Sven Väth auf der Loveparade, 1992

© Ben de Biel

Berlin: 30 Jahre nach dem Mauerfall
09/16/2019

Fotografieren verboten! Ausstellung über die Berliner Clubkultur

In der Galerie C/O Berlin werden Fotos gezeigt, die es eigentlich gar nicht geben sollte. "No Photos On The Dance Floor" dokumentiert die Berliner Clubkultur nach dem Mauerfall.

von Marco Weise

Berliner Clubs sind legendär - auch für ihr Fotoverbot. Eine Ausstellung in der Galerie C/O Berlin widmet sich dieser 30-jährigen Clubkultur. Sie zeige „Blicke von Leuten, die in den Clubs ganz lange gelebt und fotografiert haben“, sagt Heiko Hoffmann, der gemeinsam mit Felix Hoffmann die Gruppenausstellung kuratiert. Zwei Jahre hat man Material gesichtet und diverse Privatarchive durchforstet - von analogen Schnappschüssen, Flyer und Plakaten über Stempel bis hin zu Clubmarken.

Mit der am Donnerstag eröffneten Schau „No Photos on the Dance Floor! Berlin 1989 - Today“ wird die Berliner Clubszene seit dem Fall der Mauer historisch dokumentiert und im Nachhinein noch einmal erfahrbar gemacht.

Die Ausstellung im C/O Berlin präsentiert bis 30. November Fotografien, Videos, Filme sowie dokumentarisches Material und bietet so einen Einblick in die Entwicklung der Berliner Clubkultur der letzten 30 Jahre. Dass es überhaupt Aufnahmen gibt, ist außergewöhnlich, denn fast alle wichtigen Clubs in Berlin verfügten (und verfügen heute noch immer) über ein Fotoverbot.

Fotoverbot? Das klingt in Zeiten, in denen viele Smartphone-Besitzer (vor allem jene mit  einem Instagram-Account) besessen sind, jeden Moment bis hin zum WC-Besuch festzuhalten, beinahe wie wenn Oma und Opa von früher erzählen. Aber was etwa seit Jahren in der Berliner Techno-Institution Berghain gilt (die Linse der Smartphone-Kamera wird beim Eingang mit einem Sticker überklebt), kommt neuerdings immer wieder öfters zur Anwendung.

Dahinter kann man eine PR-Strategie vermuten, einen Club interessanter machen, als er ist – und Publikum anlocken. Aber mit dem Fotoverbot wird auch eine Tradition fortgeführt, die in der Clubkultur schon vor der Digitalisierung und Omnipräsenz von Smartphones existierte. „Die Tradition des gemeinsamen Feierns in einem Raum, in dem man sich nicht nur in der Musik verliert, sondern in dem man sich frei und aufgehoben fühlen kann. Frei von Überwachung. Frei von Konsequenzen und dem Urteil der Welt da draußen“, heißt es im zur Ausstellung via Prestel Verlag veröffentlichten Katalog.

Lofts statt Club
Dass es dennoch Aufnahmen aus legendären Clubs wie dem Tresor oder Planet gibt, ist Menschen wie Tilman Brembs zu verdanken. Der Berliner arbeitete jahrelang an der Bar im Tresor, einer Techno-Institution, die es heute zwar immer noch gibt, aber seit 2007 an einer neuen Adresse. Der Abriss des alten Gebäudes in der Leipziger Straße erfolgte 2005. Heute stehen dort Bürogebäude. Im Planet in der früheren Margarinefabrik am Spreeufer wohnen nun Menschen, die es sich leisten können, in Loft-artigen Eigentumswohnungen. Ähnlich erging es in den vergangenen 30 Jahren auch anderen relevanten Orten der Club- und Kulturszene. Ein Besuch der Ausstellung „No Photos on the Dance Floor!“ ist somit eine nostalgische Reise in ein Berlin, das heute nur noch mehr zum Teil existiert.

 

 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.