PK VOLKSTHEATER "SPIELPLAN 2022/2023": VOGES

Die Auslastung  des Volkstheaters beträgt in der laufenden Saison nicht einmal 50 Prozent: 
Direktor Kay Voges 

© APA/GEORG HOCHMUTH / GEORG HOCHMUTH

Kultur
05/10/2022

Ein Gegenmodell zur Burg: Das Volkstheater bleibt eine Männerbastion

Direktor Kay Voges verpflichtet Leander Haußmann, Luk Perceval, Paul McCarthy, Werner Herzog, Markus Öhrn ...

von Thomas Trenkler

In der Burg, dem ehemaligen Hoftheater, zeigt Direktor Martin Kušej seine Interpretation von Goethes „Faust“. Da will das Volkstheater, das sich als Gegenmodell versteht, nicht nachstehen: Direktor Kay Voges inszeniert als erste Premiere der kommenden Spielzeit (am 24. September) den Pakt mit Mephisto. Und weil es ja um den Augenblick geht, der ob seiner Schönheit andauern möge, wird Marcel Urlaub auf der Bühne ein Foto-Shooting machen. Das gab Voges bei seiner Spielplanpressekonferenz am Dienstag bekannt; die Besetzung verriet er nicht.

 

Ansonsten ist das Volkstheater tatsächlich ein Gegenmodell: Während Kušej sehr viele Regisseurinnen einsetzt, verpflichtete Voges für die neu bekannt gegebenen Produktionen fast ausschließlich Männer (eine Ausnahme: „Black Flame“ von Manuela Infante am 30. Dezember).

Der US-Aktionskünstler Paul McCarthy beschäftigt sich fünf Tage lang in seinem seit 2017 laufenden Projekt „NV / Night Vater“ auf drastische Weise mit Sadomasochismus (3. bis 7. September, ab 18 Jahre). Leander Haußmann, der zuletzt am Burgtheater eine „Sommernachtstraum“-Variation realisierte, inszeniert „Der eingebildete Kranke“ von Molière (ab 1. Oktober), Sascha Hawemann dramatisiert „Öl!“ nach dem gleichnamigen Roman von Upton Sinclair (ab 27. Jänner), Jonathan Meese darf sich wieder austoben – nun in „Barrier Reef“ (ohne Datum), und Luk Perceval wird ein weiteres „Schlachten!“ veranstalten: Dieses Mal widmet er sich nicht, wie bei den Salzburger Festspielen, den Rosenkriegen von Shakespeare, sondern dessen Römer-Dramen („Rom“, ab 15. April).

Kay Voges wird zudem eine „Weltuntergangskomödie“ mit dem Titel „Apokalypse Miau“ von Kristof Magnusson aus der Taufe heben (ab 1. 12., Motto: Destroy statt Nestroy) und endlich seine „Endspiel“-Inszenierung zeigen. Ebenfalls zum dritten Mal angekündigt wird die Double-Feature-Show aus „In den Alpen“ von Elfriede Jelinek und „Après les Alpes“ von Fiston Mwanza Mujila (ab 17. 2., Regie: Claudia Bossard). Und zum zweiten Mal taucht „Der Würgeengel“ auf (ab 14. 10., Regie: Sebastian Baumgarten). Als „Premiere“ verkauft Voges eine Lesung aus Texten von und mit Werner Herzog am 28. Oktober.

Liebkind Dramatisierung

Im Volx bringt Christine Gaigg „Rote Sonne“ nach dem gleichnamigen Film von Rudolf Thorne heraus (ab 8. 10.), Markus Öhrn handelt wieder häusliche Gewalt ab – in „Szenen einer Ehe“ nach dem gleichnamigen Film von Ingmar Bergman (ab 30. März). In der Dunkelkammer dramatisiert Ed. Hauswirth „Die Scham“ nach dem gleichnamigen Roman von Annie Ernaux, für die Tournee durch die Bezirke dramatisiert Calle Fuhr „Bilder deiner großen Liebe“ nach dem gleichnamigen Roman von Wolfgang Herrndorf. Satt Stücken gibt es Recherchetheater: Karen Breece befasst sich mit Long Covid („Wien’s Anatomy“, ab 30. September), im Kooperation mit dem Magazin Dossier sollen in „Die Redaktion“ Lügengeschichten entlarvt werden.

Ob das Volkstheater in der laufenden Saison halb voll oder halb leer ist, beantwortete Cay Urbanek: Die Auslastung beträgt bloß 47 Prozent. Weitere Zahlen konnte der Geschäftsführer nicht nennen. Er hatte angeblich keine vorbereitet. 

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