Armand Francois Joseph Henrion, Selbstporträt als Pierrot (Ausschnitt), undatiert

© /Sammlung Klewan

Museen
02/17/2017

Ein Kunstschatz mit vielen Gesichtern

„Porträt(s) der Moderne“ im Unteren Belvedere: Die Sammlung Klewan erzählt Kunstgeschichte auf persönliche Art

von Michael Huber

„Die meisten Privatsammlungen sind grundsätzlich kompatibel mit Museumssammlungen“, sagt Stella Rollig. Die neue Direktorin des Belvedere hatte am Donnerstag erstmals die Gelegenheit, eine private Kollektion in Räumen ihrer Institution – der Orangerie im Unteren Belvedere – zu präsentieren: Bis 11. Juni ist die Sammlung des Galeristen Helmut Klewan hier ausgestellt.

Anders als im Fall derSammlung Esslist bei diesen Kunstbeständen keine Dauerleihgabe, kein Ankauf, keine Schenkung beschlossen, wiewohl Rollig die außergewöhnliche Mischung aus internationaler Moderne, heimischer Kunst nach 1960 und Kitschmalerei des späten 19. Jahrhunderts als „Desiderat“ bezeichnet, sie also gern im Haus hätte.

Die Argumente, mit denen man einst Essls Wunsch nach einem Ankauf durch die Republik abgeblockt hatte, müssten wohl auch für Klewan gelten: Seine Sammlung ist extrem subjektiv, in ihrer Logik nicht streng wissenschaftlich. Und doch passt sie ins Belvedere, erzählt sie doch österreichische Kunstgeschichte aus der Nähe.

Haus der Bilder

Klewan, der seinen Erstkontakt mit Leinwand und Farbe einst im elterlichen „Haus der Bilder“ – einem Geschäft für Dekorations-Malerei – erfuhr, avancierte ab 1970 zu einem wichtigen Händler und Weggefährten von Künstlern und Künstlerinnen wie Arnulf Rainer, Maria Lassnig, Christian Ludwig Attersee und anderen. In München, wo Klewan ab 1977 eine Galerie betrieb, leistete er „Pionierarbeit“ für die Anerkennung von Lassnig, Rainer und anderen Österreichern, wie Belvedere-Kurator Harald Kreijci betont.

Im Belvedere wurden Klewans eigene Schätze nun auf die von der vorigen Ausstellung erhaltenen Stellwände montiert, was – angesichts des Bezugs der Sammlung zum Kunsthandel durchaus passend – an Kojen bei Kunstmessen erinnert. Scheinbar Disparates kracht hier aufeinander, und doch entstehen erhellende Querverbindungen, die man in einem streng wissenschaftlichen Arrangement so nicht sehen würde: Die übergroßen Paletten, auf die der Jahrhundertwende-Maler Hans Zatzka erotische Kitschbildchen pinselte, vertragen sich erstaunlich gut mit surrealistischen Collagen. Die grimassierenden „Selbstporträts als Pierrot“ von Armand Henrion (1875 – 1958) verweisen sowohl auf Arnulf Rainers Werke als auch auf Franz Xaver Messerschmidts „Charakterköpfe“ im Oberen Belvedere.
Generell sind Porträts eine starke thematische Klammer der Sammlung. Eine dicht behängte Wand ist Künstlerbildnissen gewidmet, Werke von Francis Bacon, Man Ray oder Max Beckmann sind dort zu sehen.

Die Schau porträtiert darüber hinaus Klewan selbst als einen bilderhungrigen Charakter, der – auch, aber nicht nur durch kunsthistorische Ausbildung fundiert – Verbindungen zwischen Genres, etablierter Kunst und Folklore zu ziehen weiß. Sie zeichnet zudem das Bild einer Zeit, in der Künstler und Sammler eine verschworene Gemeinde bildeten, die – auch das ist unübersehbar – meist eine Männerwelt war.

In einem Aufsatz, der nicht im Katalog der Wiener Schau inkludiert ist, schreibt Klewan, dass sein Wunsch, die Sammlung dem mumok zu übereignen, einst beim damaligen Direktor Edelbert Köb auf Desinteresse stieß. Die Absicht, die Werke ans Leopold Museum zu geben, wurde dann „durch Turbulenzen in der Führungsetage verwipplingert“, so Klewan mit Seitenhieb auf den amtierenden Direktor. Es bleibt abzuwarten, wo diese Kunst eine Heimat finden wird.

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