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© Gemeinfrei

Hannes Stein
03/29/2013

Franz Ferdinand wollte wieder heim

"Der Komet" erzählt die Utopie des 20. Jahrhunderts ohne Krieg – die Welt geht trotzdem unter.

von Barbara Mader

Ein guter Schmäh ist Hannes Stein da gelungen:

Das erste Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand misslingt. Er dreht auf dem Absatz um und fährt wieder heim. Der erste Weltkrieg findet nicht statt, auch der zweite nicht. Es gibt keinen Kalten Krieg, im Amerika wohnen nur Cowboys und Wien ist eine Weltstadt. Darum geht es in Hannes Steins Romanerstling „Der Komet“.

Die Geschichte des Autors ist mindestens so gut wie die seines Buches: Stein, geboren in München und aufgewachsen in Österreich, ist Kulturjournalist. Seit er eine Greencard gewonnen hat, lebt er mit Frau und Kind in den USA. Er schreibt Bücher und ist New-York-Korrespondent der Welt.

„Der Komet“ berichtet von einer charmanten Utopie. Sie wird im September 2000 in einem Wiener Salon begonnen, wie es ihn etwa im Hause Zuckerkandl einst tatsächlich gegeben hat. Künstler, Wissenschaftler, die geistige Elite Wiens. Stark jüdisch geprägt. In Steins Buch hat es nie einen Holocaust gegeben, die geistige Elite ist in Europa geblieben, Deutschland hat den Mond kolonisiert, Wien ist das politische und kulturelle Zentrum der Erde.

Anne Frank erhält den Literaturnobelpreis .

Dass es in dieser Utopie auch eine Handlung gibt, ist nebensächlich: die Frau des Hofastronomen beginnt eine Affäre mit einem jungen Studenten, während ihr Mann zum Mond reist.

„Der Komet“ ist akribisch recherchiert, mit viel Zuneigung für Wien. Aber: an den den Dialekt ausdrücken hätte Stein arbeiten müssen. Der „Tod“ heißt auf Wienerisch nicht „Da Dodd“ und der Satz, den Stein dem Thronfolger in den Mund legt, ist lustig gemeint, klingt für Wiener Ohren aber unstimmig: „I bin doch ned deppat, i fohr (sic!) wieder z’haus“. Das erinnert schmerzvoll an die Versuche Thomas Gottschalks oder, noch schlimmer, Markus Lanz’, Wienerisch zu sprechen.

Der Schmäh mit der Utopie ist zwar am Ende schon überstrapaziert, aber etwas Gravierendes passiert dann doch, das verrät schon der Titel: die Welt geht unter.

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