Der schöne Joseph (Florian Teichtmeister, rechts) und der kastrierte Höfling Potiphar (Tonio Arango). Im HIntergrund: Sandra Cervik. Premiere ist am Donnerstag in der Josefstadt.

© Moritz Schell

Interview
12/03/2013

"Mord, Totschlag, Ehebruch"

Florian Teichtmeister zur Premiere von "Joseph und seine Brüder" in der Josefstadt.

von Guido Tartarotti

Am Donnerstag ist Premiere: Günter Krämer inszeniert die Dramatisierung des Romans von Thomas Mann.

KURIER: Wie laufen die Proben?

Florian Teichtmeister: Mein Anteil ist ja gar nicht so groß, aktiv anwesend bin ich ja nicht so viel auf der Bühne. Daher gilt mein Respekt den Kollegen, die enorm viel Text zu bewältigen haben.

Joseph ist selten auf der Bühne?

Ja, das ist gut so! Am gescheitesten ist es doch, über den schönsten Mann der Welt zu reden, aber er kommt nie! Denn das ist ja eine programmierte Enttäuschung – er kann nie so schön sein, wie man es sich vorstellt. Ich frage mich ja immer: Ist es gut, das zu spielen, was die anderen Figuren über einen denken? Oder ist es nicht besser, man spielt ein bisschen etwas anderes? Und wenn die anderen sagen, das ist der schönste Mann der Welt, dann brauch ich nur auftreten, und ich spiele schon etwas anderes...

Was macht Joseph für die anderen so schön?

Der Adel des Geistes, die Qualität des Gefühls. Da ist eine Schönheit in diesem Menschen, die ist uneitel und bescheiden. Der Moment, wenn er dem kastrierten Potiphar beschreibt, wie die Bienen die Blumen bestäuben, der ist ja gefährlich – aber er kann das so gut, er spürt, was die anderen brauchen. Weil er, um den kleinen Prinzen zu zitieren, mit dem Herzen sehen kann.

Dennoch landet Joseph im Gefängnis.

Er kommt ins Gefängnis, weil er – das merke ich, je länger ich diese Rolle spiele – dann eben doch ein Mann ist, der einer Frau gegenüber auf die Klugheit vergisst. Und trotzdem geht für meine Figur das Leben weiter, für die anderen Figuren aber nicht. Ich komme zwar in den Kerker, aber für mich ist das nur ein Abschnitt einer Geschichte, die woanders hin führt. Für die anderen ist die Geschichte beendet.

Szenenfotos aus "Joseph und seine Brüder"

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Thomas Mann hat ja aus der eher knappen biblischen Geschichte von Joseph einen riesigen, vierteiligen Roman gemacht.

Heute würde man sagen, die biblischen Geschichten sind Plot-zentriert. Es wird erzählt, was passiert, und aus. Das macht die Sache auch so beeindruckend: Das sind ganz frühe, archaische Geschichten über Mord und Totschlag, Ehebruch, Menschenopfer ... Alles, was du dir vorstellen kannst an Grusel und Faszination, wird dir, noch bevor das Fernsehen es dir zeigt, in der Kirche erzählt. Shakespeare steht also in einer guten Tradition: Große Königs- und Raubersgeschichten. Aber der Kern dieser Geschichten, der stimmt immer noch.

Warum gibt es zuletzt so viele Romandramatisierungen? Fehlen die neuen Stücke?

Ich sehe wenig Neues – ich weiß auch nicht, warum. Es gibt ja auch viele Filmdramatisierungen, wahrscheinlich hat das damit zu tun, dass man ein bestimmtes Publikum anziehen will. Man merkt aber dann am Theater oft, dass die Filmdramaturgie sehr dünn ist. Das Filmmedium deckt vieles zu, es macht vieles an Dramaturgie obsolet mit seiner Bildkraft.

Welche Filmrollen hätten Sie gerne gespielt?

Alle von Leonardo DiCaprio! „Shutter Island“ würde ich sofort spielen. Oder „Inception“! Um mit De Niro zu spielen oder Jack Nicholson, oder um mit Scorsese zu drehen, würde ich sogar zahlen!

Zuletzt haben Sie mit Andreas Prochaska den Zweiteiler „Sarajevo“ gedreht.

Ich habe großartige Erfahrungen beim Film gemacht. Ich war zwar diesen Sommer körperlich schon am Ende, zwischen Dreharbeiten und meinem Debüt am Burgtheater mit „Lumpazivagabundus“. Ich hab die halbe Nacht gedreht, bin mit dem Auto nach Wien gefahren, zur Probe in die Burg, ich habe ja nicht einmal gewusst, wo dort die Garderoben sind. Mir tut das ja gut, wenn ich in der Überforderung bin.

Sie haben gerade den Publikums-Preis beim Nestroy gewonnen – offenbar mag man Sie!

Dass das Publikum für mich gestimmt hat, ist richtig, richtig schön. Umso mehr, als ich am Abend der Verleihung das Gefühl hatte, viele Kollegen freuen sich für mich.

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