Kultur
04.10.2017

Die Europa League spielt künftig bei DAZN

Die Europa League ist ab 2018/'19 großteils nur beim Sport-Portal DAZN zu sehen. Marketing-Chef Reininger über Sport, Gebühren, Pläne und Österreichs Liga.

Nach der UEFA Champions League, die ab 2018/’19 nur mehr bei Sky und beim Live-Sport-Portal DAZN gegen Gebühr zu sehen ist, ist die gesamte Europa League ebenso beim neuen Streaming-Anbieter gelandet.

KURIER: Ist DAZN der Gottseibeiuns des FreeTV und das Ende des Sports im frei empfangbaren Fernsehen?

Benjamin Reininger: Dem muss ich mit Nachdruck widersprechen. DAZN versteht sich zunächst als Ergänzung zum traditionellen Fernsehen. Gestartet sind wir mit Sportarten, die dort in dieser Breite gar nicht gezeigt wurden. Insofern ist das eine Schattendiskussion, die von eigenen Problemen ablenken soll.

Es geht nun nicht mehr um Sportangeln, das es auch bei DAZN gibt: Nach den wichtigen Rechten für die Champions League werden ab der Saison 2018/19 alle Spiele der Europa League ebenfalls bei DAZN zu sehen sein. Welche Erwartungen verknüpfen Sie damit?

Die Ergänzung ab 2018 um die Champions League und nun auch Europa League katapultiert uns natürlich auf einen anderen Level. Damit werden wir eindeutig Mainstream, also auch für das breite Publikum interessant. Wir zeigen dann u. a. den gesamten europäischen Spitzenfußball auf DAZN: alle wichtigen Ligen inklusive der deutschen Fußball-Liga in der Zusammenfassung und dazu die europäischen Top-Wettbewerbe. Das heißt, dieses Komplettbild des Spitzenfußballs gibt es künftig so nur bei uns. Das wird uns extrem helfen, die Attraktivität von DAZN und damit auch die Zahl der Test-Accounts zu steigern und hoffentlich diese zu dauerhaften Abonnenten zu machen.

Wie viele Spiele der Europa League sind in Österreich bei DAZN und wie viele bei Puls4?

DAZN hat in Österreich ausnahmslos alle Spiele. Das sind 205, von denen 190 exklusiv sind. Puls4 hat 15, also ein Spiel jede Woche. Das ist auch ein Beispiel für die Partnerschaften, zu denen DAZN bereit sind und bei denen der Free-TV-Partner wie auch DAZN die Vorteile der jeweiligen Systeme ausspielen können: Puls4 packt das Spiel auf einen attraktiven Sendeplatz, ist ein Publikumsmagnet, kann das wunderbar vermarkten. DAZN hingegen kann als Plattform und ohne Limitierung alle Spiele zeigen – hier entscheidet der Sportfan, was er live sehen will, was erst in der Zusammenfassung schaut oder etwa live zeitversetzt am nächsten Tag. Das sind einander ergänzende Systeme. Das muss also gar nicht gegeneinander gerichtet sein, wie immer vermittelt wird.

DAZN ist für sich gesehen noch recht günstig. Wird man mit Champions League und Europa League auch an der Preisschraube drehen und Pakete bauen? Die Rechtekosten für Top-Fußball kann man sonst wohl nicht leicht verdienen?

Es ist ein elementarer Teil unserer Philosophie: Wir wollen den Sport den Menschen zugänglich machen und Barrieren im Vergleich zu bisher existenten Angeboten abbauen. Das bedeutet bei DAZN neben einem niedrigen monatlichen Preis von aktuell 9,99 Euro, das Gratis-Test-Monat und die jederzeitige Kündigungsmöglichkeit - die ist ein großes Asset für unsere Abonnenten, obwohl sie sie dann gar nicht nutzen. Das heißt auch, es gibt den Zugang zu allen Sportarten für diesen einen Preis und es gibt damit auch keine Paketstruktur. Das wollen wir möglichst lange so aufrecht erhalten. Was die Preishöhe betrifft, bin ich aus einem einfachen Grund etwas zurückhaltend: Wir schauen uns ja alle möglichen Sportrechte an, das heißt, es kann in diesem Bereich bis zum Start von Champions League und Europa League 2018 noch einiges passieren. Prinzipiell gilt aber auch hier die zuvor genannte Intention.

Ein Recht, das derzeit auf dem Markt ist, fehlt da noch – österreichischer Bundesliga-Fußball, der sich auf der europäischen Bühne gar nicht schlecht präsentiert. Ein Thema für DAZN?

Österreich ist derzeit überproportional interessant. Denn relativ gesehen sind wir hier mit DAZN am erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum. Das heißt, wir nehmen Österreich sehr ernst. Ich kann aber zu laufenden Ausschreibungen keinerlei Stellungnahme abgeben. Der Erfolg hier ist auch ein klares Infrastrukturthema, das die Breitbandabdeckung betrifft. Da scheint Österreich, soweit uns die Daten vorliegen, fortschrittlicher zu sein als etwa Deutschland oder auch die Schweiz.

Wie schaut das Geschäftsmodell hinter DAZN aus?

Natürlich sind die Premium-Rechte der Treiber des Abonnenten-Geschäfts. Dazu zählen etwa neben den europäischen Top-Fußball-Ligen auch die großen US-amerikanischen Sportarten von NFL über NBA bis NHL. Unser Investitionsplan ist auf zehn bis zwölf Jahre, also sehr langfristig ausgelegt. Für diese Phase sind wir komplett durchfinanziert. Jeder neue Markt, zum DACH-Raum und Japan jetzt auch Kanada, verändert wieder die Rahmenbedingungen. Aber wir müssen nicht kurzfristig Gewinne liefern. In der DACH-Region könnten wir, je nachdem, wie sich das entwickelt, aber auch schon nach drei Jahren über die Gewinne-Schwelle kommen.

Was unterscheidet Ihr Geschäft vom Fernsehen?

Es unterscheidet sich ganz grundsätzlich: Es ist ein Plattform-Geschäft. Das heißt, die Investitionen in die Infrastruktur und die Plattform-Technik sind zunächst sehr hoch. Sobald aber die Plattform stabil steht, was sie tut, kann man sie von Markt zu Markt transferieren und mit den Rechten, die man jeweils dort hat, aktivieren. Wir brauchen also keine teure Übertragungstechnik wie beim satellitengebundenen Fernsehen. Wir brauchen auch keine teuren Studios, weil bei uns der Sport im Vordergrund steht. Die klassische Studio-Situation wird es bei uns also auf absehbare Zeit nicht geben. Analyse und Einordnung gibt es bereits während des Spiels durch die Kommentatoren und Experten. Das heißt auch, es ist alles sehr viel schlanker und damit kostengünstiger aufgestellt, was den Abonnenten zugute kommt. Und jedes neue Recht macht uns interessanter für neue Kundengruppen.

Wo liegt der Fokus der Expansion bei DAZN?

Idealerweise wird DAZN eine globale Sportmarke. Mehr kann ich dazu nicht sagen, weil sonst die Rechte-Preise sprunghaft anziehen. Deshalb schnüren wir zunächst die Rechte-Pakete und reden dann erst darüber.