Schauspielerin Elle Fanning als russische Zarin Katharina in der neuen Serie "The Great"

© Hulu/Andrea Pirrello/Hulu

Interview
06/17/2020

Elle Fanning über "The Great": "Es geht hier um Girlpower"

Die Schauspielerin im Gespräch über Klischees und Macht, Katharina die Große und ihre neue Serie „The Great“.

von Elisabeth Sereda

Ihre erste Rolle hatte Elle Fanning mit drei Jahren. Die Ballettmutti und der willige Daddy sorgten dafür, dass die kleine Schwester von Schauspielerin Dakota die zweitbeste Verdienerin der Familie wurde. Elle, die ohnehin von Geburt an an Dakotas Rockzipfel hing, gab ihr Kinodebüt als die jüngere Version ihrer Schwester im rührseligen Sean-Penn-Drama „I Am Sam“.

Von da an wurde sie von Vorsprechen zu Vorsprechen getrieben, und es ist dem Talent beider Geschwister zuzuschreiben, dass sie die hektische Kindheit und den Übergang zu Erwachsenenrollen unbeschadet überstanden. Elle trat aus Dakotas Schatten, als sie von Sophia Coppola für „Somewhere“ engagiert wurde.

Ihren größten Kassenhit feierte sie neben Angelina Jolie in „Maleficent“. Im Vorjahr war sie die jüngste Jurorin des Cannes Festivals, nun spielt die 22-Jährige die junge Zarin Katharina (später die Große) in der Serie „The Great“ – ab Donnerstag beim Streamingdienst Starzplay zu sehen.

KURIER: Wir haben erst vor Kurzem Helen Mirren als Katharina die Große gesehen („Catherine the Great“, bei Sky). Nun spielen Sie die legendäre Herrscherin als junges Mädchen. Was ist an ihr besonders faszinierend?

Elle Fanning: Wer will sonst noch die Rolle spielen? Wir brauchen eine Version, die altersmäßig in der Mitte liegt! Ich glaube, es sagt viel über unsere Zeit aus, dass das Interesse für diese Frau so stark ist. Es ist eine historische Geschichte, aber sie ist so modern, weil es um dieselben Probleme geht, die wir heute noch haben. Eine Frau, die sich in einer Machtposition gegen die Männerwelt behaupten muss. Eine Frau, die ihr Schicksal nicht gewählt hat, aber damit fertig werden muss. In diesem Fall ist sie so ein unschuldiges junges Ding, voll von Hoffnung und Optimismus, und beides wird ihr ganz schnell ausgetrieben, wenn sie Peter kennenlernt und heiratet. Sie realisiert sehr bald, dass sie ihn ermorden muss!

Das ist Ihre erste Serie?

Ja. Ich war so begeistert von der Idee, dass ich nicht nur sofort zugesagt habe, sondern auch Executive Producer bin. Es geht hier um Girlpower, wenn wir ehrlich sind. Das habe ich extrem gespürt, als wir unzählige Meetings mit verschiedenen TV-Stationen, Kabelsendern und Streamingdiensten hatten, in denen ich die einzige weibliche Person im Raum war. Alle Augen waren auf mich gerichtet: Was will diese junge Schauspielerin hier? Das war das Gefühl. Ich identifizierte mich nach diesen Meetings noch mehr mit Katharina. Und ja, die Serie ist historisch nicht ganz korrekt, aber das stört nicht, weil sie mehr eine Komödie ist.

Vieles ist ja auch Klischee, was ihr Leben betrifft …

Oh, Sie sprechen davon, dass sie Sex mit einem Pferd hatte! Ja, das war die erste Frage aller interessierten Fernsehproduzenten, und wir sagten „Ernsthaft?! Das ist alles, worüber Sie reden wollen? Wie dieses Klischee über Marie Antoinette – lasst sie Kuchen essen?“

Kommt das Pferd vor?

Ja, wir spielen darauf an, weil, wie gesagt, es handelt sich hier um Satire, wenn nicht Komödie.

Wie viel Recherche haben Sie gemacht?

Schon viel, weil ich wissen wollte, was ihr wirklich wichtig war. Sie wollte Russland modernisieren, ihre Ideen kamen von den westlicheren europäischen Ländern wie Frankreich und Österreich, wo es die Schulpflicht gab, die sie auch in Russland einführen wollte. Sie war gebildet, viel gebildeter als ihr Mann, auch wenn sie von ihm praktische Dinge lernte, wie immer einen Plan B zu haben.

Sie haben viele Sexszenen …

Das war unvermeidlich, Katharina war notorisch sexsüchtig und sehr selbstbewusst, was ihren Körper betraf. Zum Glück sind mein Co-Star (Nicholas Hoult, Anm.) und ich sehr gute Freunde geworden. Und wir fühlen uns sehr sicher miteinander. Zwischen den Takes brechen wir oft in hysterisches Lachen aus.

Wie anstrengend waren all die Kostüme und Perücken?

Ich bin ja daran gewöhnt. Erstaunlicherweise habe ich in meiner Karriere mehr Kostümfilme gedreht als sonst was. Ich spiele fast nie zeitgenössische Frauen. Ich bin auf der Leinwand in Korsetts aufgewachsen. Wir drehten unter anderem in dem Schloss, in dem Anne Boleyn aufgewachsen ist.

Wie sieht es mit dem Projekt aus, das Sie mit Ihrer Schwester machen wollen?

Ja, endlich machen wir einen gemeinsamen Film. Seit Jahren rede ich davon, dass mein größter Traum ist, mit Dakota zu arbeiten. Wir haben den Roman „The Nightingales“ adaptiert, eine Geschichte von zwei Schwestern während des Zweiten Weltkriegs (der Filmstart musste wegen der Pandemie um ein Jahr auf 2021 verschoben werden, Anm.). Wir haben das noch nie gemacht, waren noch nie in derselben Szene, denn im einzigen Film, in dem wir beide eine Rolle hatten, war ich die jüngere Version von ihr. Plus sie war fünf und ich drei. Das Erinnerungsvermögen ist also nicht sehr groß. Jetzt stehen wir wirklich gemeinsam vor der Kamera. Das könnte interessant werden, denn sie hat sicher einen anderen Zugang zum Schauspielen als ich. Ich habe das Gefühl, dass ich sehr viel lernen werde.

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