© Lisa Mathis

Literatur
06/20/2019

Eva Schmidts neuer Roman: Wieder steppt kein Bär am Bodensee

Mit „Die untalentierte Lügnerin“ schrieb die leise Bregenzerin ein Psychogramm, ohne groß mit Psychologie zu kommen .

von Peter Pisa

Neulich stand in der Zeitung etwas über ein  Restaurant, das von der Frau Leberzipf geleitet wird.
Das ist ein Name! Damit kann man arbeiten (nicht nur in der Küche).
Eva Schmidt heißt Eva Schmidt (sozusagen), und das ist leiser als Leberzipf. Über zwei Jahrzehnte hatte sich die Bregenzer Schriftstellerin aus der Literatur zurückgezogen. ... als sie 2016 mit „Ein langes Jahr“  auftauchte (und ins Finale um den Deutschen Buchpreis kam), staunte man:
Nichts Besonderes passiert in dem Roman, aber die Sehnsüchte, die  in den Wohnungen am Bodensee freigelegt wurden – wenn man nicht weiß, wohin man möchte ... sie lösten ein inniges Verlangen nach mehr Büchern Eva Schmidts aus.
Jetzt „Die untalentierte Lügnerin“.

Halsweh

Nichts geht vorwärts bei Maren. Die junge Frau hat das Gefühl, sie gehört nirgends dazu. Zu den Zuhörern gehört sie, sicher nicht zu den Rednern bzw. Plapperern.
Schauspielerin wollte sie werden. Es klappte nicht.  Mit ihrer wichtigtuerischen, sich einmischenden Mutter  liegt sie im Dauerstreit. Die Rache der Tochter wird zunächst nur angedeutet.
Marens Stiefvater, ein vermögender Unternehmer, überlässt ihr, damit sie Mutter aus dem Weg geht, seine Firmenwohnung – die verräterisch ist: Hier pflegte er Liebschaften. Er sagt es Maren ganz offen: Ihre Mutter habe er nie geliebt – sie sei halt schön gewesen, früher ...
Überbordend viel ist also im neuen Roman  auch nicht los. Wieder steppt kein Bär in Vorarlberg. Das  Leben schleppt sich, es ist echtes dunkles Leben.
Eva Schmidts Geheimnis sind – das steht bereits im Klappentext – Psychogramme,  ohne dass sie die Psychologie heraushängen lässt.
Und: Bittet jemand in diesem  Roman  um Feuer, greift man unwillkürlich in die eigene Tasche. Hat Maren Halsweh, so überlegt man, ob man im Bad etwas zum Gurgeln für sie hat ...
Eva Schmidt (Foto oben) – eine Kandidatin für den heurigen Österreichischen Buchpris, hoffentlich.

 

Eva Schmidt:
„Die
untalentierte
Lügnerin“
Jung und Jung Verlag.
216 Seiten
22 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern