Kultur
16.01.2015

Eine Starparade an der Rax

Schönherr, Raimund, Schnitzler, Ibsen und Alma Mahler-Werfel.

Die Zahlen sprechen Bände: Mehr als 40.000 Besucher (100 Prozent Auslastung) kamen 2014 zu den Festspielen Reichenau; und auch heuer wartet auf die Schauspieler Mehrarbeit. "Der Kartenvorverkauf läuft sehr gut", betont das Intendanten-Ehepaar Renate und Peter Loidolt unisono. "Es wird also auch im 28. Jahr der Festspiele wieder Zusatzvorstellungen geben."

Kein Wunder, stehen die Festspiele Reichenau doch seit Anbeginn für starke Stoffe und großes Schauspielertheater. Das ist auch 2015 so. Denn in der Zeit von 2. Juli bis 4. August stehen an die 120 Vorstellungen auf dem Programm, und viele Schauspieler der bedeutendsten Wiener Bühnen geben sich an der Rax ein Stelldichein.

Spannendes Debüt

Den Auftakt im Premieren-Reigen macht am 3. Juli Karl Schönherrs Dreiecksdrama "Der Weibsteufel" in "einer absolut idealen Besetzung", wie Renate und Peter Loidolt betonen. So kehrt Katharina Straßer als "Weib" nach ihrer Babypause auf die Bühne zurück. Als ihr als "Flaschenmandl" titulierter Ehemann ist Marcello de Nardo zu sehen. Den "Grenzgänger", der eine erotisch-letale Katastrophe auslöst, spielt Bernhard Schir, der im Neuen Spielraum zugleich sein Debüt als Regisseur geben wird. "Mit Maria Happel oder Regina Fritsch haben bereits einige Schauspieler bei uns ihr erfolgreiches Regie-Debüt gegeben. Diesen Weg wollen wir jetzt mit Bernhard Schir weitergehen", so die Loidolts.

Ein echter Klassiker feiert am 4. Juli im Theater Reichenau Premiere: Michael Gampe inszeniert Ferdinand Raimunds "Der Alpenkönig und der Menschenfeind". August Schmölzer ist als Rappelkopf zu sehen, die dankbare Dienerrolle des Habakuk verkörpert Nicolaus Hagg. Mit dabei ist – nach ihrem fabelhaften Debüt als "Effi Briest" 2014 – auch wieder Alina Fritsch. Die Tochter von Burgschauspielerin und Alma-Seidler-Ring Trägerin Regina Fritsch spielt im "Alpenkönig" das Malchen.

Spannendes Duell

Zum zweiten Mal (nach 2003) gibt es im Neuen Spielraum (ab 5. Juli) wieder Arthur Schnitzlers "Professor Bernhardi". In der Titelrolle ist Joseph Lorenz zu erleben. Peter Matić – er war 2003 der Bernhardi – kreuzt als Minister mit Lorenz verbal die Klingen. Regie bei dieser top-besetzten (u. a. André Pohl, Florentin Groll) Produktion führt Hermann Beil.

Großartige Darsteller bieten die Festspiele auch bei Henrik Ibsen auf. Dessen Drama "John Gabriel Borkman" hat am 6. Juli im Theater unter dem Titel "Bankier Borkman" Premiere. Für Reichenau hat Nicolaus Hagg Ibsen in "eine heutige Fassung" gebracht; Alfred Kirchner führt Regie. Martin Schwab gibt den gescheiterten Bankier John Gabriel Borkman; Regina Fritsch spielt dessen Ehefrau. Julia Stemberger verkörpert deren Schwester; Stembergers Tochter Fanny Altenburger wirkt ebenso mit wie Chris Pichler, Hans Dieter Knebel und Stefan Gorski.

Als fünfte Produktion ist ab 11. Juli eine szenische Lesung angesetzt: Unter dem Titel "Mein Leben" verwandelt sich Senta Berger im Neuen Spielraum in Alma Mahler-Werfel. Dazu kommen zwei Konzerte von Starpianist Rudolf Buchbinder (5. Juli) und zwei Auftritte (19. Juli) der Pianistinnen Katia und Marielle Labèque.

Link: www.festspiele-reichenau.com