Kultur
31.08.2018

Geld, Alk & Rock'n'Roll: Die hochprozentigen Gewinne der Stars

Metallica verkauft Whiskey, Bon Jovi Wein: Eigene Alkohol-Marken haben sich zu einem lukrativen Geschäftsfeld entwickelt.

Die US-amerikanische Metal-Band Metallica ist unter die Schnapsbrenner gegangen. Am Donnerstag wurde der erste eigene Whiskey der Band bei einem  Event in Madison, Wisconsin vorgestellt; auf der aktuellen US-Tour wird er im Umfeld der Shows erhältlich sein, verkündete die Band auf ihrer Homepage.

Überraschend ist an der Ankündigung eigentlich nur der esoterische Unterton, der an eine hochprozentige Version so genannter "energetisierter" Wasserprodukte denken lässt:  Während der Reifung im Fass sei der Whiskey mit Sub-Bässen beschallt worden, was die molekularen Wechselwirkungen gefördert und so den Geschmack „geformt“ habe, schrieben die Band-Mitglieder. Die Firma Meyer Sound habe einen eigenen Subwoofer für dieses Verfahren, für das der Whiskeyspezialist Dave Pickerell ein eigenes Patent angemeldet habe, entwickelt. Ob tatsächlich Metallica-Songs für die Beschallung verwendet wurden, lässt die Presseaussendung offen, die aufgezeichnete Schallwelle auf der Whiskeyflasche stammt jedenfalls vom Song "Blackened".

Interessant ist die Aktion nicht zuletzt, weil sie einen Blick auf das Vermarktungsgeschick von Rockstars wirft, das sich mehr und mehr von dem Produkt Musik entfernt. Rap-Stars, allen voran Dr. Dre und Jay-Z, haben es vorgemacht, doch in einer Zeit, wo physische Tonträger aussterben und die starke Konkurrenz zwischen Live-Events  stets nach außergewöhnlichen Extras verlangt, ist das Ritual des Trinkens in den Fokus gerückt. "Das höchste Ziel von Metallica ist es, uns mit unseren Fans zu verbinden - durch Alben, Konzerte und verstärkt auch durch jeden anderen Weg, der darüber hinaus eine Bindung schafft“, erklärten Metallica ihren beruflichen Exkurs in die Schnapsbrennerei. Wer den Whiskey kauft, erhält übrigens noch eine spezielle Metallica-Playlist als Draufgabe.

Die eigene Star-Power gewinnbringend in Alkohol zu konservieren, ist freilich keine neue Idee. Vorgemacht hatte es Sammy Hagar, der 1985 als Nachfolger von David Lee Roth zum Frontman der Rockband Van Halen gekürt wurde. Auf seine Initiative eröffnete die Band ein Restaurant namens "Cabo Wabo". Das Unternehmen war mäßig erfolgreich, doch als Hagar begann, eine mexikanische Tequila-Sorte unter dem Label "Cabo Wabo" zu vermarkten, hatte er Erfolg. 2007 verkaufte Hagar er einen 80%-Anteil an der Firma für 80 Millionen US-Dollar an die Campari-Gruppe, 2010 die restlichen 20 Prozent um 11 Millionen. Zuletzt hat sich Hagar mit Adam Levine, Frontman von Maroon 5, zusammengetan. gemeinsam vermarkten sie "Santo Puro Mezquila".

An der Himmelstür

Auch der Nobelpreisträger Bob Dylan stieg kürzlich in das Whiskey-Geschäft ein: Unter dem Namen "Heaven's Door" vermarktet die Firma, an der Dylan Anteile hält, drei Sorten Tennessee Whiskey. Die Flaschen sind durch Silhouetten gekennzeichnet, die von jenen schmiedeeisernen Toren stammen, die Dylan für sein Eigenheim selbst anfertigte.

Es muss allerdings nicht immer Whiskey sein. Die Gebrüder Hanson, die 1997 mit dem Song "Mmmbop" zu einem unausweichlichen Boyband-Phänomen avancierten, sind etwa jüngst auf die Craft-Beer-Welle aufgesprungen. Das Bier ihrer "Hanson Brewing Company" nennt sich "Mmmhops" "Hops" bedeutet "Hopfen".

Dass kein Alkohol auch keine Lösung ist, wissen Die Toten Hosen freilich auch schon lange: "Hosen hell" heißt ihre Biermarke, die sie in Kooperation mit der Düsseldorfer Traditionsbrauerei Uerige vermarkten. 

Jon Bon Jovi wiederum ist dafür bekannt, vor seinen Konzerten zur Lockerung jeweils ein Glas Wein zu trinken - wenig verwunderlich, dass er auch ins Weingeschäft einstieg. gemeinsam mit seinem Sohn Jesse importiert er französischen Roséwein in die USA, wo dieser unter dem Namen "Hampton Water" vermarktet wird.

Mit Rock'n'Roll hat die Bon-Jovi-Weinmarke, die in zarten Pastelltönen daherkommt, freilich nicht mehr viel zu tun. Radikaler ist da noch Tool-Frontman Maynard James Keenan, der in seiner Heimat Arizona - nicht unbedingt als Weinregion bekannt - einen Winzerbetrieb aufbaute. Die Doku "Blood Into Wine" zeigte dieses Unterfangen in anschaulicher Weise.

Die Grenzen zwischen dem engagierten Star, der mit seiner Getränkemarke wirklich mitlebt oder, wie Keenan, gar die nachhaltige Schaffung von Arbeitsplätzen im Kopf hat, und dem smarten Unternehmer sind in dieser Branche freilich fließend. Und so gilt für die Imageproduktion der Rockstars dasselbe Motto, das auch für den Alkoholkonsum per se gilt: Man möge das Angebot maßvoll genießen.