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© EPA / CESARE ABBATE

Kultur
06/26/2022

„Der Untergeher“ als Highlight beim Theaterfestival in Neapel

Der italienische Regisseur Federico Tiezzi dramatisiert im Schloss Capodimonte den Thomas-Bernhard-Roman „Untergeher“

Genie, Kunst und Neid: Das Drama um den im Selbstmord endenden Klaviervirtuosen Wertheimer, Protagonist von Thomas Bernhards Künstlerroman „Der Untergeher“, ist ein Highlight beim Theaterfestival in Neapel, das bis zum 12. Juli im Museum und im Park des Schlosses Capodimonte läuft. Der Hof des Königspalastes der Bourbonen verwandelt sich dabei in einen intimen Konzertsaal, in dem Regisseur Federico Tiezzi eine Tragödie um Kunstbesessenheit und Künstlerwahnsinn inszeniert.

Bernhards Geschichte dreier befreundeter Musiker, dem Pianisten Glenn Gould, dem Wiener Wertheimer und dem Ich-Erzähler, die bei Horowitz in Salzburg studieren, wird in der für die Bühne adaptierten italienischen Version von Festivalleiter Ruggero Cappuccio unter dem Titel „Il Soccombente“ zu einem Monolog, in dem das Thema Freundschaft, das Rätsel des Versagens, die Unmenschlichkeit der Kunst und die Unmöglichkeit, wirklich tiefe Beziehungen mit den Mitmenschen aufzubauen, im Vordergrund stehen.

 

Der italienische Regisseur Tiezzi, der 2020 bereits Bernhards „Alte Meister“ inszeniert hatte, will nach dem „Untergeher“ bald auch „Holzfällen“ auf die Bühne bringen. Damit will er Bernhards „Trilogie der Künste“ beenden. In Ruggero Cappuccios Version des „Untergehers“ hebt der italienische Regisseur die grausame Dynamik von Familien- und Freundschaftsbeziehungen, sowie den Prozess der unaufhaltsamen Selbstzerstörung hervor, der durch das Bewusstsein des Scheiterns ausgelöst wird.

Der italienische Schauspieler Salvatore Lombardi spielt den Erzähler und eigentlich Bernhard, Martino D'Amico ist Wertheimer, und Francesca Gabucci ist seine Schwester: Sie versucht vergeblich, nicht von dem schrecklichen Schicksal ihres Bruders eingeholt zu werden, der vielleicht ein guter Pianist geworden wäre, hätte er Gould nicht kennengelernt.

Bis zum 12. Juli läuft das „Campania Teatro Festival“ mit 145 Aufführungen an den schönsten Orten Neapels und seiner Region Kampanien, darunter Pompeji. Im Museum und im Park des Schlosses Capodimonte sind Bühnen aufgebaut, auf denen Freilicht-Theateraufführungen geplant sind. Zu den Protagonisten des Festivals zählen die Regisseurin Chiara Muti, Tochter des Dirigenten Riccardo Muti, der französische Schauspieler Daniel Auteil und der italienische Schriftsteller Alessandro Baricco, sowie die britische Schauspielerin Charlotte Rampling. Im Fokus steht vor allem zeitgenössische Dramaturgie.

campaniateatrofestival.it

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