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Das war das 1. ESC-Halbfinale: Mystik, Vampirdisco und ein Känguru

Der Eurovision Song Contest in Wien startete mit dem ersten Semifinale - die Favoriten kamen weiter, aber auch manch Außenseiter.
Mehrere Menschen in bunten Kostümen stehen vor einer Alpenlandschaft, einer davon kämpft spielerisch mit einem Känguru im Kostüm.

Endlich ist er wirklich gestartet, der Eurovision Song Contest in Wien. Kaum begonnen, schon wieder vorbei, zumindest für fünf Länder. Nur zehn konnten am Dienstag beim ersten Halbfinale ein Ticket für das Finale am Samstag lösen. Nicht darunter ist San Marino, das sich mit Boy George einen Weltstar als Gast geleistet hat. Gelungen ist es hingegen Griechenland, Belgien, Schweden, Moldau, Israel, Serbien, Kroatien, Litauen, Polen und Finnland.

Wer ist dabei, wer ist ausgeschieden? Die 15 Acts zum Durchklicken

Fünfköpfige Band mit energiegeladenem Auftritt auf einer Bühne, umgeben von rotem Licht und jubelndem Publikum.

1 Moldau: Satoshi

Künstler: Satoshi
Land: Moldau
Song: "Viva Moldova!"
Superpower: lässt es auf der Bühne gemeinsam mit einer süßen Comicfigur krachen.
Schaffte es ins Finale.

esc

2 Schweden: Felicia

Künstler: Felicia
Land: Schweden
Song: "My System"
Superpower: könnte Gesichtsmasken wieder en vogue machen.
Schaffte es ins Finale.

esc

3 Kroatien: Lelek

Künstler: Lelek
Land: Kroatien
Song: "Andromeda"
Superpower: "Herr der Ringe"- und "Game of Thrones"-Fans werden begeistert sein.
Schafften es ins Finale.

esc

4 Griechenland: Akylas

Künstler: Akylas
Land: Griechenland
Song: "Ferto"
Superpower: hat den liebenswert-verrückten ESC-Wahnsinn verinnerlicht. Auf der Bühne kommt das Kind im Manne zum Vorschein, filmreife Kulisse inklusive.
Schaffte es ins Finale.

esc

5 Portugal: Bandidos do Cante

Künstler: Bandidos do Cante 
Land: Portugal 
Song: "Rosa"
Superpower: braver Männerchor für die noch braveren Schwiegermütter im Publikum, der bewusst ESC-Trends ignoriert und stattdessen auf nationalen Stil setzt.
Schafften es nicht ins Finale.

esc

6 Georgien: Bzikebi

Künstler: Bzikebi
Land: Georgien
Song: "On Replay"
Superpower: lässt das Tanztier in einem erwachen – ob man möchte oder nicht.
Schafften es nicht ins FInale.

Zwei Künstler auf einer Bühne mit buntem Konfetti, eine Frau spielt Geige, ein Mann singt, im Hintergrund leuchtende Lichter.

7 Finnland: Linda Lampenius & Pete Parkkonen

Künstler: Linda Lampenius x Pete Parkkonen
Land: Finnland
Song: "Liekinheitin"
Superpower: eine Geige – und die Wettquoten: Finnland wird als Sieger gehandelt.
Schafften es ins Finale.

esc

8 Montenegro: Tamara Živković

Künstler: Tamara Živković 
Land: Montenegro
Song: "Nova Zora" 
Superpower: macht deutlich, dass die Unterdrückung von Frauen endlich der Vergangenheit angehören muss.
Schafften es nicht ins Finale.

esc

9 Estland: Vanilla Ninja

Künstler: Vanilla Ninja
Land: Estland
Song: "Too Epic To Be True"
Superpower: hat das Zeug zum (moderaten) Radiohit.
Schafften es nicht ins Finale.

Ein Mann in schwarzer Lederkleidung singt leidenschaftlich auf einer Bühne mit Scheinwerfern im Hintergrund.

10 Israel: Noam Bettan

Künstler: Noam Bettan
Land: Israel
Song: "Michelle"
Superpower: der Mut, trotz lauten Protesten trotzdem anzutreten und um die Liebe von Michelle (und der Welt) zu flehen.
Schaffte es ins Finale.

esc

11 Belgien: Essyla

Künstler: Essyla
Land: Belgien
Song: "Dancing on the Ice" 
Superpower: holt alle ab, die auf Diven-Club-Sound stehen. Zu Beginn spielt sie Belgium's Next Topmodel.
Schaffte es ins Finale.

esc

12 Litauen: Lion Ceccah

Künstler: Lion Ceccah
Land: Litauen
Song: "Sólo Quiero Más"
Superpower: blauer Alien-Look hat schon bei Eiffel 65 funktioniert (diesmal aber ohne "da-ba-dee-da-ba-di").
Schaffte es ins Finale.

esc

13 San Marino: Senhit

Künstler: Senhit 
Land: San Marino
Song: "Superstar" 
Superpower: hat Musical- und ESC-Erfahrung. Und wird von Boy George unterstützt.
Schaffte es nicht ins Finale.

esc

14 Polen: Alicja

Künstler: Alicja
Land: Polen
Song: "Pray"
Superpower: astreiner R&B, der auch bei den MTV Music Awards eine gute Figur machen würde.
Schaffte es ins Finale.

esc

15 Serbien: Lavina

Künstler: Lavina
Land: Serbien
Song: "Kraj Mene"
Superpower: dämonisches Geschrei. Lässt Halloween-Stimmung bereits im Mai aufkommen.
Schafften es ins Finale.

