© Kurier/Jeff Mangione

Kultur
06/08/2020

„Die Kunstszene kennt mehr Solidarität, als man vermutet“

Galerist Thaddaeus Ropac spricht über die Auswirkungen der Krise und seine Motivation, junge Kollegen zu unterstützen

von Michael Huber

 Er ist gewöhnlich in ständiger Bewegung – zwischen Galerien, Messen, Künstlerateliers. Den Corona-Lockdown verbrachte Thaddaeus Ropac aber in Salzburg, wo am Samstag seine erste Vernissage nach der Krise stattfand.

KURIER: In unserem letzten Gespräch ging es um den Brexit. Sie betonten , dass die Kunstwelt keine nationalen Grenzen kennt . Werden dieser Internationalität nun doch Grenzen gesetzt?

Thaddaeus Ropac: Nein. Das ist jetzt eine Ausnahmesituation, aus der kommen wir wieder heraus. Unsere Galerie in Paris hat hier gewissen Vorsprung – wir sind dort relativ schnell wieder zu den Besucherzahlen zurückgekehrt, die wir vor Covid-19 hatten, zwischen 300 und 500 Besucher am Tag. Die Erfahrungen von dort können wir in Salzburg wesentlich leichter umsetzen.

Kann der Kunstbetrieb ohne die soziale Komponente – Vernissagen, Dinners, Partys – funktionieren?

Es wäre bedauerlich, wenn sich diese Komponente völlig reduzieren müsste. Ich gehe aber davon aus, dass Menschen bestimmte Regeln gerne einhalten werden. Das Ganze ist vom Tempo verlangsamt und vom Ergebnis bescheidener, doch damit kann man gut umgehen.

Sie haben in Paris für September eine Schau angekündigt, bei der Sie Künstler anderer Galerien ausstellen. Wie wird das funktionieren?

Mich hat ein Artikel in Le Monde erschüttert, in dem stand, dass mehr als die Hälfte der jungen Galerien im Herbst nicht mehr aufsperren werden. Wir werden jetzt unseren großen Raum – er hat 2500m² – mit jungen Künstlern bestücken, die von jungen Galerien vertreten werden. Um nicht in einen Konflikt zu geraten, haben wir die Auswahl völlig einer unabhängigen Organisation namens Jeune Création überlassen. Sie hat 60 Künstler von rund 25 Galerien ausgewählt, die meisten aus Paris, aber auch aus Lyon, Marseille, Brüssel. Wir stellen die Infrastruktur zur Verfügung, zusätzlich wird unser Kommunikations- und Sales-Team das Projekt bei unseren Sammlern bewerben. Wir wollen auch als Galerie von diesen Künstlern, die wir nicht vertreten, Werke erwerben. Der gesamte Erlös geht über die Galerien an die Künstler, in einer Aufteilung, die diese selbst bestimmen.
 

Tenor Jonas Kaufmann befürchtete zuletzt, dass der Oper eine Nachwuchsgeneration wegbrechen könnte. Sehen Sie das in der bildenden Kunst auch?

Natürlich. Wenn junge Künstlerinnen und Künstler ihre Galerien verlieren, ist das ein Extremzustand. Und jede Galerie vertritt ja nicht nur einen Künstler, sondern ein Dutzend. Für die ist das ein Hoffnungsstrahl, zu wissen: Im September wird es was geben. Wenn jeder dieser Künstler ein, zwei Werke verkauft, reicht das, um die Miete im September, Oktober, November zu zahlen. Am Höhepunkt einer solchen Krise können wir natürlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein, aber immerhin.

Die Aktion pflegt aber auch den Humus, auf dem Ihr eigenes Programm wächst. Natürlich! Große Galerien werden manchmal so dargestellt, als wären sie nur da, um den kleinen Galerien die Künstler wegzunehmen. Aber wie sich jetzt zeigt, kennt die Kunstszene mehr Solidarität, als man vermutet hätte. Es gibt kein Interesse, den Mittelbau wegbrechen zu lassen, und schon gar nicht die Jungen, die jetzt noch wichtiger sind. Dass es Konkurrenz gibt, dass Künstler eine Galerie verlassen und zu einer anderen gehen – das ist einfach Teil des Mitbewerbs.

Wie viel können unternehmerische Initiativen auffangen, wo ist die Politik gefordert? In Österreich hat sich zuletzt der Galerienverband neu formiert und Forderungen formuliert. In einer Zeit, wo Strukturen wegbrechen könnten, ist es geradezu die Aufgabe der Politik, einzugreifen und das nicht den Privaten zu überlassen. Da gibt es Dinge, die man einfordern kann, wissend, dass es die Lage verbessert. Das unterstütze ich hundertprozentig.

Sie haben stets auf das Kunsterlebnis im Galerieraum gepocht. Durch die Krise haben digitale Formate einen Aufwind erlebt. Wie wird sich das Gefüge mittelfristig verändern?

Wir bieten zu unserer Ausstellung von Daniel Richter eine „Online Experience“ an, wo man das Gefühl bekommt, dass man mit seinem Smartphone in die Galerie gehen kann. Aber ich bin nach wie vor derjenige, der sagt, wir können uns das physische Erleben von Kunst nicht ersetzen lassen. Trotzdem werden wir bestimmte digitale Formate beibehalten. Wir bedienen rund 200.000 Menschen auf unseren Social-Media-Kanälen und waren überrascht, wie gut die Angebote zuletzt genützt wurden. Der Anteil jener Leute, die wir nie nach Paris kriegen würden – in Amerika, in Asien – ist enorm.

Ist die Bereitschaft gestiegen, große Summen für ein Kunstwerk zu zahlen, das man nur online gesehen hat?

In Salzburg waren nach der Eröffnung bereits alle Bilder verkauft. Viele Käufer waren Sammler, die sich für Daniel Richter interessieren und keine Gelegenheit hatten, zu reisen. Diese digitalen Mittel werden da jetzt natürlich benützt – und nach der Absage der Messe Art Basel sind sie noch wichtiger geworden.

Zur Person

Thaddaeus Ropac, 1960 in Klagenfurt geboren, zählt zu den großen Playern am globalen Kunstmarkt. Seine Galerie unterhält fünf Standorte (zwei in Paris, zwei  in Salzburg, einen in  London), beswww.ropac.netchäftigt über 100 Mitarbeiter und vertritt mehr als 60 Künstler und Künstlerinnen. In seiner Galerie am Salzburger Mirabellplatz zeigt Ropac bis zum 18. Juli die Schau „So Long, Daddy“ mit neuen Werken des Malers Daniel Richter. Parallel bietet die Galerie über ihre Website ropac.net einen digitalen Rundgang  an.  

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