Opening Ceremony - 70th Berlin Film Festival

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Kultur
04/25/2020

"Der großartige Zeman Stadlober Leseklub": Poesie und Nebensächliches

Die Autorin Barbara Zeman und der Schauspieler Robert Stadlober gestalten eine Literatursendung auf Youtube. Jeden Samstag gibt es neue Folgen.

von Marco Weise

Robert Stadlober überquert derzeit in der Fortsetzung der Sky-Eigenproduktion „Das Boot“ den Atlantik. Auch privat ist er untergetaucht: Der 37-jährige Wahl-Berliner mit österreichischen Wurzeln isoliert sich nämlich gerade am steirischen Festland, wohin er es noch rechtzeitig vor dem Shutdown mit seiner Frau und den beiden Kindern geschafft hat. Zu verdanken hat er seinen Österreich-„Urlaub“ einer neuen ORF-Serie, in der er die Hauptrolle übernehmen wird. „Die Dreharbeiten wären im Mai gewesen, mal sehen, ob wir das im Herbst nachholen können“, sagt Stadlober dem KURIER gelassen.

Untergekommen ist der Schauspieler bei seinem Vater in der Steiermark. Dort genießt er gerade den Frühling, die ländliche Idylle vor dem Haus. „Besser hätte ich es gar nicht erwischen können. In dieser Situation mit den Kindern in der Berliner Wohnung zu sitzen, wäre nicht einfach. Hier bekommen wir wenig mit vom Coronavirus. Wir wohnen am Berg und der nächste Nachbar ist einen Kilometer entfernt“, sagt Stadlober, der seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen jeden Samstag „ab 20.15 (vielleicht aber erst um 5 Uhr Früh)“ via Youtube zum Leseklub lädt.

Idee

Entstanden sei das Projekt „Der großartige Zeman Stadlober Leseklub“ aber nicht aus Langeweile, „sondern aus der plötzlichen Verfügbarkeit von Zeit“, sagt Stadlober. Die Idee hatte ursprünglich die heimische Autorin Barbara Zeman, die 2019 mit „Immerjahn“ einen beachtlichen Debütroman vorgelegt hat. „Barbara hat mich gefragt, ob wir nicht gemeinsam eine Samstagabend-Literatursendung machen wollen, so eine Show zur Primetime. Da ich nicht viel zu tun hatte, habe ich zugesagt.“

Man wolle mit dem Leseklub den Zusehern, die anzahlsmäßig noch mehr sein könnten, Literatur ans Herz legen, wolle Folge für Folge besser werden. „Barbara hat jetzt sogar ein neues Mikrofon, um die Soundqualität zu steigern“, sagt Stadlober.

Die Vorbereitungen für den wöchentlichen Leseklub verschlingen einige Stunden. Texte müssen ausgewählt, passende Lesestellen gefunden werden. Und das Vortragen der Texte ist aufwendiger, als viele glauben. „Man muss das ja auch spannend, abwechselnd und fehlerfrei vortragen und dabei noch gut aussehen“, sagt Stadlober und lacht. Sein Anspruch an sich und die Sendung sei relativ hoch. Er wolle nicht im Pyjama im Wohnzimmer vor der Kamera sitzen und irgendetwas daher reden, wie das einige gerade machen.

Musik und Absurdes

„Wir nehmen das ernst und versuchen, unsere bescheidenen Mittel so einzusetzen, damit es wie eine Fernsehsendung aussieht.“ Es gibt immer einen Prosa-Text und einen Poesie-Text – beide Texte sollen sich gegenseitig ergänzen. Dabei stammt immer einen Beitrag von einem Mann, und einer von einer Frau. Mit dabei waren bereits Texte von Paul Celan und Ingeborg Bachmann, Joseph Roth und Irmgard Keun; gelesen wurde aus „Tschewengur“ von Andrej Platonow und „Orlando“ von Virginia Woolf. Dazu gibt es Informatives, Nebensächliches und Absurdes – vorgetragen von Barbara Zeman.

Und es gibt immer auch musikalische Gastbeiträge, mit denen die Sendung aufgelockert werden soll. Heute, Samstag, bei der fünften Ausgabe des Leseklubs, musiziert etwa Katarina Maria Trenk, Sängerin der Wiener Band Sex Jams – nachzusehen sind alle bisherigen Folgen auf dem Youtube-Kanal.

 

Würde ein Ende der Corona-Isolation auch das Aus des Leseklubs bedeuten? „Nein“, sagt Stadlober, der sich auf jeden Fall vorstellen kann, weiterzumachen. „Nicht wöchentlich, aber einmal im Monat sollte das schon klappen. Aber mal sehen. Fix ist auf jeden Fall, dass wir bis Ende Juni weitermachen. Vielleicht gehen wir danach auf Sommerpause und kehren erst im Herbst zurück – wie man das bei großen Shows so macht (lacht). Oder wir machen ein Sommerspecial: Ich lese am Kärntner Längsee und Barbara meldet sich aus Wien vom Gänsehäufel“, sagt Robert Stadlober.

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