© Anna Hawliczek/Carolina Steinbrecher

Kultur
06/11/2021

Diagonale: Ein Fake-Film über Sargnagel und ein Festival als Rastplatz

Beim Grazer Filmfestival feierten die Komödie „Sargnagel – Der Film“ und das Drama „Me, We“ Premiere. Beim Branchenmeeting wurde auch über die Zukunft der Kinos nach Corona diskutiert.

von Nina Oberbucher

„Es wird kein normales Festival werden. So viel ist sicher“, sagten die Diagonale-Intendanten Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber zum Auftakt des diesjährigen Filmfestivals. „Aber es ist möglicherweise ein erster Rastplatz auf dem Weg zum Sehnsuchtsort.“

Dieser Rastplatz wurde mit dem packenden Gefängnisdrama „Fuchs im Bau“ von Arman T. Riahi in der temporär zum Kinosaal umfunktionierten Helmut-List-Halle in Graz eröffnet. Am Mittwoch folgten zwei Uraufführungen.

„Sargnagel – Der Film“ von Sabine Hiebler und Gerhard Ertl ist eine unterhaltsame Mockumentary mit und über Stefanie Sargnagel – sowie eine Parodie auf die Filmbranche. Ein Kamerateam begleitet dabei den vermeintlichen Dreh eines Sargnagel-Films.

Die Autorin spielt sich selbst, Hilde Dalik ist in einer Doppelrolle als desillusionierte beste Freundin Mercedes sowie als überambitionierte Schauspielerin zu sehen, Michael Ostrowski gibt den realitätsfernen Regisseur des Projekts. Ungewöhnliche Cameo-Auftritte haben u. a. Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler als Hausbesorgerin, Jan Böhmermann als Sargnagel-Experte und auch ein Lookalike eines aus Ibiza bekannten Wohnzimmers kommt vor. An amüsanten Szenen fehlt es nicht, auch wenn nicht immer klar ist, wo die Handlung hin will.

Drama mit Altenberger

Zuvor hatte ebenfalls in der Helmut-List-Halle das Drama „Me, We“ von David Clay Diaz Premiere. Anhand von vier Schicksalen erzählt sein Film, wie wir mit Migration und Asyl umgehen, wenn uns diese Themen nicht bloß auf dem Papier begegnen.

Verena Altenberger spielt die aus gutem Hause stammende Marie, die in Griechenland Flüchtlingen helfen will – und sich mit ihrem Drang, Gutes zu tun, selbst in Gefahr bringt. Im niederösterreichischen Nirgendwo will derweil der Jugendliche Marcel (Alexander Srtschin) einen Heimbringservice für junge Frauen starten, um sie vor angeblich zunehmenden Übergriffen durch Asylwerber zu schützen. Petra (Barbara Romaner) nimmt den 17-jährigen, aus Syrien stammenden Mohammed (Mehdi Meskar) bei sich auf, was jedoch nicht lange gut geht und der sonst stets ruhige Flüchtlingsheimleiter Gerald (Lukas Miko) schmeißt bei Aba (Wonderful Idowu) die Nerven weg.

Die Protagonisten präsentieren sich dabei nicht von ihrer besten Seite, stellen unabhängig von ihren Absichten das „Me“ meist vor das „We“ – am Ende zeigt sich der Film aber dennoch optimistisch.

Euphorie nach Kinoöffnung

Hoffnungsvolle Töne waren auch abseits der Kinosäle zu hören. Beim Diagonale Film Meeting wurde unter anderem über die Auswirkungen der Pandemie diskutiert. Nach dem Aufsperren der Kinos seien große Euphorie und Begeisterung spürbar gewesen, wie Wiktoria Pelzer vom Stadtkino und Gerald Knell vom Filmcasino und Polyfilm Verleih bei einer Podiumsdiskussion berichteten.

Schwierigkeiten, die es bereits vor Corona gab, hätten sich nun jedoch verschärft: Die große Anzahl an anlaufenden Filmen auf den Leinwänden unterzubringen, sei schon zuvor eine Herausforderung gewesen – nun kommen durch coronabedingte Verschiebungen und aufgestaute Produktionen noch mehr Filme hinzu.

Gleichzeitig habe die Pandemie aber dazu beigetragen, über Innovationen im Kino nachzudenken: Pelzer erzählte von Überlegungen, nach holländischem Vorbild eine Jahreskarte für mehrere Kinos einführen zu wollen. Und Knell kann auch der Etablierung von Zoom-Meetings etwas Positives abgewinnen: Dadurch könne man etwa Gespräche mit spannenden Premierengästen in mehreren Kinos gleichzeitig zeigen, etwa auch in den Bundesländern.

Die Diagonale dauert noch bis Sonntag. Infos und Tickets gibt es online unter diagonale.at.

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