Nicht von Steve Jobs: "Geometric Apple Core", ein Werk von Claes Oldenburg, im San Francisco Museum of Modern Art (SFMOMA).

© APA/AFP/JOSH EDELSON

Kunst
01/08/2017

Die Renaissancefürsten Kaliforniens

Wer sind die neuen Sammler und Förderer der Kunst? Ein Blick ins Digital-Mekka Silicon Valley

San Francisco ist heute wie das Florenz der Medici“, sagte Trevor Traina, als das Magazin Forbes ihn für eine opulente Home-Story interviewte. Der Unternehmer – Spross einer reichen Industriellenfamilie, zugleich Gründer mehrerer Internet-Start-Ups – zeigte dabei neben seiner luxuriösen Villa auch seine mehr als 300 Werke umfassende Kollektion künstlerischer Fotografie her. „Der unglaubliche Mix aus Business, Kunst und Kreativität produziert hier eine neue Renaissance“, erklärte der Sammler.

Sind Menschen wie Traina tatsächlich die Mäzene einer neuen kulturellen Blütezeit? Der Kulturbetrieb, der in den USA in ungleich höherem Ausmaß vom Engagement privater Geldgeber abhängt als in Europa, hat die Elite des Silicon Valley jedenfalls fest im Visier. Doch zugleich haben die neuen Reichen, die mit Technologie zu Geld gekommen sind, oft wenig Tradition in der Kunstförderung und geben ihr Geld mit knallharter Berechnung aus: „Wohltätigkeit“ muss für sie so effizient wie möglich sein.

Mäzenatentum neu

„Giving 2.0“ heißt, ganz im Tech-Jargon, der dazugehörige Leitfaden. Geschrieben hat ihnLaura Arrillaga-Andreessen(Bild Mitte) die Frau des Netscape-Gründers und Risikokapitalgebers Marc Andreessen (li.), der einstige Start-Ups wie Twitter und Facebook finanzierte. Arrillaga-Andreessen beriet auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (re.) und seine Frau Priscilla Chan bei ihren Spendenaktivitäten – und sie gilt als Kunstfreundin. Dass die renommierte New YorkerPace Galleryeine Außenstelle in Menlo Park, unweit des Facebook-Hauptquartiers, eröffnete, geht auf ihre Initiative zurück.

„Gerade die Leute, die mit der Digitalindustrie groß geworden sind, suchen auch eine andere Sphäre der kulturellen Erfahrung und des Erlebens, die mit dem realen Objekt und dem physischen, gemeinsamen Erlebnis zu tun hat“, erklärt Max Hollein dem KURIER dazu via e-Mail.

Hollein ist seit Juni 2016 Direktor der„Fine Arts Museums of San Francisco“(FAMSF) und als solcher mitverantwortlich dafür, finanzielle Mittel für den Museumsbetrieb zu lukrieren – dieser umfasst Ausstellungen von historischer als auch von zeitgenössischer Kunst.

„Nicht vergessen darf man, dass es nicht nur die Tech-Gründer sind, die durch den Boom der Digital Technologies zu Wohlstand gekommen sind, sondern alle Branchen, die sich darum herum bewegen“, sagt Hollein. Neben den Chefs von Immobilienfirmen und Anwaltskanzleien seien vor allem die erfolgreichen Kapitalgeber der ersten Internet-Generation große Förderer der Kultur.

Die digitale Elite

Wer es in die mäzenatische Elite geschafft hat, erkennt man unter anderen an der Zusammensetzung der Aufsichtsräte (board of trustees) der großen Museen. Hier machen die Top-Förderer auch Einfluss auf die Strategie, Personal- und Ankaufspolitik der Häuser geltend. ImSan Francisco Museum of Modern Art (SFMOMA), das im Vorjahr einen spektakulären Erweiterungsbau eröffnete (Bild unten) und von 2009 – 2016 sein Kapital durch private Zuwendungen um 610 Millionen US-Dollar aufstockte, finden sich etwa der erste große Facebook-Investor Jim Breyer und Yahoo!-Chefin Marissa Mayer (Bild), beide auch Kunstsammler. Im Aufsichtsrat der von Hollein geleiteten FAMSF sitzen u.a. Zachary Bogue, Mayers Ehemann und Start-Up-Investor, sowie der eingangs erwähnte Trevor Traina.

Kunst versus Medizin

Obwohl Kunstförderung zweifellos Statusgewinne mit sich bringt, generiert sie nicht unbedingt jene messbare „Effizienz“, die etwa hunderte Impfstoff-Dosen vorweisen können. Bill Gates, Microsoft-Gründer und Mega-Spender, äußerte in einemInterview2013 blankes Unverständnis für Menschen, die eher für ein Museum als für den Kampf gegen Blindheit spenden würden.

„Natürlich geht es gerade im Anfangsstadium einer philanthropischen Perspektive darum, den Förderer auf unsere Ziele und unsere Leistung für die Gesellschaft einzuschwören“, sagt Museumsdirektor Hollein dazu. „In diesem Stadium ist durchaus eine Konkurrenz nicht nur innerhalb der ,Branche’, sondern auch zwischen Wissenschaft und Forschung, Erziehung, Gesundheitswesen und Kultur vorhanden.“

Es ist also Aufklärungsarbeit nötig, damit die Medici aus dem Silicon Valley – laut einer Erhebung lebten Anfang 2016 allein in den ans Stadtgebiet San Franciscos grenzenden Bezirken San Mateo und Santa Clara 76,000 Millionäre und Milliardäre – ein ganzheitliches Verständnis für Kunst und Kultur entwickeln.

Eine Personengruppe, die ihnen dies beibringen könnte, ist übrigens im Mix der Metropole unterrepräsentiert: Künstlerinnen und Künstler können sich das Leben in der Region oft schlicht nicht leisten. Es gibt aber bereits philanthropische Initiativen, die sich um leistbare Atelierräume im neuen Florenz Kaliforniens kümmern wollen.

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