Populär: Die Serie "Oesterreichisch-ungarische National-Trachten" , fotografiert von Josef Löwy, inszeniert durch den Kostümmaler Franz Gaul. Wien, 1881–1890

© Volkskundemuseum, Wien

Volkskundemuseum
04/30/2014

Die k. u. k. Panini-Alben

Die Schau "Gestellt" im Wiener Volkskundemuseum zeigt populäre Stereotypen der Habsburgermonarchie.

von Michael Huber

Der habsburgische Vielvölkerstaat ist ein abstraktes Gebilde – nicht nur für uns, die wir hundert Jahre nach dessen Zerfall zurückblicken.
Auch zu der Zeit, als die Donaumonarchie noch existierte, war es schwierig, sich von der Diversität der Menschen im Kaiserreich ein Bild zu machen, und so behalf man sich mit – Bildern. Fotografien von Steirern und Tirolern, von Ruthenen und Huzulen, von Kroaten und Böhmen zirkulierten in großer Zahl und wurden in speziellen Alben gesammelt – „wie Panini-Bilder“, wie der Kurator Herbert Justnik sagt.

Karten im politischen Spiel

Der Fotohistoriker, der mit seinem Team die ansprechende Schau „Gestellt – Fotografie als Werkzeug in der Habsburgermonarchie“ im Wiener Volkskundemuseum erarbeitete, stellt dabei klar: Von einer Tatsachendokumentation waren die populären Bilder der „Volkstypen“ weit entfernt; die Serie „Österreichisch-Ungarische National-Trachten“ wurde etwa, so Justnik, in Wiener Fotostudios mithilfe eines Kostümfundus realisiert.

Die Ausstellung – die bislang umfangreichste Präsentation aus der rund 200.000 Bilder umfassenden Fotosammlung des Volkskundemuseums – will allerdings keine hinter den Kostümen verborgene „Realität“ aufdecken. Die Fotos, oft mitsamt der Alben und Sammelboxen oder den Katalogisierungskarten des Museums ausgestellt, sprechen für sich: Es sind Massenmedien, die gemeinsam mit der Idee der „Nationalstaaten“ an Attraktivität gewannen und zur Zeit ihrer Entstehung (1870–1918) klare Ziele in der Bewusstseinsbildung verfolgten.

Bilder der Ausstellung

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"Wir" und "die"

Die Trachten-Typen halfen, zwischen „uns hier“ und „denen dort“ zu differenzieren, sie bedienten exotische Schaulust und schürten Heimatgefühle.
Zugleich kamen die Bilder der „wissenschaftlichen“ Katalogisierungslust entgegen, die im 19. Jahrhundert Hochkonjunktur hatte. Der einstige Direktor des Volkskunde-Museums, Arthur Haberlandt (1889– 1964) rühmte etwa „(...) die starke und deutliche Empfindung der größeren Urwüchsigkeit, der reineren Artung unserer alpenländischen Bevölkerung gegenüber dem bunt zusammengewürfelten Menschtum unserer Städte“. In einem Buch, das in der Schau aufliegt, riet er Amateurfotografen, diese Besonderheiten festzuhalten.

Dass die „Typenfotografien“ sich selbst als recht flexibel erwiesen und zur Illustration verschiedenster Tatsachen herangezogen werden konnten, veranschaulicht die Ausstellung in einzelnen Vitrinen. Da begegnet ein traditionell gewandeter, reitender Jude einmal „mit huzulischem Führer“, ein anderes Mal, isoliert und retuschiert, „auf dem Weg zum Markt“.

Fotos, so wird einmal mehr deutlich, sind Gefäße, die die Bedeutungen ihres Kontexts und ihrer Beschriftung dankbar auf nehmen und verstärken. Die Stereotypisierung ist für Fotohistoriker Justnik dabei kein Phänomen der Habsburgermonarchie: Jedes Mal, wenn in Zeitungen etwa ein Täterfoto mit „Der Rumäne XY“ untertitelt werde, fänden Bedeutungsübertragungen statt. Und so ist diese historische Schau durchaus aktuell. Bis 30.11.

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