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"Effi Briest" macht Lust aufs Lesen

Fontanes "Effi Briest" in der Fassung von Nicolaus Hagg bei den Festspielen Reichenau.
Eine Frau in roter Kleidung sitzt, während ein Mann in Uniform im Hintergrund steht.

Erst Kind, dann Mutter, viel zu spät Frau, letztlich nur ein gescheitertes Wesen – das ist der Weg, den Theodor Fontanes " Effi Briest" im gleichnamigen Roman zu gehen hat. Ein Frauenschicksal, das in vielen, (guten) Deutsch-Unterrichtsstunden Generationen von Schülern beschäftigt und dabei nicht immer glücklich gemacht hat.

Sehr glücklich aber macht die Art und Weise, wie die Festspiele Reichenau diese scheinbar aus der Zeit gefallene, dabei sehr heutige Tragödie auf die Bühne bringen.

Vom Baum zum Baron

Das liegt auch an der Bühnenfassung von Nicolaus Hagg, der alle Figuren auf ihre Seelennöte reduziert, der unnötiges Personal und vor allem jedes Bismarcksche Brimborium weglässt. Was man in Reichenau sieht, ist das Schicksal eines jungen Mädchens, das (eben noch auf den Bäumen kletternd) von der eigenen Mutter an deren einstigen Verehrer (und Liebhaber?) Baron Geert von Innstetten verheiratet wird. Damit beginnt Effis Untergang.

Sie fristet ihr Dasein in einem kalten Haus (erfundene Gespenster inklusive) in der Provinz. Sie beginnt eine kurze Affäre mit einem gewissen Crampas, wird von ihrem Mann zu spät auch als sexuelles Wesen entdeckt. Und sie wird nach Auffliegen der Affäre – samt für Crampas letalem Duell – auch von Innstetten verstoßen. Es folgt Effis Selbstmord, es bleibt das Unglück aller Überlebenden.

Eindrücke aus "Effi Briest"

Auf einer Bühne zielt ein Mann mit Zylinder und Pistole, während eine Frau Briefe hält.

FESTSPIELE REICHENAU: FOTOPROBE "EFFI BRIEST"
Zwei Schauspielerinnen auf einer Bühne, eine klettert eine Strickleiter hoch.

FESTSPIELE REICHENAU: FOTOPROBE "EFFI BRIEST"
Eine Frau in roter Kleidung sitzt, während ein Mann in Uniform im Hintergrund steht.

FESTSPIELE REICHENAU: FOTOPROBE "EFFI BRIEST"
Ein Mann umarmt eine Frau mit lockigem Haar tröstend.

FESTSPIELE REICHENAU: FOTOPROBE "EFFI BRIEST"
Eine Frau sitzt, während ein Mann auf der Bühne Schach spielt.

FESTSPIELE REICHENAU: FOTOPROBE "EFFI BRIEST"
Eine junge Frau hält die Hand eines Mannes in einem Anflug von Verzweiflung.

FESTSPIELE REICHENAU: FOTOPROBE "EFFI BRIEST"
Eine junge Frau im weißen Kleid und ein älterer Mann im Anzug auf einer Bühne.

FESTSPIELE REICHENAU: FOTOPROBE "EFFI BRIEST"

Mutter und Tochter

Das klingt spröde? Ist es aber nicht. Denn Regie-Debütantin Regina Fritsch (zum Niederknien gut als Effis Mutter!) schafft in Peter Loidolts großartigem Bühnenbild die Quadratur des Kreises. Diese "Effi" ist zeitlos, heutig, zieht in den Bann, hat Kraft und berührt. Ganz klassisch inszeniert, mit guter Musik (Bernhard Moshammer), passenden Kostümen (Caterina Czepek), sehr feiner Licht-Regie (John Lloyd Davies) und fabelhaften Darstellern. Überragend: Alina Fritsch (ja, die Tochter von Regina Fritsch) als Effi und Michael Dangl als verknöcherter Innstetten.

