Kultur
21.12.2017

"Eine bretonische Liebe": Familie als Minenfeld, in dem man vorsichtig auftreten muss

Witzige, aber gefällige Suche nach dem Vater.

Das familiäre Terrain ist manchmal ein ziemliches Minenfeld. Da nützt es auch nichts, wenn man von Beruf Bombenentschärfer ist. Auch bei größtmöglicher Umsicht führt ein falscher Schritt zu gefährlichen Explosionen.

Mit dieser nicht ganz subtilen Metapher im Hintergrund, tastet sich Carine Tardieus sympathisch-witzige, wenngleich sehr gefällige Familientragikomödie an ihr Thema heran: Ein 45-jähriger Witwer (und Bombenentschärfer) namens Darwian erfährt, dass der Mann, der ihn aufgezogen hat, nicht sein leiblicher Vater ist. Er engagiert eine Privatdetektivin, die ihm flugs einen anderen Herren als Erzeuger vor die Nase setzt. Fasziniert tastet sich Darwian an den Alten und seine Lebensgeschichte heran. Gleichzeitig lernt er dessen Tochter – seine vermeintliche Halbschwester – kennen, die ihm allerdings mehr als brüderlich gefällt.

Etwas angestrengt auf knackige Pointen hingetrimmt, funktioniert "Eine bretonische Liebe" vor allem dank seiner profilierten Schauspieler und seines lakonischen Provinzmilieus. François Damiens als Darwian treibt seine Unscheinbarkeit in die Reinheit des Toren, Cécile De France bedient das Klischee der schroffen, aber sexuell forschen Französin. Milde Altersmelancholie verkleistert drohende Generationenkonflikte in einer Tragikomödie, die in jeder Sekunde ihrem Publikum zuflüstert: "Hab mich lieb."

INFO: F/BL 2017. 100 Min. Von Carine Tardieu. Mit François Damiens, Cécile De France.

KURIER-Wertung: