"Das Wunder von Kärnten" basiert auf einer der spektakulärsten Rettungsaktionen der modernen Medizin (Im Bild: Julia Koschitz (li.) und Alma Hasun).

© APA/Toni Muhr

Emmy für "Das Wunder von Kärnten": Und was jetzt?
11/26/2013

Emmy für "Das Wunder von Kärnten": Und was jetzt?

Das Ärztedrama mit Ken Duken und Julia Koschitz setzte sich gegen Produktionen aus drei Ländern durch. Die heimische Branche muss sich jetzt überlegen, wie sie mit ihren Erfolgen umgeht.

von Philipp Wilhelmer

Nach Cannes und Los Angeles ist also nun New York der Ort, in dem österreichische Filmemacher reüssieren können. Bei den „International Emmys“, dem Ableger des wichtigsten US-Fernsehpreises, kam diesmal die ORF/ZDF-Produktion „Das Wunder von Kärnten“ in die Ziehung. Regisseur Andreas Prochaska darf sich über die Statuette in der Kategorie „Mini-Serie/Fernsehdrama“ freuen – ein zweiter Emmy für einen Prochaska-Film wäre ebenfalls fast drinnen gewesen: Heino Ferch in „Spuren des Bösen“ war einer der vier Nominierten für die beste männliche Hauptrolle. Der Brite Sean Bean („Game of Thrones“) bekam den Preis aber zugesprochen.

Während also die heimischen Filmemacher international Furore machen, droht die Branche, kaputt gespart zu werden, weil sie zwischen die Fronten von ORF und Politik gerät.

Bilder zum prämierten Film

Das Wunder von Kärnten

Das Wunder von Kärnten

Das Wunder von Kärnten

Das Wunder von Kärnten

Das Wunder von Kärnten

Das Wunder von Kärnten

Das Wunder von Kärnten

Für den Produzenten des „Wunder von Kärnten“, Klaus Graf, der für die Emmys in New York weilte, gilt es nun, ins Ausland zu blicken, wie er dem KURIER sagte. „Es liegt an uns Produzenten, wie wir mit der Situation umgehen. Es ist wohl gefragt, dass wir mit unseren Themen stärker auf den internationalen Markt gehen. Bei großen Produktionen wird das ganz einfach notwendig sein.“ Der Emmy sei jedenfalls ein Signal, der „für alle in der Branche wirklich wichtig ist“, genauso wie Goldene Palmen und Oscars.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz diente die Auszeichnung als willkommenes Argument gegenüber der Politik: Der Emmy sei ein weiteres Beispiel, was der ORF mit den Mitteln der Gebührenrefundierung auf die Beine gestellt habe, sagte er. Weil die Regierung die Zusatzmillionen gestrichen hat, droht der ORF damit, bei seinen Eigenproduktionen zu kürzen.

International Emmys Die International Emmys sind ein Ableger der US-Emmys, des wichtigsten Fernsehpreises der Welt. Auch die für nichtamerikanische Produktionen vergebenen Auszeichnungen sind sehr begehrt, haben aber nicht annähernd den Glanz der Primetime Emmys. Vom US-Publikum werden die International Emmys nicht übermäßig wahrgenommen, doch in Fachkreisen sorgt schon eine Nominierung immer wieder für Aufsehen.

Thalmann: "Diese Nacht werde ich nie vergessen"

Es ist mittlerweile 15 Jahre her, doch bei der Erinnerung an die Nacht, als er das dreijährige Mädchen operierte, steigen Herzchirurg Markus Thalmann immer noch die Tränen in die Augen. Der 47-Jährige ist jener Arzt, von dem der Film „Das Wunder von Kärnten“ erzählt. Ihm ist es zu verdanken, dass das kleine Mädchen, das am 3. Mai 1998 in den Fischteich fiel, heute am Leben ist. „Es waren die härtesten Stunden meines Lebens“, erzählt Thalmann. „Diese Nacht werde ich nie vergessen.“

Es war ein eigentlich ruhiges Wochenende, als der Rettungshubschrauber das kleine Mädchen brachte. Sie war in einen Fischteich gestürzt. „Das Kind war stark unterkühlt“, berichtet Thalmann. Das Herz stand still. „Doch auch wenn die Gefahr bestand, dass das Mädchen vielleicht hirntot sein würde, wir mussten die Chance nützen.“ Thalmann und das Team operierten die ganze Nacht. „Gegen Mitternacht sah es schlecht aus, aber wir haben einfach nicht aufgehört – und sie retten können.“