Schon nett von den Finnen, dass sie in ihren Auftritt eine Hommage an den letzten Song Contest, der in Wien stattgefunden hat, eingebaut haben. Auch hier brannte beim ersten Semifinale in der Stadthalle ein Requisit lichterloh, wie einst das Klavier der österreichischen Vertreter. Nein, nicht die Geige. Nur dass Finnland, der prognostizierte Gewinner dieses Jahres, den Song Contest am anderen Ende der Skala abschließen wird: Die Makemakes bekamen bekanntlich nur 0 Punkte.

Das wurde in der Show, die heuer nach dem Sieg von JJ vom ORF ausgerichtet wurde, auch thematisiert. „Wir sind die Champions im Verlieren“, hat Victoria Swarovski in einem charmanten Einspieler über die Historie der „Zero Points“ bei Eurovision eingestanden. Da befand sich Österreich aber eh in guter Gesellschaft.

Eine Frau im glitzernden goldenen Kleid singt auf einer Bühne, im Hintergrund stehen mehrere Menschen.

Vicky Leandros eröffnete mit dem Lied, mit dem die zweimalige Contestantin und einmalige Gewinnerin nicht gewonnen hat: "L'amour est bleu". 

Nicht mit Effekten gegeizt

Keine Scheu vor Schlechtsein! Sowieso ein ESC-Motto. Auch wenn der Hang zur glatten Perfektionierung der Musikindustrie selbst da nicht Halt gemacht hat und manch Mittelmaß gerade hier ergiebig in Showeffekten ertränkt werden kann. Und mit Showeffekten geizte das erste Semifinale am Dienstag nun wirklich nicht.

Feuer gab es nicht nur bei Finnland auf der Bühne, sondern auch bei Deutschland – das Lied heißt ja auch „Fire“ – bekam man das Gefühl, dass bei den Brandmeldern in der Stadthalle vorsorglich die Batterie rausgenommen wurde. Pyrofontänen sind offenbar die neuen Windmaschinen.

Eine Person steht in einem brennenden Glaskasten auf einer Bühne, umgeben von Publikum und Scheinwerfern.

Achtung, das brennt jetzt kurz: Finnland mit dem Topfavoriten-Auftriit.

Trickkleider - ja, aber wenig

Beliebt heuer aber auch der Bodendecker-Nebel: Er lieferte die passende Atmosphäre für Kroatien, das sich diesmal für die mindestens einmal verpflichtend vorkommende Kategorie getragene Mystikmusik entschieden hat – aber immerhin auch eine schwebende Sängerin vorzuweisen hatte. Auch Litauen setzte seinen silbern bemalten Sänger im Dunstmeer in Szene.

Mit gutem Grund verzichtete Griechenland auf verdeckten Boden, denn da spielte sich die halbe (Video-)geschichte des Auftritts ab. Mit seiner Alf-Poier-Gedächtnis-Katzenhaube (Achtung, Extrem-Insiderwitz) und einer Rollerfahrt durch Computerspielgrafiken sorgte der diesjährige Spaßkandidat Akylas bei der Probe, die für die Presse zugänglich war, für die meiste gute Laune. Neben Moldau: Diesmal wieder mit dabei, und zwar mit einem frechen Nonsens-Rap in sehr bunt. Dieser Beitrag wartete auch mit dem ersten Trickkleid des Abends auf: eine kuriose Variante, die die Bekleidung nicht weniger, sondern mehr bzw. höher machte. Italien machte das traditioneller: die Braut, die „Wedding Singer“ Sal da Vinci in seinem Schmalzpopsong herbeisang, trug als Rockfutter die entsprechenden Landesfarben.

Vier Frauen in roten und weißen Gewändern singen auf einer nebligen Bühne, eine davon schwebt erhöht an einer Stange.

Musik wie von einer noch zu drehenden Fantasyserie: Kroatien.

Lasershow bei Schweden

Gar nicht wenige Beiträge kamen bei diesem Halbfinale direkt aus der Großraumdisco, einmal mit Lasershow, die eine ernsthafte Gefahr für Epileptiker darstellen könnte (Schweden), einmal mit Vampir-Domina-Beat (Montenegro), einmal mit „Lalala“ (Georgien), einmal mit „Ohja, ich hab auch 12 Worte Text“-Boy George (San Marino). Letzteres Land teilte sich die Spiegelmetaphorik mit Israels Act.

Drei Personen in glitzernden Outfits performen auf einer bunt beleuchteten Bühne mit futuristischen Lichteffekten.

San Marinos Sängerin Senhit mit Gaststar Boy George im Spiegelkabinett.

Portugal singt einfach nur ein Lied

Polen hatte Gospel-Rap mit Tänzern auf der schiefen Rampe, Belgien viel Refrain, Estlands Frauen an der E-Gitarre waren bissl fad, Serbien laut, aber egal. Für Portugal sangen fünf Männer mit Waschbärbauch einfach nur ein Lied. Durchaus eine Wohltat in der Reizüberflutung. Aber naja, nicht mal ein kleines Feuer.

Eine Sängerin steht auf einer Bühne in einem langen, roten Kleid, umgeben von blauem Licht und Publikum.

Moldau mit einem ganz besonderen Trickkleid.

Rührung am Anfang

Beim Auftakt der Show brach der ORF den Rekord, wie schnell man ESC-Publikum zum Weinen bringen kann – nach exakt 2’ 38. In einem Kurzfilm wurde ein gewisser „Toni“ von Kindheitstagen bis ins hohe Alter durch 70 Jahre Eurovision begleitet – mit allen Höhen und Tiefen des persönlichen Lebens. Lustiger wurde es im Pausen-Teil, da lag das Moderationsteam Swarovski und Ostrowski im Clinch mit dem Milkshake Man aus Down Under über „Austria or Australia“ – mitsamt popowackelndem Känguru.

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