Kultur
08.11.2018

Filmkritik zu "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen": Husch, husch ins Köfferchen!

Verlangsamtes Wundertüten-Kino in melancholischer Endzeitstimmung mit einem mehligen Johnny Depp als Magier Grindelwald.

„Ich hasse Paris“: Sogar Bösewichte wie Grundelwald sind manchmal witzig. Im mittlerweile zweiten Teil der fünfteiligen „Phantastische Tierwesen“-Reihe darf Johnny Depp  als magischer Schurke Gellert Grindelwald sein wahres Gesicht zeigen. Nachdem die Fan-Unruhe über seine Teilnahme am „Potter“-Universum aufgrund von Gewaltvorwürfen seiner Ex-Ehefrau aus dem Weg geräumt waren  und J. K. Rowling sich persönlich auf seine Seite gestellt hatte, bekommt Depp freie Fahrt. Die nutzt er gleich in einer vernebelten Anfangssequenz: Obgleich  er mit Hilfe des verhuschten Tierforschers Newt Scamander (Eddie Redmayne) gefangen genommen worden war, kann  er sich in einer soliden, wenngleich keineswegs umwerfend inszenierten Ausbruchsaktion aus einer Kutsche befreien und nach Paris reisen.

Erneut übernahm David Yates die Regie über die Entstehungsgeschichte  des Harry-Potter-Lehrbuchs und taucht diesmal noch weiter ins Land der Düsternis ein. Während im ersten Teil der Spin-off-Saga besonders die bunten, phantastischen Tierwesen und ihre seltsamen Ausformungen im Mittelpunkt standen, beherrschen jetzt die machthungrigen Machenschaften von Grindelwald die Handlung.

Schauplatz ist zumeist das eisgraue Paris, wo Grindelwald („Ich hasse Paris!“) die angestrebte Vorherrschaft reinblütiger Magier durchziehen will.

 

Johnny Depp erinnert mit  seinem mehlig-weißen Gesicht und der Igelfrisur ein wenig  an Christopher Lambert  in „Subway“ und kann als zauberhafter New-Wave-Punk nicht so recht als Weltenverführer punkten.

Endzeitstimmung

Ohnehin inszeniert Yates seine „Phantastischen Tierwesen“ als eine Art verlangsamtes Wundertüten-Kino, in  dem man sich als Zuschauer bei jeder Szene wie bei einem Schaukasten die Nase vor den visuellen Attraktionen plattdrücken kann. Manche Bilder – etwa, wenn es schwarze Tücher regnet – gelingen Yates besser als andere. Die schwermütige Handlung  in Endzeitstimmung  geht stockend vonstatten und lässt die Thrillerqualität, die Produzent David Heyman im Vorfeld angekündigt hatte, schmerzlich missen. Zum Großteil besteht sie darin, den mysteriösen Credence zu finden: Sowohl   Grindelwald, als auch die Gegenseite unter der Führung von Newt Scamander machen sich auf die Suche nach ihm.

„Potter“-Fans können sich auf das Auftreten von Dumbledore in Hogwarts freuen.  „Austria“ hat einen Kurzauftritt als Standort von  Schloss Nurmengard. Und  auch der freundliche Muggel Jacob Kowalsky – schwer verliebt in  Queenie Goldstein – ist  wieder dabei. Unter den phantastischen Tierwesen gibt es einen interessanten chinesischen Neuzugang in Form einer pelzigen Kreatur mit dem Kopf  eines Gebirgslöwen und dem  Schwanz einer rosa Federboa. Bevor es in Paris größeren Schaden anrichten kann, wird es auch schon von Newt Scamander  eingefangen: Husch, husch ins Köfferchen!