CHVRCHES Bandfoto

Die Sängerin mit Kollegen Iain Cook (li.) und Martin Doherty. Auf „Screen Violence“ (EMI) singt sie  auch im Duett mit Cure-Sänger Robert Smith

© Sebastian Mlynarski & Kevin J Thomson

Interview
09/06/2021

"Es war eine dunkle Zeit": Elektropop-Helden Chvrches sind zurück

Die schottische Synthiepop-Formation Chvrches legte ihr neues Album „Screen Violence“ vor. Lauren Mayberry über das Verarbeiten von Ängsten und Hass im Internet.

„Ich möchte, dass es so klingt und sich anfühlt, als würdest du einen Film sehen, in dem das letzte Mädchen in Richtung Horizont rennt. Ich weiß nicht, ob sie es schaffen wird und sie weiß es auch nicht.“

Chvrches, die Elektropop-Spezialisten aus dem schottischen Glasgow, legen mit ihrem vierten Longplayer „Screen Violence“ ein überraschend düsteres Album vor. Lauren Mayberry, Sängerin und Songtexterin, verarbeitet hier zum Teil Albträume und persönliche Erfahrungen. Auch negative Reaktionen, wie sie im Interview verrät: „Man kann nicht sagen: Oh, es ist nur das Internet, es ist nicht real, wenn dir jemand ein Bild von einem Messer und ein Bild von einer Konzerthalle, in der du spielst, schickt. Frustrierend ist, wenn dann übrig bleibt: Lauren Mayberry kann nicht mit Kritik im Internet umgehen. Aber Kritik ist etwas anderes.“

Es sei für sie und ihre Bandkollegen Iain Cook und Martin Doherty wichtig gewesen, „eine Pause von diesen Dingen zu machen, denn psychisch und emotional ist das nicht gut für dich. Aber letztlich hat das geholfen. Wir haben viele dieser Gefühle und Emotionen in dieser Platte kanalisiert.“

Auf der Flucht

Daher sei es kein Zufall, dass sich Mayberry nun mit dem Kosmos Horrorfilm beschäftigte, „weil es ein Raum ist, um über Angst zu sprechen, an die Sterblichkeit, das ewige Laufen zu erinnern. Ich denke, besonders Frauen wissen, wie es sich anfühlt, beobachtet zu werden, sich gejagt und unsicher zu fühlen.“ Darum geht es auch in US-Slasherfilmen, aus denen sie das Motiv des „Final Girl“ gezogen hat. Jenes Mädchen, das am Ende noch übrig ist.

Der Albumtitel „Screen Violence“ hat noch einen anderen Hintergrund. Ursprünglich sollte die Band so heißen, im Jahr 2011, als die Zusammenarbeit des Trios begann. Ein Jahrzehnt später, in einer Zeit, in der Bedrohungen ständig anwesend sind und sehr real erscheinen, haben Chvrches den Begriff wiederbelebt. Es geht auch um die Omnipräsenz von Bildschirmen, nicht erst seit der Corona-Krise.

Die Pandemie habe die Arbeit stark beeinflusst. Lange Zeit konnten sich die drei nicht treffen, schickten Ideen und Aufnahmen hin und her. „Es war bizarr und surreal, aber in gewisser Weise hat die Platte davon profitiert, weil wir auch isoliert waren von jedem Bullshit rund um die Band. Die Musikindustrie war nicht existent. Wir dachten nur daran, welche Musik wir wirklich machen wollten und nicht an die Charts. Die Band war wie dieser riesige Godzilla, der einfach durch dein Leben geht.“

2019 Game Awards in Los Angeles

Physisch trafen sie wieder in Glasgow zusammen, bevor sie schließlich in Los Angeles zehn Songs aufnahmen. In Dohertys Gartenhäuschen, das er zum Studio umfunktioniert hat.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Songs wie „Violent Delights“ bieten Synthiepop mit gehörig Power und dreckige, von Industrial beeinflusste Beats. Und dann sind da wieder leichtfüßigere Lieder, die nach früheren Chvrches-Alben klingen, etwa „California“, ein Lied über Mayberrys Wahlheimat.

Song mit Cure-Chef

Die Single „How Not To Drown“ entstand in Fern-Zusammenarbeit mit dem legendären Frontmann von The Cure, Robert Smith. Chrvches geben offen zu, dass Smith ein Held ihrer Jugend war, so auch Mayberry: „Wie er schreibt, wie er Gitarre spielt, die Integrität, mit der er seine Karriere auf Kurs hielt, das ist einfach inspirierend. Und natürlich seine ikonische Stimme, du wirst sie immer sofort erkennen.“

Mayberry findet es „verdammt surreal, Robert Smith Texte singen zu hören, die ich geschrieben habe.“

Die positive Kraft des Dunklen

Smith ist bekanntlich ein Meister darin, dunkle Themen in breitentauglichen Pop zu verwandeln, er fügt sich daher organisch in dieses Lockdown-Album ein.

„Jede Platte ist eine Momentaufnahme davon, wo man emotional gerade war“, sagt Mayberry. „Ja, es war eine dunkle Zeit. Ich bin froh, dass wir nicht versucht haben, ein Album mit zuckersüßen Lovesongs zu machen, das wäre wirklich schwierig gewesen. Letztendlich hoffe ich, dass sich die Platte für die Leute kathartisch und hoffnungsvoll anfühlt, denn so fühlte es sich für uns an.“

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