Kultur
10.12.2014

Ein Roadmovie am Jakobsweg

Der Wiener Fotograf Robert Rutöd verarbeitete in "Milky Way" seinen Trip nach Santiago de Compostela.

Auf die Frage, wo der Jakobsweg beginnt, heißt es in Spanien: El camino comienza en su casa – Der Weg beginnt in Deinem Haus", erklärt Robert Rutöd. Die Chance, als offizieller Pilger nach Santiago de Compostela zu gelangen, sei somit praktisch verwirkt gewesen. So dürfen sich nämlich nur jene bezeichnen, die entweder zu Fuß, mit dem Rad, Esel oder Pferd in den spanischen Pilgerort kommen. "Und die 6.000 km, die vor uns lagen, wollte ich keinem Pferd oder Esel und schon gar nicht meinen Beinen zumuten." Der Wiener Fotograf entschied sich also für seinen VW Passat - im Handgepäck seine Kamera und vor allem: fünf Wochen Zeit.

Das Ergebnis dieser quasi inoffiziellen Mission liegt jetzt - ganz offiziell - vor und nennt sich "Milky Way". Erschienen im Eigenverlag, ist daraus kein Bildband im klassischen Sinn geworden. 34 Seiten dünn, 33 Bilder stark, kommt der Band mit einem Holzsplitter als Pilger-Mitbringsel ("Reliquie zweiter Klasse", vermutlich aus einem spanischen Folterinstrument aus dem 13. Jahrhundert).

Roadmovie

"Die entstandenen Fotografien sind wie Standbilder aus einem poetischen und bizarren Roadmovie: der einsame Pilger, den ein eifriger Straßenverkäufer mit seinem Komplettangebot an Wanderstöcken verfolgt; der Taxifahrer, der sich statt des Bildes eines geliebten Menschen die Aufnahme eines mächtigen Stiers an die Sonnenblende steckt; das Publikum, das in einer seltsamen, erwartungsvollen Leere auf den Text an der Wand starrt", heißt es dazu im Pressetext.

Hinweis: Robert Rutöd wird sein Buch vom 10. bis 24. Dezember im Im Photo Pop Up Vienna Store im West 46 präsentieren. Eröffnung ist heute um 16.00 Uhr. Mehr Infos dazu gibt's hier.

Bilder aus "Milky Way"

Bilder aus Robert Rutöds "Milky Way"

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Robert Rutöd

Robert Rutöd

Robert Rutöd

Robert Rutöd

Robert Rutöd

Robert Rutöd

Robert Rutöd

Robert Rutöd

Zur Person: Robert Rutöd, geboren 1959 in Wien. Frühe Beschäftigung mit der Malerei, ab 1978 mit der Fotografie. Zwischen 1979 und 1993 schrieb und inszenierte Robert Rutöd Kurzspielfilme, die auf diversen internationalen Filmfestivals zur Aufführung kamen. Mitte der 1990er-Jahre widmete er sich zunehmend der Gestaltung von Büchern und Anwendungen für digitale Neue Medien. 2004 kehrte er zur Fotografie zurück, seit 2009 stellt er diese Bilder einer breiteren Öffentlichkeit vor.

Robert Rutöds Fotografien wurden in Europa, Amerika und Asien auf zahlreichen Fotofestivals und Ausstellungen gezeigt, seine Arbeiten vielfach in Magazinen und Blogs publiziert. Robert Rutöd lebt und arbeitet in Wien.

Bücher: Less Is More (2009), grayscales. early b&w photographs (2010), Right Time Right Place (2012), Milky Way (2014).
www.rutoed.com