Helmut Berger einst und jetzt: "Ein Leben in Bildern" dokumentiert das abwechslungsreiche Leben des Salzbugers.

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Der gefallene Schönling
11/09/2012

Der gefallene Schönling

Einst galt er als schönster Mann der Welt und spielte mit den Größen Hollywoods. Heute ist vom Glanz Bergers nicht mehr viel übrig geblieben. "Ein Leben in Bildern" erinnert an bessere Zeiten.

von Marco Weise

Interessiert ja keinen", seufzte Helmut Berger ins Mikrofon. Bei der Präsentation des Bildbandes "Helmut Berger – Ein Leben in Bildern" in einem Berliner Hotel vergangene Woche langweilte sich der einstige Superstar über die Vorführung der Film-Fotos und Schnappschüsse aus seiner Kindheit. "Doch", meinte der Verleger am Laptop und setzte mit der Dia-Show fort. Klick. Berger als ehemaliges Sexsymbol. Klick. Bilder von seinem Durchbruch in Viscontis Film "Die Verdammten". Klick. Berger als erster Mann auf der Titelseite der Vogue - eng an das Model Marisa Berenson gelehnt. "Wir wollten heiraten, sie wollte ein Kind, das ging schon gar nicht", sinniert Berger mürrisch. "Das hätte wieder ins Internat müssen." Klick. Berger beim Dreh mit Visconti, seinem spätereren Lebenspartner. Für Berger war er aber mehr als ein Liebhaber - er war er auch Vaterersatz. Klick. Berger in "Das Bildnis des Dorian Gray", in Vittorio De Sicas "Der Garten der Finzi Contini" und in Sergio Gobbis "Un beau monstre" (1970). 1972 vertraute ihm Visconti die schwierige Rolle des schizophrenen Bayernkönigs Ludwig II. an. 40 Jahre später fällt Berger zu dem Film bei der Pressekonferenz nicht mehr viel ein: "No comment".

Ein gutes Verhältnis hatte er auch zu Liz Taylor: "Wir beide waren richtige Komplizen. Wir haben den Richard Burton verarschen können, ohne dass er es gemerkt hat."

Die Bilder von einst und der Berger von heute sind ein enormer Gegensatz. Unzählige Jahre und Lebensniederlagen dazwischen.  Berger muss nun mit einer Pension von rund 450 Euro über die Runden kommen. Stets betont er,  dass ihn seine Produzenten in Stich gelassen und ihn finanziell ruiniert hätten. Trotzdem ist Berger mit seinem Leben einigermaßen zufrieden: "Es ist doch besser, das Beste liegt hinter dir, als es nie gehabt zu haben. Ich bereue nichts."

Eine Autobiographie ist "Ein Leben in Bildern" nicht. Diese hat Berger bereits vor 14 Jahren mit dem Journalisten Holde Heuer verfasst. "Ich" nennt sich diese ehrliche und unterhaltsame Aufarbeitung seines Lebens. Der Exzentriker erzählt darin von seinen Alkoholräuschen, Kokain-Partys und Sex-Exzessen. "Das Buch ist eine kleine Beichte, schließlich bin ich katholisch", sagte Berger über "Ich".

Berger Abstürze und Enttäuschungen im Laufe seiner Karriere sind im Bildband nur spärlich dokumentiert. Stattdessen sieht man Berger als Bub im Kreise seiner Familie. Aufgewachsen ist er in Bad Ischl: "Ich bin auch sehr früh weg aus Salzburg – Sie kennen es ja: Mozartkugeln und Sauerkraut." In Mondsee sei er im Internat gewesen: "Da gab es keine Frauen, wir wurden von den Pfaffen erzogen. Ich glaube, dort habe ich meine Bisexualität entwickelt."

"Helmut Berger – Ein Leben in Bildern" setzt sich aus bisher noch nicht veröffentlichten Fotos zusammen, die teilweise in einem schlechten Zustand waren und erst bearbeitet werden mussten. Vier Jahre verschlang die Produktion, deren erste Auflage auf 2.000 Exemplare limitiert ist. Klick. Die nächste Aufnahme von Berger wird aus aus dem Dschungelcamp stammen. Denn der gefallene Schönling fährt in die Wildniss und wird bei der nächsten Ausgabe der RTL-Show seine Sprüche klopfen.

Info: Helmut Berger - Ein Leben in BildernLimitierte, nummerierte und von Helmut Bergerhandsignierte erste Auflage im SchmuckschuberSchwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Preis: 99,95 Euro

Schnappschüsse und Selbstinszenierung

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