Minoritenkirche: Das Hauptportal in der Westfssade

© Kurier/Gerhard Deutsch

Serie
12/02/2020

Die Minoritenkirche und ihre weggeschossene Turmspitze

Teil 2 der Serie "Kunst in der Kirche": Die gotische Hallenkirche ist Maria Schnee geweiht. Weil Joseph II. ein Pragmatiker war

von Thomas Trenkler , Gerhard Deutsch

Die Museen sind geschlossen, die Kirchen aber offen. Sie bieten herausragende Kunst von der Romanik bis zur Gegenwart. Wir treffen Angeles Duca-Korp vor der Minoritenkirche, die nun Maria Schnee (Madonna della Neve) geweiht ist. Also eigentlich dahinter, auf dem Minoritenplatz, gleich neben dem Kanzleramt. Von dort hat man den schönsten Blick auf die gotische Kirche mit dem schlanken Turm. Wenn man genau schaut, entdeckt man in der Fassade eine kleine Figur. „Da dürfte sich der Baumeister verewigt haben, der Laienbruder Ludwig.“

Angeles Duca-Korp ist seit bald drei Jahrzehnten Fremdenführerin. Warum sie uns die Minoritenkirche vorstellen möchte? „Wegen ihrer Konzeption als typisch blockförmiger Bettelordensbau und dem asymmetrisch angeordneten Satteldach“, sagt sie. „Das riesige Dach sieht man von überall. Und das Portal nach französischem Vorbild ist herausragend.“

Die Minoriten kamen um 1224 unter dem Babenberger Leopold VI. von Oberitalien nach Wien. Ihnen wurde das Grundstück nahe der Stadtmauer geschenkt. Sie errichteten ein Kloster, das aber beim Brand 1276 fast vollständig zerstört wurde. König Ottokar Přemysl, der auf die Babenberger folgte, legte den Grundstein für die neue Kirche, ein zweischiffiges Langhaus mit angeschlossenem Langchor. Sie war um etwa 1300 vollendet, 1328 wurde die Ludwigskapelle angebaut.

 

In einer weiteren Bauphase (1339–1400) entstand aus dem Langhaus und der Kapelle eine dreischiffige Hallenkirche. Der abgetrennte Langchor war nun funktionslos geworden, blieb aber bestehen. Der Kirchenraum wurde daher fast so breit wie lang – was durchaus im Sinn der Minoriten gewesen sei, wie Duca-Korp erklärt. „Die Gläubigen sollten die Priester gut sehen und hören können.“

In den folgenden Jahrhunderten gab es kaum Veränderungen. Nur der Turm bekam es ab. „Von oben hatte man einen sehr guten Ausblick. Daher haben ihn die Türken bei ihren Belagerungen immer wieder abgeschossen.“ Seither fehlt dem Turm die Spitze.

Zwischendurch war die Kirche einige Jahrzehnte lang protestantisch. Die entscheidende Zäsur folgte 1782, als die Minoriten von Joseph II. in die Alserkirche abgesiedelt wurden. Und die Italienische Kongregation erhielt die Kirche – aus pragmatischen Gründen: Die heute nicht mehr existierende, von der Kongregation betreute Katharinenkapelle war für die bereits 7.000 Mitglieder einfach zu klein. Ab 1785 nahm Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg eine „Regotisierung“ vor. Durch den Einbau der seitlichen Kurtinwände wurde der Charakter als Hallenkirche noch verstärkt. Aus dem abgetrennten Chor der Ludwigskapelle entstand die heute sanierungsbedürftige Antoniuskapelle, der Langchor wurde ein Wohnhaus.

Im Zuge der Neugestaltung des Minoritenplatzes zu Beginn des 20. Jahrhunderts riss man die Reste des Klosters und die an die Kirche angrenzenden Wohnhäuser ab. So verschwand der Langchor. Man errichtete die Sakristei und den Arkadengang, geschmückt mit Grabsteinen des ehemaligen Friedhofs. Diese Gebäudeteile fügen sich nur widerborstig ein.

Im Inneren enttäuschen die braunen Bodenfliesen. Aber die Kirche hat ein paar Zimelien zu bieten. Nein, nicht die Kopie des letzten Abendmahls, die von Napoleon in Auftrag gegeben worden war. Sondern die vier großen Statuen aus der aufgelassenen Schwarzspanierkirche, eine Madonna aus 1345 (Stein, bemalt) und ein Fresko des Hl. Franz von Assisi aus dem 16. Jahrhundert.

Ach ja: Natürlich ist die 54 Meter hohe Westfassade mit den drei Portalen beeindruckend. Und Angeles Duca-Korp schwärmt sich weg von den Figuren mit den ausdrucksstarken Gesichtern.

Zur Person 
Die Grazerin, 1965 geboren, wuchs, weil ihre Mutter Spanierin ist, zweisprachig auf. Sie studierte Spanisch, wollte aber dann doch nicht als Übersetzerin arbeiten, sondern   suchte den Kontakt mit den Menschen. 1991 wurde sie Fremdenführerin 

Schwerpunkte
Die Allrounderin betreut in erster Linie spanischsprachige Touristen: „Sie lieben es klassisch.“ In der Hofburg gibt es zum Glück viele Anknüpfungspunkte zu Spanien. Duca-Korp führt gerne durch die Museen. Zudem hat sie ein Faible für Musik. Daher bietet sie Führungen zu den Orten der großen Komponisten an.  

Info: angeles.duca-korp@chello.at

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.