Kultur 05.06.2018

Gene Simmons: Party für Kiss-Fans – ganz ohne Kiss

© Bild: AP/Carlos Gonzalez

Der Kiss-Bassist erzählt von seiner neuen Band, Bob Dylan, dummen Ausgaben und kleinen Schlafzimmern.

Gene Simmons kommt nach Wien – mit der Gene Simmons Band, ohne Kiss und ohne Maske. Trotzdem hat der 69-Jährige bei diesem Auftritt am 16. Juli im Wiener Gasometer fast nur Kiss-Songs im Programm. Im Interview mit dem KURIER erklärt er warum und spricht über sein nächstes Buch und 50.000-Dollar-Meet&Greets.

KURIER: Sie wollten mit der Gene Simmons Band „die Beschränkungen“ von Kiss abschütteln. Welche sind das?

Gene Simmons: Ich mache die Gene Simmons Band, weil ich es liebe, zu arbeiten. Ich bin zwar sehr stolz darauf, dass Kiss die Band ist, die die meisten goldenen Schallplatten aller Zeiten bekommen hat. Aber auf einer Kiss-Tour kann ich die obskuren Songs nicht spielen, weil die meisten Leute, die in die Stadien oder die großen Hallen kommen, sie nicht kennen. Wenn ich zu einem Stones-Konzert gehe, will ich auch „Satisfaction“ hören und werde böse, wenn sie das nicht spielen.

Wie wirkt sich das auf das Programm für Wien aus?

Wir haben die Freiheit, Songs zu spielen, die nur echte Fans kennen. Zum Beispiel aus unserem Konzept-Album „The Elder“. Und wir haben eine Stiege, die ins Publikum führt. Bei Hits wie „I Love It Loud“, „Do You Love Me“ und „Rock and Roll All Nite“ kommen Leute aus dem Publikum auf die Bühne und singen und spielen mit uns. Einmal hatten wir einen 13-jährigen Drummer und ein anderes Mal eine 14-jährige Gitarristin, die beide fantastisch waren. Am Ende kommen 60 bis 100 Fans auf die Bühne, und wir feiern zusammen eine große Party.

Sie haben voriges Jahr das Boxset Vault“ mit 10 CDs und 167 Songs herausgebracht …

Das ist das größte Boxset aller Zeiten. Es ist einen Meter hoch, wiegt 20 Kilo und ist in einer Art Flightcase mit Rädern. Man kann Songs hören, die ich mit Joe Perry von Aerosmith, mit den beiden Van-Halen-Brüdern oder mit Bob Dylan aufgenommen habe.

Wie war es mit Bob Dylan? Und wie sind Sie überhaupt zusammen gekommen?

Ich habe ihn angerufen und gefragt, und er hat „Ja“ gesagt. Es war alles sehr einfach. Wir sprachen über das Songwriting, fragten, wie machst du das? Man kann die ganze Konversation auf „Vault“ hören. Wir waren zwei Musiker in einem Raum, keine Egos, kein Rock-Star-Gehabe – großartig!

Gene Simmons, a member of the rock band Kiss, poses during an announcement that Kiss and Def Leppard will team up this summer for a 42-city North American tour, at the House of Blues in West Hollywood, California
Gene Simmons im 25 Kilo schweren Kiss-Kostüm © Bild: REUTERS/JONATHAN ALCORN

Bei „Vault“ gab es die Option, dass Sie für die stolze Summe von 50.000 Dollar zu dem Käufer für einen Tag nach Hause kommen. Wie viele haben diese Option gewählt?

Zumindest 100. Die Leute haben sich zusammengetan, und wenn 50 Freunde mitmachen, zahlt jeder nur mehr 1000 Dollar.

Im August erscheint Ihr Buch über den „27-Club“, all die legendären Musiker, die mit 27 Jahren gestorben sind. Wie kamen Sie auf dieses Thema?

Ich lese sehr viel, und immer wieder taucht die Frage auf, warum sind Leute wie Amy Winehouse, Mama Cass Elliot von The Mamas and the Papas, Jim Morrison, Kurt Cobain, Jimi Hendrix, Brian Jones und so viele andere mit 27 Jahren gestorben? Da muss doch etwas Eigenartiges vorgehen.

Darüber gibt es viele spirituelle Abhandlungen. Sie sind aber ein pragmatischer Mensch. Worin sehen Sie den Grund dafür?

Stimmt, ich glaube nicht an Spiritualität, an Geister oder an das Schicksal. Für mich geht es dabei um den Lebensstil und die Einstellung dieser Leute zum Leben. Das behandeln wir in dem Buch. Aber keiner hat je eine vernünftige Antwort dafür gebracht, warum sie gerade mit 27 gestorben sind.

Tun Sie das?

Vielleicht. Sie müssen das Buch lesen!

Sie unterstützen die Benefizorganisation „Mending Kids“. Warum gerade die?

Ich unterstütze 1400 Kinder in Afrika mit Nahrung und Kleidung, weil sie nur deshalb ein schreckliches Leben haben, weil sie in Sambia, Simbabwe oder Äthiopien geboren wurden. Sie haben keine Wahl. Wir alle müssen helfen, und es bedeutet nicht, dass man deshalb in Konkurs geht, oder sich etwas versagt. Aber wir alle geben Geld für dumme Dinge aus, die wir später nie wieder verwenden. Dieses Geld könnte man nehmen und es jemandem auf der Straße geben, der Hunger hat.

Was sind die dummen Dinge, die Sie sich leisten?

Ich leiste mir nicht viel. Ja, ich habe Geld und ich könnte mir einen Privatjet kaufen, eine Flotte von Rolls Royces oder Trucks haben, aber das mache ich nicht. Ich fliege mit Linienflügen, hab nur einen Truck, ich brauche nicht sehr viel. Auch in Hotels checke ich immer im Einzelzimmer ein. Denn wenn du schläfst, ist es egal, ob du in einer Suite oder in einem Einzelzimmer bist. Und ich habe hier zwar ein sehr großes Haus, aber mein Schlafzimmer ist klein, denn da ist es behaglich. Ein großes Zimmer ist nie behaglich.

( kurier.at , schoki ) Erstellt am 05.06.2018