um 22.00 Uhr den Film „Woyzeck“ mit Tom Schilling.

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