Kultur
06.07.2018

Fantasy, afrikanisch: "Black Panther" mit Riesenlöwen

„Children of Blood and Bone“ von der jungen Amerikanerin Tomi Adeyemi ist für große Leinwand geschrieben.

Liest man das kämpferische Nachwort der 24-jährigen Autorin  ZUERST („Wir begehren auf!“) und hört von unschuldigen Kindern wie Jordan Edwards, 15, Tamir Rice, 12, und Aiyana Stanley-Jones, sieben,die von weißen amerikanischen Polizisten erschossen wurden ...
... so könnte die Frage auftauchen:
Aber wieso hat Tomi Adeyemi  dann „nur“ einen Fantasy-Roman mit Flammentänzern und Wellenhütern und seltenen rotflossigen Speerfischen geschrieben?
„Children of Blood and Bone“ IST Aufbegehren. Das ist nicht für jeden sofort zu erkennen. Aber die Comics- und Filmfigur „Black Panther“ ist ja ebenfalls ein Schrei gegen Rassismus.
 Naja, ein leiser. Die Geldmaschine hat ihn übertönt.
„Children of Blood and Bone“ jedenfalls ist „Black Panther“ mit viel Zauberei.

Das auf drei Teile angelegte Buch  will erreichen, dass ein schwarzes Mädchen ein Star sein kann, damit Ignoranten  nicht länger sagen können: Niemals kann ein schwarzes Mädchen so eine Heldin wie Hermine Granger sein, Freundin von Harry Potter.
Im Land, das Orïsha heißt und in dem Lagos die größte Stadt ist, wie in Nigeria –  da gibt es gewaltsame Szenen, die Vorfällen auf der Erde ähnlich sind.
Tomi Adeyemi hat – nach Literatur in Harvard – in Brasilien Westafrikanische Kultur und Mythologie studiert. Ihr  davon inspirierter Fantasy-Roman will Wahres erzählen. Die Verfilmung ist  schon in Arbeit.
Geritten wird auf riesige n Schneeleoparden und  Panther, so machen es die Fieslinge – die Heldin, die 13-jährige Zélie, sitzt auf ihrem  Löwenkoloss, mit dem sie sogar über Dächer springt. Das sieht auf der Leinwand bestimmt großartig aus.

Was die Handlung betrifft: Geht ganz schnell. Vor elf Jahren  hat der König fast alle Zauberer umbringen lassen. Sind ja gefährlich (für ihn). Naja, und Zélie – obsidianschwarze Haut und, wie alle Magier, weißes Haar (siehe Buchumschlag)  – wird dafür sorgen, dass das Gute zurückkehrt. Die Tochter des Königs und der Sohn des Königs wechseln die Seite.
Es dauert länger, in  Orïsha „warm“ zu werden. In Harry Potters Hogwarts-Schule ging das schneller.  Überraschend ist, wie wenig überraschend Tomi Adeyemis Welt ist. In den USA hat es vielen 15-, 16-, 17-Jährigen trotzdem gereicht.

 

Tomi Adeyemi: „Children of Blood and Bone 1 –Goldener Zorn“ Übersetzt von
Andrea Fischer.
S. Fischer Verlag.
624 Seiten.
19,60 Euro.

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern