Kultur
01.08.2018

Der Unermüdliche: Produzenten-Legende Artur Brauner wird 100

Er brachte Winnetou auf die Leinwand, arbeitete mit Fritz Lang und Romy Schneider. ARTE zeigt am Mittwoch einen Themenabend.

Artur Brauner hat das deutsche Kino wie kaum ein anderer geprägt. Heute feiert der Produzent mit dem schmalen Oberlippenbart seinen 100. Geburtstag.

Wirklich nach feiern ist Brauner aber nicht zumute, obwohl er stets fixer Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Berlin war und kaum eine Party ausließ. Im vergangenen August ist seine Frau Maria verstorben, mit der er 71 Jahre verheiratet war. Noch immer sei er in tiefer Trauer, sagt Brauner in einem Interview mit der dpa. Im September soll es aber dennoch eine große Gala geben für „Atze“, wie die Berliner den Filmmogul nennen.

Auf dem Heuwagen

Brauner wurde als Sohn eines jüdischen Holzhändlers im polnischen Lodz geboren, den Holocaust überlebte er versteckt in der Sowjetunion. Auf einem Heuwagen kam er nach Kriegsende nach Berlin. Das Ziel war eigentlich Israel – doch Brauner blieb, ausgerechnet im Land der Täter. Dort gründete er die Central Cinema Company ( CCC), drehte mit bescheidenen Mitteln seine ersten Filme.

In „ Morituri“ erzählte Brauner 1948 von den NS-Verbrechen in Konzentrationslagern, Klaus Kinski hatte darin seine erste Filmrolle. Doch die Geschichte sorgte so kurz nach Kriegsende für Entrüstung, der Film wurde vielerorts vom Spielplan genommen. Brauner orientierte sich in der Folge verstärkt an dem, was das Publikum wollte: Unterhaltung.

Mit Heimat- und Musikfilmen bediente er das Bedürfnis nach Realitätsflucht, verwirklichte aber auch anspruchsvolle Projekte. Die CCC-Studios wurden zum kleinen Hollywood Deutschlands, mehr als 700 Filme entstanden hier. Darunter „Der brave Soldat Schwejk“, „Dr. Mabuse“, „Die Nibelungen“ und der letzte Film mit Romy Schneider, „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“.

Trotz des Misserfolgs mit „Morituri“ arbeitete Brauner vor allem in den 1980er-Jahren immer wieder an Filmen über den Holocaust. „Hitlerjunge Salomon“ von Agnieszka Holland war einer der Höhepunkte seiner Karriere: Der Film wurde 1992 mit einem Golden Globe ausgezeichnet und hätte auch gute Chancen auf einen Auslands-Oscar gehabt. Dass Deutschland den Film nicht nominiert hat, kränkt Brauner noch immer.

In den vergangenen Jahren hat sich Brauner immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, Schlagzeilen machte er hauptsächlich wegen nicht gezahlter Steuern. Das operative Geschäft von CCC leitet mittlerweile seine Tochter Alice Brauner, die als Produzentin des Dramas „Wunderkinder“ 2012 mit einer ROMY geehrt wurde. In den CCC-Studios werden nun Serien wie „Ku’damm 59“ und der Netflix-Erfolg „Dark“ gedreht.

Nach wie vor sei ihr Vater die graue Eminenz, erzählt Alice Brauner in Interviews. Die Fäden aus der Hand zu geben, liegt Artur Brauner nicht, der auch mitten in Filmprojekten Regisseure entlassen hat, wenn seine Vorstellungen nicht getroffen wurden. „Sobald ich nicht mehr bin, kann ich aufhören zu arbeiten“, sagte Brauner unlängst der Berliner Zeitung.

ARTE widmet der Kinolegende heute einen Themenabend. Um 20.15 zeigt der Sender „Hitlerjunge Salomon“, anschließend das Porträt „Der Unerschrockene“ (22.05) und den Spielfilm „Sie tötete in Ekstase“ (23.05). „Wunderkinder“ ist um 23.55 bei RBB zu sehen.