Wie Alina Fritsch die diversen emotionalen Wandlungen Effis ganz natürlich nachvollzieht, wie sie zwischen Kind und Frau perfekt changiert, ist großartig. Ein Versprechen für die Zukunft.

Längst eine Fixgröße ist Michael Dangl, der "seinem" Innstetten sogar positive Züge verleiht, der letztlich ein Opfer seiner eigenen Weltanschauung wird. Eine Liebe, die hätte sein können, aber doch nicht sein kann – sie wird dank Alina Fritsch und Michael Dangl zum Ereignis.

Wunderbar und klug gezeichnet auch die übrigen Personen: Denn neben Regina Fritsch als Effis Mutter brilliert Martin Schwab als deren Vater. Dieser weiß, dass die Seele zumindest ein "weites Feld" ist und dass auch (Selbst-)Vergebung zählt.

Dazu kommen Sascha Oskar Weis als forscher Crampas, Rainer Friedrichsen als des Barons fast untoter Diener, Emese Fay als Effis starke Stütze, Hans-Dieter Knebel als liebenswürdiger Apotheker und Hannes Gastinger als Apotheose eines preußischen Beamten – fertig ist das Theaterglück. Und Fontane? Irgendwie liest man ihn danach wieder sehr gern.

KURIER-Wertung:

Eine Frau in einem extravaganten Kostüm steht auf einer Bühne, umringt von ausgestreckten Händen.

Eine Gruppe demonstrierender Menschen, wobei ein Mann ein Schild mit der Aufschrift „Empört Euch!“ hält.

Ein älterer Mann mit Hut und Brille posiert mit einer jungen Frau im Hintergrund.

LaxenHirschal_Marlena Koenig
Zwei Männer posieren, einer mit einem indigenen Kopfschmuck und der andere mit Sonnenbrille.

Zuschauer sitzen auf einer Tribüne unter freiem Himmel bei einer Veranstaltung.

Eine Frau mit dunklen Haaren und Ohrringen lächelt in die Kamera.

Luftaufnahme von Schloss Gschloss in Österreich mit umliegenden Gärten und Wäldern.

Ein Mann in Frauenkleidern sitzt auf einem Stuhl und schminkt sich.

Zwei Männer in Kostümen stehen auf einer Bühne und lachen.

Eine Venusstatue mit einem Panzer im unteren Bereich.

Fünf Personen stehen vor einer Milchglastür.

Zwei Männer in Anzügen springen nach einem Stuhl vor einem bewölkten Himmel.

Eine Theaterszene mit Schauspielern in Kostümen, Rauch und Funken auf der Bühne.

Ein lachendes Paar in traditioneller Kleidung umarmt sich vor einem schwarzen Hintergrund.

Eine Frau in historischer Kleidung mit einem Mann in Uniform im Hintergrund.

Eine Frau in einem eleganten, schwarz-weißen Kleid auf einer Bühne.

Ein Mann mit extravaganten Kostüm und Krähe auf dem Hut lächelt.

Zwei Frauen in Dirndl stehen auf einer Wiese vor einem Nachthimmel mit Mond und Sternen.

Ein Mann in historischer Kostümierung und weißer Perücke posiert auf einer Bühne.

Ein Mann mit Krone und Weste blickt nach oben.

Eine Frau in Abendgarderobe wird von zwei Männern flankiert, einer mit Maske, der andere in Uniform.

Eine lächelnde Frau hält eine Gewehrpatrone im Mund.

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Eine Gruppe von vier Personen posiert vor einem roten Vorhang im Stil der 1920er Jahre.

Ein Mann legt einer Frau auf einer Pflasterstraße seine Jacke um.

Drei Schauspieler in Trachten vor einer Kulisse mit blühenden Mandelbäumen und Weinbergen.

Ein Mann hält eine Frau im Arm in einem Tanzstudio.

Ein Mann mit Dornenkrone und Gewand blickt nach oben.

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