Das war das 1. ESC-Halbfinale: Mystik, Vampirdisco und ein Känguru
Moderator Michael Ostrowski setzt sich gegen Australier wie Go-Jo (Milkshake Man) und Känguru zur Wehr.
Endlich ist er wirklich gestartet, der Eurovision Song Contest in Wien. Kaum begonnen, schon wieder vorbei, zumindest für fünf Länder. Nur zehn konnten am Dienstag beim ersten Halbfinale ein Ticket für das Finale am Samstag lösen. Nicht darunter ist San Marino, das sich mit Boy George einen Weltstar als Gast geleistet hat. Gelungen ist es hingegen Griechenland, Belgien, Schweden, Moldau, Israel, Serbien, Kroatien, Litauen, Polen und Finnland.
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Schon nett von den Finnen, dass sie in ihren Auftritt eine Hommage an den letzten Song Contest, der in Wien stattgefunden hat, eingebaut haben. Auch hier brannte beim ersten Semifinale in der Stadthalle ein Requisit lichterloh, wie einst das Klavier der österreichischen Vertreter. Nein, nicht die Geige. Nur dass Finnland, der prognostizierte Gewinner dieses Jahres, den Song Contest am anderen Ende der Skala abschließen wird: Die Makemakes bekamen bekanntlich nur 0 Punkte.
Das wurde in der Show, die heuer nach dem Sieg von JJ vom ORF ausgerichtet wurde, auch thematisiert. „Wir sind die Champions im Verlieren“, hat Victoria Swarovski in einem charmanten Einspieler über die Historie der „Zero Points“ bei Eurovision eingestanden. Da befand sich Österreich aber eh in guter Gesellschaft.
Vicky Leandros eröffnete mit dem Lied, mit dem die zweimalige Contestantin und einmalige Gewinnerin nicht gewonnen hat: "L'amour est bleu".
Nicht mit Effekten gegeizt
Keine Scheu vor Schlechtsein! Sowieso ein ESC-Motto. Auch wenn der Hang zur glatten Perfektionierung der Musikindustrie selbst da nicht Halt gemacht hat und manch Mittelmaß gerade hier ergiebig in Showeffekten ertränkt werden kann. Und mit Showeffekten geizte das erste Semifinale am Dienstag nun wirklich nicht.
Feuer gab es nicht nur bei Finnland auf der Bühne, sondern auch bei Deutschland – das Lied heißt ja auch „Fire“ – bekam man das Gefühl, dass bei den Brandmeldern in der Stadthalle vorsorglich die Batterie rausgenommen wurde. Pyrofontänen sind offenbar die neuen Windmaschinen.
Achtung, das brennt jetzt kurz: Finnland mit dem Topfavoriten-Auftriit.
Trickkleider - ja, aber wenig
Beliebt heuer aber auch der Bodendecker-Nebel: Er lieferte die passende Atmosphäre für Kroatien, das sich diesmal für die mindestens einmal verpflichtend vorkommende Kategorie getragene Mystikmusik entschieden hat – aber immerhin auch eine schwebende Sängerin vorzuweisen hatte. Auch Litauen setzte seinen silbern bemalten Sänger im Dunstmeer in Szene.
Mit gutem Grund verzichtete Griechenland auf verdeckten Boden, denn da spielte sich die halbe (Video-)geschichte des Auftritts ab. Mit seiner Alf-Poier-Gedächtnis-Katzenhaube (Achtung, Extrem-Insiderwitz) und einer Rollerfahrt durch Computerspielgrafiken sorgte der diesjährige Spaßkandidat Akylas bei der Probe, die für die Presse zugänglich war, für die meiste gute Laune. Neben Moldau: Diesmal wieder mit dabei, und zwar mit einem frechen Nonsens-Rap in sehr bunt. Dieser Beitrag wartete auch mit dem ersten Trickkleid des Abends auf: eine kuriose Variante, die die Bekleidung nicht weniger, sondern mehr bzw. höher machte. Italien machte das traditioneller: die Braut, die „Wedding Singer“ Sal da Vinci in seinem Schmalzpopsong herbeisang, trug als Rockfutter die entsprechenden Landesfarben.
Musik wie von einer noch zu drehenden Fantasyserie: Kroatien.
Lasershow bei Schweden
Gar nicht wenige Beiträge kamen bei diesem Halbfinale direkt aus der Großraumdisco, einmal mit Lasershow, die eine ernsthafte Gefahr für Epileptiker darstellen könnte (Schweden), einmal mit Vampir-Domina-Beat (Montenegro), einmal mit „Lalala“ (Georgien), einmal mit „Ohja, ich hab auch 12 Worte Text“-Boy George (San Marino). Letzteres Land teilte sich die Spiegelmetaphorik mit Israels Act.
San Marinos Sängerin Senhit mit Gaststar Boy George im Spiegelkabinett.
Portugal singt einfach nur ein Lied
Polen hatte Gospel-Rap mit Tänzern auf der schiefen Rampe, Belgien viel Refrain, Estlands Frauen an der E-Gitarre waren bissl fad, Serbien laut, aber egal. Für Portugal sangen fünf Männer mit Waschbärbauch einfach nur ein Lied. Durchaus eine Wohltat in der Reizüberflutung. Aber naja, nicht mal ein kleines Feuer.
Moldau mit einem ganz besonderen Trickkleid.
Rührung am Anfang
Beim Auftakt der Show brach der ORF den Rekord, wie schnell man ESC-Publikum zum Weinen bringen kann – nach exakt 2’ 38. In einem Kurzfilm wurde ein gewisser „Toni“ von Kindheitstagen bis ins hohe Alter durch 70 Jahre Eurovision begleitet – mit allen Höhen und Tiefen des persönlichen Lebens. Lustiger wurde es im Pausen-Teil, da lag das Moderationsteam Swarovski und Ostrowski im Clinch mit dem Milkshake Man aus Down Under über „Austria or Australia“ – mitsamt popowackelndem Känguru.
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