Maren Eggert und Dan Stevens in Maria Schraders Sci-Fi-Dramedy „Ich bin dein Mensch“

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Filmstarts
06/24/2021

Filmkritik zu "Ich bin dein Mensch": Verliebt in meinen Roboter

Maria Schraders unterhaltsame Sci-Fi-Dramedy stellt sich die Frage: Sind Androiden die besseren Beziehungspartner?

von Alexandra Seibel

Auf den ersten Blick scheint der Mann perfekt. Er sieht gut aus, spricht viele Sprachen, kocht Frühstück und putzt die Wohnung.

Er kann Rilke-Gedichte aufsagen und fantastisch Kopfrechnen. Wenn man ihn fragt, was für ihn das Traurigste wäre, was er sich vorstellen kann, sagt er treuherzig: „Alleine sterben.“

Der Mann heißt Tom und ist ein humanoider Roboter.

Tom wurde ganz nach den Bedürfnissen von Alma, einer Berliner Wissenschafterin, programmiert. Alma nimmt (widerwillig) an einem Experiment teil: Drei Wochen lang soll sie mit Tom zusammenleben und danach evaluieren, ob sich Roboter als Beziehungspartner für Menschen eignen.

Aussehensmäßig ist Tom tadellos, verführungstechnisch schon weniger. Selbstsicher lässt er Alma ein Schaumbad ein, verstreut Rosenblätter und verkündet: „93 Prozent der deutschen Frauen träumen von einem Rosenbad mit Champagner und Kerzen.“ Doch Alma will nicht zu den Klischee-Frauen gehören, die auf Schaumbäder stehen; Tom geht ihr spontan auf die Nerven.

Regisseurin und Schauspielerin Maria Schrader hat bereits mit dem Stefan-Zweig-Film „Vor der Morgenröte“ (2016) beeindruckt. Unlängst reüssierte sie mit der vierteiligen Netflix-Serie „Unorthodox“ und wurde dafür als erste deutsche Regisseurin überhaupt mit einem Emmy ausgezeichnet.

Ihre dritte Kinoarbeit basiert nun auf Motiven von Emma Braslavskys „Ich bin dein Mensch“ und erzählt eine romantische Komödie im zarten Korsett der Science Fiction. Zwar wurden sowohl romantische Komödien als auch die Frage, ob Roboter menschenähnliches Bewusstsein erlangen können, schon Hunderte Male (im Kino) durchgespielt. Doch Schrader beschreitet dieses ausgetretene Terrain mit viel Witz, Sensibilität und einem hervorragenden Schauspielensemble. Der Brite Dan Stevens („Downton Abbey“) spielt seinen feschen Roboter mit stahlblauen Augen und aufgewecktem Gesichtsausdruck. Ihm gegenüber versucht Maren Eggert als verunsicherte Alma angestrengt, sich nicht in den Maschinenmann zu verlieben.

Liebe und Algorithmus

Doch passen Liebe und Algorithmus zusammen? Kann ich mir den Gang zu Parship ersparen und stattdessen den Traummann als perfekten Roboter programmieren lassen? Bekomme ich damit endlich die geglückte Paarbeziehung oder doch nur die Befriedigung des eigenen Narzissmus? Und tritt nicht an die Stelle genuiner Auseinandersetzung das endlose Selbstgespräch vis à vis einer fühllosen Maschine?

All diese komplexen Fragen lässt Schrader in den geschliffenen Dialogen einer gelungenen Sittenkomödie aufflackern. Ihre Filmbilder jedoch suchen ausschließlich die Versöhnung, verstörende Momente von Unheimlichkeit gibt es kaum. Das Einzige, was man dem schönen Roboter vorwerfen könnte, ist, dass er schnarcht wie ein echter Mann.

INFO: D 2021. 105 Minuten. Von Maria Schrader. Mit Maren Eggert, Dan Stevens

Filmkritik zu "Kings of Hollywood": Veteranentreffen im Filmbiz

Auch mit wallendem, weißen Haar und  einer modischen Brillenfassung aus den 70er Jahren ist Robert De Niro unschwer zu erkennen. Als glückloser Filmproduzent Max Barber muss er dringend ein neues Filmprojekt auf die Beine stellen, um einem Mafiaboss (Morgan Freeman!) die Geldschulden zurückzuzahlen. Die zündende Idee: Einen Uralt-Schauspieler (Tommy Lee Jones!) für einen Western zu engagieren, hoch zu versichern und dann – per Unfall – sterben zu lassen.

Hollywoods Golden Boys schlossen sich zu einer etwas lahmen Krimikomödie     zusammen, der auch der Hang zur Hollywood-Satire   nicht  auf die Sprünge hilft. Besonders   die unbeholfene erste   Hälfte lebt   nur vom Nostalgiefaktor, ehe  dann doch etwas Schwung in die Bude kommt. De Niro als skrupelloser Produzent versprüht den Charme einer knorrigen Eiche, während Tommy Lee Jones damit überrascht, dass er trotz haarsträubender Unfälle am Leben bleibt.

INFO: USA 2020. 104 Min. Von George Gallo. Mit Robert De Niro, Tommy Lee Jones

Filmkritik zu "Die Trüffeljäger": Auf der Jagd nach Delikatessen

Trüffel kann man ähnlich verkosten wie Wein. Man schwenkt sie im Glas und riecht an ihnen, um ihre Qualität zu ermessen. Denn der gute Trüffel ist teuer; und ganz besonders  der  Alba-Trüffel aus den Wäldern des Piemont in Norditalien.

Dort gehen  ältere Herren zwischen 70 und 90  mit ihren  Hunden auf Trüffeljagd.  Vorsichtig graben sie die kostbaren Delikatessen aus der Erde und verkaufen sie an gierige Zwischenhändler, deren internationale Abnehmer das X-fache von dem bezahlen, was sie selbst ausgegeben haben.

Doch die Welt der Trüffeljäger ist im Verschwinden begriffen. Der Druck der Konkurrenz, ausbeuterische Methoden und Klimawandel bedrohen das fragile Ökosystem.

In klaren, formschönen Bildern geben  die Filmemacher Michael Dweck und Gregory Kershaw tiefe Einblicke in eine wundersame, unbekannte Welt. Melancholisch, aber auch komisch erzählen sie aus dem Leben alter Männer, deren traditionelle Profession immer beschwerlicher   wird und die neben  den Trüffeln nur  eine, noch größere Liebe haben: ihren Hund.

INFO: I/GR/USA 2020. 84 Min. Von Michael Dweck, Gregory Kershaw. Mit Piero Botto

 

Filmkritik zu "Die Stimme des Regenwaldes": Vertreibung aus Paradies

Das Drama des Schweizer Regisseurs Niklaus Hilber basiert auf der Lebensgeschichte des Schweizer Umweltaktivisten und Ethnologen Bruno Manser.  Daraus entstanden ist eine Geschichte von zeitloser Kraft: Von einer Vertreibung aus dem Paradies – und die des Kampfes dagegen.

Mitten im Regenwald spürte Manser ein Nomadenvolk auf, die Penan. Von ihnen wollte er erfahren, was menschliches Zusammenleben in seiner Urform bedeutet. Er lernt ihre Sprache und sie nennen ihn „Laki Penan“, den „Weißen Penan“.

Als die Tropenholz-Jäger den Einwohnern unerbittlich mit ihren Kettensägen und Sattelschleppern auf den Leib rücken, bitten ihn die Penan um Beistand. Dieser Spielfilm, authentisch und kämpferisch zugleich, nimmt uns mit auf eine sehenswerte Reise, die uns zu verstehen gibt, wie leicht unsere Evolutions- zur Verlustgeschichte werden könnte. 

Text: Gabriele Flossmann

INFO: CH/Ö 142 Min. Von Niklaus Hilber. Mit Sven Schelker, Charlotte Heinimann

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