Coronavirus - Kinos freuen sich auf Start im Juni

Kinobesitzer Gallion Anastassiades in Ravensburg (Baden-Württemberg)

© APA/dpa/Felix Kästle / Felix Kästle

Analyse
07/13/2020

Deutsche Kinobetreiber blicken in ihrer Not nach Österreich: Zu Recht?

In Deutschland muss in Kinosälen ein Abstand von 1,5 Metern gewahrt werden, in Österreich nur ein Meter. Was den deutschen Kinoverband auf den Plan ruft. Doch das Problem ist wesentlich komplexer.

von Peter Temel

Deutschlands Kinobetreiber fürchten um ihre Zukunft, sollte die Politik nicht die Abstandsregeln ans österreichische Niveau von einem Meter anpassen. "Wenn unsere Auslastungsmöglichkeiten durch die Abstandsregelungen auf dem Niveau bleiben und die publikumsstarken Filme dadurch weiter fehlen, werden wir einen erheblichen Anteil der Kinos verlieren", so Christine Berg vom Filmtheaterverband zur dpa.

Während in Österreich die Kinos angesichts der Coronapandemie einen Meter Abstand zwischen den Besuchern gewährleisten müssen, sind es in Deutschland 1,5 Meter. Auch wenn die Besucherzahlen in den deutschen Lichtspielhäusern zuletzt stiegen, bleibe zu konstatieren: "Wir haben einen Besuchereinbruch von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr", so Berg: "Die Filmtheater haben in den letzten Monaten ihre Reserven aufgebraucht und Kredite ausgereizt. Nun muss wieder Umsatz gemacht werden, ansonsten verlieren wir die flächendeckende Kinolandschaft in Deutschland."

Keine Rede von Vollbetrieb

Dass die deutschen Kinobetreiber auf eine angeblich bessere Situation in Österreich verweisen, kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die Kinos auch hierzulande bei weitem noch nicht im Vollbetrieb stehen. Die größte Kinokette des Landes, Cineplexx, hat ihre großen Multiplex-Kinos noch gar nicht aufgesperrt. Immer wieder musste das Datum verschoben werden, derzeitiger - offenbar letztgültiger - Stand ist der 5. August.

Die Henne und das Ei

Einer der Gründe für das Zögern ist das Fehlen großer Filme, etwa aus den USA. Cineplexx-Geschäftsführer Christof Papousek sprach im KURIER von einer "Henne-Ei-Situation". Die Filmverleiher würden kein Risiko eingehen wollen und zuwarten. So wurde etwa der Start des neuen Christopher-Nolan-Thrillers "Tenet" bereits dreimal verschoben.

Vereinfacht gesagt: Die Filmverleiher wollen ihre mitunter teuer produzierten Filme nicht starten, bevor genug große Kinotempel geöffnet haben, also ausreichend Zuschauer zu erwarten sind. Die großen Kinotempel wollen aber erst wieder öffnen, wenn ausreichend zugkräftige Filmware vorhanden ist.

Große Kinomärkte als Zugpferde

Zudem will man die Filme auch nicht in halbleeren Kinos verheizen. Demnach ist auch der vorgeschriebene Abstand in den Kinos durchaus ein Faktor, der ins "Henne-Ei"-Problem hineinspielt. Denn weniger Abstand bedeutet auch mehr an erlaubten Kinogästen.

Für die österreichischen Kinos ist wiederum wichtig, dass auch große Kinomärkte wie Deutschland in die Gänge kommen, weil dies wiederum Filmverleiher ermuntern könnte, mehr Filme in Umlauf zu bringen.

Zu wenig Abstand?

Bleibt noch die Frage nach der Pandemie-Situation selbst. Falls zu großzügige Abstandsregeln irgendwann zu vermehrten Ansteckungen in den Kinos führen, könnten die Gesundheitsbehörden wiederum aktiv werden und Lockerungen zurücknehmen. Was dann der schlimmste aller möglichen Fälle wäre.

 

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