Wiener Staatsoper

© KURIER/Franz Gruber

Wiener Staatsoper
12/21/2016

Ein Gesamtkunstwerk mit Problemzonen

Was die Leitung des Hauses am Ring so kompliziert macht. Und was die (vorerst) größten Baustellen des designierten Operndirektors sind.

von Gert Korentschnig, Georg Leyrer

Die Staatsoper ist die mit Abstand größte Kulturinstitution des Landes. Sie hat in etwa 950 Mitarbeiter. Sie erhält pro Saison eine sogenannte Basisabgeltung (also öffentliche Gelder) von derzeit 63 Millionen Euro bei einem Gesamtbudget von etwa 110 Millionen. Die Fixkosten (vor allem für das Personal) übersteigen die Subvention, sodass die Mittel für künstlerische Produktionen seit Jahren von allen Verantwortlichen als zu gering beklagt werden (zuletzt gab es aber vier Millionen mehr).

Das ist schon das erste Problem, das auf jeden Operndirektor zukommt: Man kann künstlerisch nur investieren, wenn man entweder mehr einnimmt (was in Anbetracht der zumindest kommunizierten Auslastung von mehr als 99 Prozent nicht trivial erscheint). Oder wenn man anderswo spart – also auch die Strukturen angreift. Auf dieses Thema ging Bogdan Roščić bei seiner Präsentation noch nicht ein.

Repertoirefragen

Ein anderes Thema, das je nach Sichtweise eine Belastung oder eine Bereicherung ist, ist die hohe Anzahl an Repertoirestücken. Mit 55 Werken ist die Staatsoper weltweit Spitzenreiter. Roščić ließ zwar anklingen, dass er nur Stücke spielen wolle, bei denen hohe Qualität garantiert sei, ging aber auf den heiklen Punkt einer Verringerung nicht im Detail ein.

Was die Staatsoper ebenso einzigartig macht, ist das weltbeste Orchester, das zwischen Haus am Ring und der Tätigkeit als Wiener Philharmoniker pendelt. Vonseiten der Philharmoniker wurde angekündigt, "im Sinne des Hauses" positiv an die Sache heranzugehen, so Vorstand Andreas Großbauer.

Die Anzahl der Premieren (zuletzt zumeist fünf pro Saison) soll gesteigert werden – da hinkt Wien im Vergleich hinterher. Und was Uraufführungen betrifft, gibt es bestimmt auch große Bemühungen, aber noch keine konkreten Aussagen.

Wichtig wird jedenfalls sein, nicht nur die Dirigentenstars zu bekommen, sondern auch stets größten Wert auf das dirigentische Niveau im Repertoire zu legen.

In finanziellen Angelegenheiten steht dem Opernchef (dem amtierenden wie dem designierten in der Übergangszeit) Thomas Platzer als kaufmännischer Leiter zur Seite. Sein Vertrag läuft ebenso wie jener von Dominique Meyer bis 2020.

Warum Roščić überhaupt so früh bestellt werden musste? Weil Sänger und Dirigenten so lange im Voraus planen und jetzt Engagements fixiert werden müssen.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare