© Wiener Staatsoper

Kultur
09/21/2012

"Elektra" an der Wiener Staatsoper

Kritik: Die Oper von Richard Strauss ist ein rasantes Rachedrama, das unter die Haut geht. "Elektra" war ein gelungener Auftakt zur aktuellen Spielserie.

von Peter Jarolin

Man kann es gar nicht anders sagen: Richard Strauss und die Wiener Staatsoper – das war schon immer und ist auch jetzt noch eine innige Beziehung. Denn bei kaum einem anderen Komponisten beweist das Haus am Ring allabendlich seine musikalische Kernkompetenz.

So geschehen auch beim Auftakt zur aktuellen Spielserie der "Elektra" (Reprisen: 23. und 26 September), bei der Simone Young am Pult des Staatsopernorchesters stand. Und die Intendantin der Hamburgischen Staatsoper bewies viel Sinn für Dramatik, für große Effekte und rauschende Klangfluten – stets schöpft die Dirigentin bei diesem Rachedrama aus dem Vollen.

Dass dabei manches auf Kosten der Sänger geht, versteht sich. Denn Momente der Ruhe gibt es bei Young de facto nie. Dank des exzellenten Orchesters aber ist Youngs Lesart in sich stimmig und vermag in jeder Phase zu fesseln.

Im Haus am Ring hat man aber auch die passenden Strauss-Sänger zur Verfügung. Denn Deborah Polaski ist eine Elektra bis zur vokalen Selbstaufgabe. Selbst ein Rückenleiden, das sich auch auf die Stimme schlug – die Sopranistin ließ sich ansagen –, konnte Polaski kaum bremsen. Ihre Elektra ist intensiv wie eh und je.

Einzigartig

Nicht minder grandios ist Agnes Baltsa als Klytämnestra. Eine von ihren Albträumen gepeinigte Peinigerin, die stets in den Bann zieht, der man mit Freuden zusieht und zuhört. Baltsas Bühnenpräsenz ist nach wie vor einzigartig.

Fabelhaft auch das Wiener Rollendebüt von Angela Denoke als stimmlich und sogar emotional berührende Chrysothemis. Ein fabelhaftes weibliches Dreigestirn macht diese "Elektra" somit zu einem echten Ereignis.

Auch Ain Anger als profunder, sehr wortdeutlicher und darstellerisch überzeugender Rächer Orest und Norbert Ernst (Rollendebüt) als verschlagen-feiger Aegisth tragen das Ihre zum Gelingen einer Produktion bei, die szenisch auch nach 23 Jahren noch perfekt funktioniert.

KURIER-Wertung: **** von *****

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