Wenn nur die Vernunft zählt: Candida (Evi Kehrsstephan) wird von ihrem Vater (Stefan Suske, im Hintergrund) als Automat präsentiert

© APA/HERBERT NEUBAUER

Kritik
02/13/2017

Eine Missgeburt wird mächtig – mithilfe magischer Kräfte

Kritik. Ein unterhaltsames Zaubermärchen mit Musik: "Klein Zaches – Operation Zinnober" im Wiener Volkstheater.

von Thomas Trenkler

Mit den einfallsreichen Inszenierungen des ungarischen Regisseurs Victor Bodó feierte Anna Badora als Intendantin des Grazer Schauspielhauses ihre größten Erfolge. Es nimmt daher nicht Wunder, dass sie ihm nun, in Wien, Maschinerie und Mannschaft des Volkstheaters zur Verfügung stellt. Er suchte sich wieder, wie bei "Alice" (nach Lewis Carroll), einen fantasievollen Stoff aus: das Kunstmärchen "Klein Zaches, genannt Zinnober". Und er bat erneut seinen Landsmann Péter Kárpáti um die Dramatisierung. Angereichert um Bezüge zur Gegenwart wurde daraus "Klein Zaches – Operation Zinnober". Von der Sprache und den Satzkonstruktionen E.T.A. Hoffmanns ist so gut wie nichts übrig geblieben. Das Stück, am Sonntag uraufgeführt, hat einen, wie auch Bodó einräumte, ganz anderen Charakter.

Es beginnt mit der Verlautbarung des Großfürsten (Jan Thümer), dass die Aufklärung eingeführt werde. Zauberer, Feen und andere Fabelwesen würden daher des Landes verwiesen. Sein Vater sei so einfältig gewesen, diesem "Gesindel", aus dem fernen Dschinnistan geflüchtet, Asyl zu gewähren. Aber das sehe doch ein Blinder: "Die sind einfach unfähig sich zu integrieren!" Also wird "die Feenkrise" brachial gelöst: "Heute, um Punkt Mitternacht, stürmen wir die Feen- und Wichtelzellen."

Doch nicht nur diese "Operation" beginnt. Denn die Fee Rosabelverde verzaubert noch schnell eine "Missgeburt", den Buben Klein Zaches (Gábor Biedermann) : In exakt 20 Jahren soll der Schläfer erwachen und Rache üben für die Vertreibung. Das gelingt dem Bösewicht mit den zinnoberroten Haaren in Windeseile: Er macht sich zum Großfürsten anstelle des Großfürsten.

Autoritäre Ordnung

Und er spannt dem Studenten Balthasar die Geliebte aus, die von ihrem Vater gezwungen wird, einen Automaten zu spielen. Aber mithilfe eines Zauberers, der als U-Boot überwinterte, gelingt der Gegenschlag. Man sollte nicht zu viel hineininterpretieren. Denn zum Schluss ist zwar Klein Zaches entzaubert, aber die alte, autoritäre Ordnung wiederhergestellt.

Bodó und sein Team (Lörinc Boros, Fruzsina Nagy, Klaus von Heydenaber und Tamás Bányai) erzählen dieses musikuntermalte Märchen mit unglaublichem Aufwand, vielen popkulturellen Zitaten und noch mehr Ideen. Das Geschehen auf der Drehbühne, vollgestopft mit Requisiten, wird mit der Kamera auf eine Leinwand übertragen – in Schwarz-Weiß samt Grüntönen. Nur wenn bewusstseinserweiternde Substanzen ins Spiel kommen, explodieren die Farben.

Ein Höhepunkt ist das Duell zwischen Fee (Anja Herden) und Zauberer (Günter Franzmeier), Bühnenarbeiter wie Ensemble leisten aber die gesamten zwei Stunden Außerordentliches.

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