© nny Slinger / Broadway 1602/ SAMMLUNG VERBUND

Kultur
09/29/2021

Exkursionen ins feministische Universum im Lentos Linz

Die Schau „Female Sensibility“ präsentiert Feministische Avantgarde der Sammlung Verbund. Dabei wird sichtbar, welche Anliegen Künstlerinnen der 1970er verbanden

„Der Kunstraum – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2021. Dies sind die Abenteuer der Feministischen Avantgarde, die mit ihrer Besatzung unterwegs ist ...“

Nein, dieser Text steht nicht am Eingang der aktuellen Schau „Female Sensibility“ (bis 9. 1.) im Linzer Lentos Museum. Könnte er aber. Denn die Sammlung des Energiekonzerns Verbund legt unter ihrer Kapitänin Gabriele Schor seit der Gründung 2004 ein Sendungsbewusstsein an den Tag, das mit jenem des „Raumschiff Enterprise“ vergleichbar ist.

Unter dem Label „Feministische Avantgarde“ startete Schor eine Trägerrakete für jene Künstlerinnen, die ab 1970 mit dezidiert feministischen Anliegen auftraten: Der Ausbruch aus reduktiven Mutter- und Hausfrauenrollen, die Auseinandersetzung mit weiblicher Sexualität, die sebstbewusste Handhabung der eigenen Identität fand bei ihnen Ausdruck in einer starken Bildsprache, vorrangig in Fotos, Videos, Objektkunst und Performances.

Mithilfe der Energie aus Österreich platzierte Schor die Künstlerinnen prominent und international. Die Teilnahme Renate Bertlmanns an der Venedig-Biennale 2019 oder die aktuelle Präsenz von Margot Pilz oder Karin Mack im Ausstellungsbetrieb sind auch Konsequenzen davon.

Neuland

Szenekennerinnen und -kennern ist dies wohl bekannt. Umso erfreulicher ist es, dass auch sie bei der Station der Verbund-Sammlung in Linz Neues geboten bekommen: Denn die Sammlung hat sich seit ihrer letzten Präsentation im mumok 2017 verbreitert – teils auch eine Konsequenz des Erfolgs, denn die Preise mancher Künstlerinnen wie Cindy Sherman oder Ana Mendieta haben seit Beginn der Sammlungstätigkeit heftig angezogen.

Schor wirft nun verstärkt Blicke auf afroamerikanische Künstlerinnen oder solche, die hinter dem Eisernen Vorhang an teils denselben Themen arbeiteten wie ihre Kolleginnen im Westen – etwa Gabriele Stötzer in der DDR oder Ewa Partum in Polen.

Mitunter ist verblüffend, wie sich das Bildvokabular ähnelt – Selbst-Einschnürungen als Zeichen für die Empfundene Repression kommen etwa oft vor, Attacken auf das von der Gesellschaft diktierte Schönheitsbild wurden oft mit Nadeln und Nägeln physisch ausgeführt. Aber auch der Wunsch, sich in etablierte Bildformeln einzuschreiben, ist gehäuft zu beobachten – die heuer im Frühjahr verstorbene Mary Beth Edelson nutzte ebenso wie die jüngst 85 gewordene Margot Pilz etwa die Formel des Letzten Abendmahls, um Frauen symbolisch ihren „Platz am Tisch“ zu verschaffen.

Man hofft, dass dieses Kapitel Kunstgeschichte bald zur Allgemeinbildung gehört. All jene, die es noch als fremde Galaxie empfinden, sollten die Lentos-Schau auf jeden Fall sehen.

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