Die toxischen Fans sind wieder unterwegs: „Vaiana“, „Odyssee“, „Supergirl“
Dwayne Johnson hat, sagt er, gelacht über die vielen Kommentare. Aber eigentlich kann einem bei diesem neuen Sommerphänomen, das alljährlich in veränderter Form zurückkehrt und nicht und nicht abebbt, das Lachen im Hals stecken bleiben: Die einstigen Sommerlochthemen (Krokodil im Kanal etc.) wurden abgelöst durch giftige Online-Debatten von angeblichen Fans, in deren Zentrum das Filmschaffen steht. Heuer etwa die Realverfilmung von Disneys „Vaiana“, eben mit Johnson.
In dem Film trägt der bekannte Glatzkopf eine Perücke. Mehr braucht es nicht.
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Die Haarpracht von Johnson rückte ins Zentrum der Online-Aufmerksamkeit, und wer schon ein Mal im Internet war, weiß, dass das nichts Gutes ist. Es folgte jenes Stakkato an Pointen, Memes und Beleidigungen, das immer dann ausfließt, wenn sich Menschen einig sind, dass man zu etwas eine Meinung haben soll. Das Spektrum ist breit: Von Glatzenwitzen bis hin zur kritischen Bemerkung, dass in der polynesischen Kultur das Haar eine besondere Rolle spielt, war alles dabei.
Und auch wenn dieser Sturm in Nuancen besser gelaunt war als manch anderer – das Phänomen selbst hat sich derart verselbstständigt, dass es schwerfällt, gute Miene zum bösen Meme-Spiel zu machen. Die Fans stürzen sich auf die geringste Ungewöhnlichkeit so, wie fiese Teenager sich an Außenseitern abarbeiten. Und „Vaiana“ blieb damit nicht allein.
Eine junge Frau, die Superheldin sein will? Auch hier braucht es nicht mehr als das, um die toxischen Fans auf den Plan zu rufen.
„Supergirl“, von der Kritik durchaus gelobt, ist der Flop des Sommers. Und neben der Superheldenmüdigkeit und der Schwierigkeit, neue Stoffe zu etablieren, spielt hier ein Phänomen eine Rolle, das man etwa von der Rezeption der neuen „Star Wars“-Filme kennt: der Sexismus.
Kaum war der Film angekündigt, wurde das Aussehen der Hauptdarstellerin Millie Alcock beleidigt. Dass „Supergirl“ dann auch noch mit feministischen Nebentönen beworben wurde, brachte die giftigen Fans auf die Palme: „Allein, dass man als Frau in diesem Raum lebt, ruft Kommentare hervor“, sagte Alcock – und, erraten, auch darauf gab es wieder zornige Kommentare. Hauptvorwurf: Der Film sei „woke“, weil er ... nun ja, weil er keinen Mann ins Zentrum stellt.
Bei den Griechen
Denn ja, diese irrelaufenden Fangemeinschaften sind ein wichtiger Teil im Kulturkampf zwischen den Rechtspopulisten wie MAGA und den vermeintlich linken oder liberalen Filmstudios.
Die Filme müssen noch gar nicht im Kino zu sehen sein, damit derartige Kämpfe eskalieren können: Christopher Nolans „Odyssee“-Verfilmung, die kommende Woche startet, geriet auch schon in die Schusslinie.
Denn ganz viele Fans haben brav ihren Homer gelesen – und verweisen darauf, dass Helena darin „weiße Arme“ habe. Nolan aber besetzte die Rolle mit Lupita Nyong'o. Man ahnt es schon: Fox News, sonst nicht gerade der Ort für klassische Bildung, echauffiert sich über die „geschichtlichen Ungenauigkeiten“, ohne etwa über die Besetzung der Zyklopen durch einen Nicht-Zyklopen oder der Sirenen durch Nicht-Sirenen zu keppeln.
Bemerkenswert ist: Die schlechte Laune im Internet bezüglich des Hollywood-Schaffens ging in den letzten Jahren durchaus mit einer finanziellen Krisenhaftigkeit einher. Nach der Pandemie haben sich die Filmeinnahmen nie völlig erholt. Mancher meinte, dass sich das Publikum vom „woken“ Hollywood abwendet.
Das aber ist nicht der Fall: 2026 ist an der Kinokasse schon bisher knapp an 2019 dran (siehe oben) – also dem letzten wirklich erfolgreichen Kinojahr vor Corona. 2019 hatten zehn Filme über eine Milliarde Dollar eingespielt, heuer ist es bisher nur einer („Super Mario Galaxy“, „Michael“ ist nah dran), aber das wird sich noch ändern.
Und die Filme mit hohen Einnahmen sind weit vielfältiger als 2019; damals herrschten Superhelden- und Animationsfilme, heuer reicht das Spektrum von der Jackson-Biografie „Michael“ zu „Der Teufel trägt Prada 2“. Daraus kann man eines lernen: Die Trolle im Internet kann man ausblenden oder, wie Johnson, über sie lachen. Aber Maßstab für das, was im Kino passiert, sind sie nur noch für jene, die selbst Kulturkampf führen wollen. Und auch über die kann man vielleicht am besten lachen.
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