Der Filmkaiser schöne Kleider

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Foto: dapd Durchs windverwehte Kleid legendär: die Monroe in „Das verflixte siebente Jahr“.

Die Schau in London ist ein fulminanter Retro-Trip in die Filmgeschichte.

Es gab keinen einzigen Tag, an dem wir nicht voll waren, sagt der Mann am Kartenschalter ganz ruhig und deutet auf die gut 100 Meter lange Schlange, die sich quer durchs prachtvolle Foyer des Victoria & Albert Museums zieht. „Alle wollen die Stars und ihre Kleider sehen. Einfach alle.“ Bis zum Ausstellungsende (am 27. Jänner) seien alle Voraustickets, die online zu buchen sind, ausverkauft. Nur an der Tageskasse gibt es noch Rest-Kontingente.

London hat jedenfalls einen Ausstellungs-Blockbuster, der Jung und Alt, Einheimische und Touristen, Tabloid-Leser und Cineasten gleichermaßen anzieht: Die Schau „Hollywood Costumes“ lässt die Glanzzeiten der Filmgeschichte aufleben, lässt die Zuseher eintauchen in den Glamour einer Ära, in der Stars noch Persönlichkeit und Kurven hatten. Jayne Mansfield ist da zu sehen, Marilyn Monroe in ihrem legendären plissierten Kleid aus Billy Wilders „Das verflixte siebente Jahr“. Der knorrige John Wayne im Original-Westernoutfit. Und Robert De Niro als Desperado Travis Bickle in „Taxi Driver“.

Multimedialer Coup

Um genau zu sein: Die Kleider der Stars, die sie in ihren berühmtesten Rollen trugen, sind zu sehen. Darüber flimmern – auf flachen Bildschirmen – die Köpfe der Stars, Statements von ihnen, Infos zu ihrer Karriere und ihrem oft nicht langen Leben. Filmszenen werden beschrieben, den Kostümen und ihren prominenten Trägern wird im kinoähnlichen Halbdunkel Leben eingehaucht. Dazu läuft Filmmusik. Das Licht ist spärlich und fokussiert – wie das bei großen Shows so ist – nur auf die Stars.

„Ein Kostüm ist nicht einfach ein Kleidungsstück“, doziert die 1987 verstorbene Doyenne der Kostümbildnerei, Edith Head auf einem Videotape, „es transportiert die Gefühle und Sehnsüchte seines Trägers“. Head gab den Filmen Alfred Hitchcocks den unverwechselbaren Look. Sie stattete Marlene Dietrich in „A Foreign Affair“, Bette Davis in „All About Eve“ und Grace Kelly in „Das Fenster zum Hof“ aus. Schuf Leinwandgöttinnen, deren Aura die hier ausgestellten Kostüme atmen. Für sie war ein Kostüm emotionaler Schutzschild und zugleich Signal – Seht her, ich bin es wert!

Vor einem schmalen schwarzen Kleid diskutieren zwei ältere Damen: Wäre Audrey Hepburn genauso berühmt geworden, wenn sie nicht wie eine Chanel-Göttin in diesem kleinen Schwarzen mit dicker Perlenkette vor Tiffany’s gestanden wäre? Und hätte John Travolta, der gleich um die Ecke steht, in „Saturday Night Fever“ nicht bloß für ein paar Tausend Kids getanzt, wenn er seine Disco-Moves nicht in so einem aufreizenden weißen Anzug vollführt hätte?

Jahrelange Vorarbeit

Fünf Jahre lang hat die kalifornische Kuratorin der Ausstellung, Deborah Landis, an „Hollywood Costumes“ gearbeitet. Hat ihr ganzes Herzblut und Know-how hineingesteckt (sie kreierte unter anderem das Kostüm Harrison Fords in Spielbergs „Indiana Jones“) und sich durch die Filmgeschichte seit 1912 gearbeitet. Auf diese Referenzen aus der Historie bezieht sie sich: Queen Elizabeth I. war für Landis nicht bloß die von Cate Blanchett großartig gespielte Königin. Elizabeth I., das waren auch Sarah Bernhardt, Bette Davis und Judi Dench – und alle haben ihr ihren ganz eigenen Charakter verliehen. So wie Landis „ihrer“ Schau.

(kurier) Erstellt am
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