Gastprogramm im Wiener Lustspielhaus, Erika Pluhar, honorarfrei

© Christina Haeusler

Interview
09/02/2013

Erika Pluhar: "Solang ich auf der Welt bin"

Erika Pluhar erzählt in ihrem neuen Roman "Die öffentliche Frau. Eine Rückschau" von Liebe, Tod, Erfolg und Absturz.

von Barbara Mader

Ohne Namen zu nennen, aber mit großer emotionaler Offenheit, spricht Erika Pluhar in ihrem neuen Roman von beruflichen Höhen und Tiefen, verunglückten Ehen und dem Tod ihrer Tochter.

KURIER: Würden Sie dieses Buch als Autobiografie bezeichnen?

Erika Pluhar: Es ist eine Mischung aus Fiktion und Autobiografie. Es ging mir um den Aspekt der Öffentlichkeit.

Sie schreiben, Sie hätten „Öffentlichkeit geübt“. Erfolgreich?

Bis zu einem gewissen Grad. Ich glaube, es ist mir relativ gut gelungen,dass man mich auch im öffentlichen Bild als Mensch sieht.

Sind Sie weniger verletzlich?

Das wird man nie. Aber vielleicht lernt man, damit umzugehen. Wenn man offen ist und den Schlüssellocheffekt vermeidet, bleiben die Verletzungen aus. Die geschehen ja nur, wenn man etwas verheimlicht und das ans Licht gezerrt wird. Ich habe das im Buch nach dem Tod meiner Tochter beschrieben. Ich habe begonnen, die Offenheit walten zu lassen, die mir möglich ist. Das bedeutet nicht, dass ich nicht meine Geheimnisse habe.

Es ist also nicht so, wie Sie an einer Stelle schreiben, dass die Leute alles von Ihnen wissen?

Das wäre ja schrecklich. Man weiß viel von mir darüber, wo wir Menschen Gemeinsamkeiten haben. Dort, wo es elementar wird, sind wir nicht so von einander entfernt. Wir erleben ähnlich. Dieses Buch ist auch ein Versuch, das bewusst zu machen.

Sie schreiben, schlechte Kritiken seien nützlich, sie „härten ab“. Ist das wirklich wahr?

Ich war jahrzehntelang Schauspielerin und habe erfahren: Man wird wie in der Schule benotet. Das tut am Anfang weh, es trifft einen nahezu tödlich. So ging es mir auch mit dem Schreiben. Mein erster Roman wurde in einer Weise verrissen, wo andere vielleicht nie mehr etwas geschrieben hätten. Wenn man sich davon nicht zerstören lässt, dann härtet es ab, ja.

Kennen Sie Altersmilde?

Ich sehe keinen Unterschied zwischen meinen Einstellungen als junger oder als älterer Mensch. Es gibt auch gar keinen Grund, im Alter milde zu werden. So lange mein Kopf funktioniert, werde ich auf alles mit der nämlichen Entschiedenheit reagieren wie früher.

Liest man über Ihre Burgtheaterzeit, ist tatsächlich rein gar nichts von Milde zu entdecken.

Nein. Aber es ist so, dass ich im politischen Sinn in jüngeren Jahren missionarischer war. Mir gedacht hab: ,Ich werde die Welt verändern‘. Dass das nicht mehr ganz so ist, hat nichts mit Milde zu tun, sondern mit einer gesunden Skepsis zu tun.

Einer wachsenden?

Natürlich. Gegenüber der Gattung Mensch. Es betrübt mich, wenn ich mir die Welt anschaue.

Sehen Sie auch positive Seiten am Älterwerden?

Es wird viel darüber geredet, dass das so positiv sei. Ich kann höchstens sagen, dass sich vieles relativiert. Man pudelt sich nicht mehr so leicht auf. Ich steh zu meinem Alter, wie man weiß. Ich bin, wie ich bin. Ich möchte aber auch im Älterwerden den Bezug zum Jungsein nicht verlieren. Ich bin dankbar, dass mein Enkel Ignaz Tür an Tür mit mir lebt und ich viele junge Menschen kennenlerne.

Sie schreiben von der „ständigen Liebesscheiße“: Hätten Sie rückblickend lieber weniger Höhen und Tiefen gelebt?

Nein, das will ich auch gar nicht wollen. Es war so und ich möchte dazu stehen. Ich muss selber zugeben, dass erstaunlich viel in mein Leben hineingepackt war. Mit meinen bald 75 Jahren seh ich das und hab mir das auch beim Schreiben dieses Buches gedacht: Da war schon eine Fülle an Schwierigem. Aber rückblickend war es nun einmal so. Es war ja auch in allen belasteten menschlichen Verbindungen, also vor allem in der ,Liebesscheiße‘, ein Impuls enthalten, der mich doch bereichert hat.

Wobei man diese Bereicherung nicht nur glanzvoll sehen muss. Mit dem Wort Glück kann ich sowieso nichts anfangen. Es haben sich die Dimensionen erweitert, ich habe mehr kennengelernt. Ich plädiere ohnehin dafür, dass dieses Leben das ist, was wir hochhalten sollen. Mir ist ziemlich egal, was ich einmal werde und was ich schon war, ich bin für die Verantwortlichkeit diesem Leben gegenüber und ich stehe dazu. Das Einzige, was ich nicht hätte wollen, ist der Tod meiner Tochter. Auch da ist es sinnlos, etwas zu sagen ... ich trag sie in meinem Herzen, so lang ich auf der Welt bin.

INFO: Erika Pluhar: „Die öffentliche Frau. Eine Rückschau.“ Residenz Verlag. 280 Seiten. 21,90 Euro.

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