„Als ich nach der Operation unter der Dusche stand, konnte ich nicht aufhören zu heulen“, erinnert sich der Arzt. „Ich war so erleichtert.“

2012 wurde das Ereignis unter der Regie von Andreas Prochaska verfilmt. Thalmann war von Beginn an in die Dreharbeiten eingebunden; er lehrte die Schauspieler den richtigen Umgang im Operationssaal. „Ich bin froh, dass es Andreas Prochaska so wichtig war, medizinisch authentisch zu sein.“ Denn oftmals würden schon einfachste Handlungen in Ärzteserien unrealistisch dargestellt. Doch sogar Thalmanns ehemaliger Chef meinte nach der Vorstellung: „Nach diesem Film kann man operieren.“

Der echte "Wunder von Kärnten"-Arzt

Gelungener TV-Film mit Katastrophen-Titel

Der Film nach einer wahren Begebenheit von 1998 handelt nicht von einem Wunder, sondern von der großartigen Arbeit eines Ärzteteams am Kärntner Landeskrankenhaus. Das ein Kind gerettet hat, dessen Herz bereits eine halbe Stunde stillstand, nachdem das Mädchen in einen Teich gefallen war. Die heute 17-Jährige überlebte ohne Folgeschäden. Der Boulevard sprach damals von einem „Wunder“. Der Titel wurde nun für den TV-Film übernommen, in dem Andreas Prohaska („Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“) jene Nacht beschreibt, in der das Team um Oberarzt Markus Höchstmann (Ken Duken) die vierjährige Katharina (Sara Wogotai) rettet.

Besonders authentisch

Der Horrorfilm geübte Regisseur beginnt genretypisch mit einer Idylle: Die kleine Kathi spielt auf einer Butterblumenwiese, während ihre Eltern (großartig Gerti Drassl und Gerhard Liebmann) in Stall und Küche arbeiten. Das Unglück kündigt sich auf auditiver Ebene an: Ein immer lauter werdendes Pochen ist wahrzunehmen, ein Herzschlag. Die Eltern finden das Kind im Teich. Dramatische Szenen, die durch die sparsam eingesetzte Handkamera besonders authentisch wirken.

Der Großteils des Films ist eine Art Kammerspiel im Operationssaal, wo ein Ärzteteam mit Entscheidungen ringt, wie und ob das Kind zu retten ist. Der junge Oberarzt hat noch nie ein Kind operiert, und selbst wenn er es schafft, ist das Ausmaß der Hirnschädigung nicht abzusehen. Er wolle sich profilieren, werfen ihm die Kollegen vor. 15 Stunden lang kämpft er um das Leben seiner Patientin. Der damals behandelnde Arzt Markus Thalmann war Berater bei den Dreharbeiten, trainierte die Schauspieler vor Ort. Das Kind im OP ist übrigens eine Puppe.

Vorausgesehen

Das eigentliche Wunder an diesem Film: Er spielt hauptsächlich im OP und man weiß, es wird gut ausgehen. Trotzdem bleibt er jede Sekunde spannend. Das hat viele Gründe: Das gelungene Drehbuch (Christoph Silber, Thorsten Wettcke), die tolle Besetzung – allen voran Gerti Drassl und Gerhard Liebmann, großartig in ihrer hilflosen elterlichen Verzweiflung. Und dann ist es Regisseur Andreas Prochaskas Genauigkeit, die diesen Film so authentisch und spannend macht. Der Zuschauer wird in den Zustand des Wartens der Eltern, des Entscheidungen-treffen-Müssens der Ärzte miteinbezogen. Und Horrorfilmexperte Prohaska zeigt viele OP-Details – da braucht man einen guten Magen.

Der Tonfall, im Koproduktionskontext (hier ORF / ZDF ) oft schwierig, stimmt diesmal. Eine österreichische Geschichte, die auch in Hamburg verständlich ist.

KURIER-Wertung:

INFO: "Das Wunder von Kärnten", Mittwoch, 20.15 Uhr, ORF 2 Ö/D, 2011. Von Andreas Prochaska. Mit Ken Duken, Julia Koschitz, Jürgen Maurer, Erwin Steinhauer, Bernhard Schir, Gerti Drassl, Gerhard Liebmann.

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