British actor Omid Djalili (R) poses with writer David Baddiel at the world premiere of the film "The Infidel" in London April 8, 2010. REUTERS/Stefan Wermuth (BRITAIN - Tags: ENTERTAINMENT)

© Reuters/STEFAN WERMUTH

David Baddiel
07/13/2013

Als Clinton zu Besuch kam, war er beim Prostata-Check

"Halb so wild": Ein Komiker schreibt über einen großen Schriftsteller, der als Mensch versagt.

von Barbara Mader

Fünf Ehefrauen hat er verschlissen, und die Hälfte seiner Kinder redet nicht mehr mit ihm.

„Halb so wild“ hat der Blessing Verlag David Baddiels Roman über einen sterbenden Schriftsteller genannt. Im Original heißt das Buch „The Death of Eli Gold“. Das passt besser. Es handelt vom Tod des fiktiven Autors Eli Gold. Wie wild dessen Begleitumstände sind, sollen die Protagonisten entscheiden.

Gold, laut Baddiel der berühmteste Schriftsteller unserer Zeit, liegt im Sterben.

Golds Werk erinnert an vieles, das Philip Roth geschrieben hat. Alte Männer mit großem Frauenverbrauch. Sexbesessen und wahnsinnig analytisch. Den Nobelpreis bekam Gold im Unterschied zu Roth angeboten, hat ihn aber abgelehnt.

Baddiels vierter Roman ist natürlich auch eine Verarschung des Literaturbetriebs. Dazu Zeitgeschichte (Ground Zero, religiöse Fanatiker), Internet-Unfug, Psychoanalyse.

Altklug

Zum Krankenbett des im Koma Liegenden kommen einer der Söhne sowie Golds letzte Frau und die gemeinsame achtjährige Tochter, ein altkluges, immer sympathischer werdendes Mädchen, das als Einzige richtige Fragen über Tod und Vergänglichkeit stellt. Außerdem finden Prominente wie Ex-Präsident Bill Clinton und Philip Roth, alles enge Freunde, den Weg ins Mount Sinai Hospital.

Wer ihn nicht besuchen kommt, sind Golds Ex-Frauen: Die vorletzte hat sich umgebracht – eigentlich wollte das Paar ja gemeinsam sterben, Eli überlebte aber.

Auch seine erste Frau kommt nicht, sie lebt, vergessen, in einem Pflegeheim. Violet wurde von Eli Gold verlassen, kaum dass er berühmt war. Dass Violet die Hauptdarstellerin in dem Roman war, der ihm Ruhm brachte, hat sie gar nicht mitgekriegt, sie hat das Buch nie gelesen. Violet ist eine von vier Erzählern, die sich anlässlich des Sterbens des Schriftstellers an dessen Leben erinnern. Sie alle zeichnen ein Bild eines Menschen, dem als Autor viel, im Leben wenig gelang.

Hypochonder

Am häufigsten zu Wort kommt Elis Sohn Harvey, ein 44-Jähriger mit ausgewachsener Sexualpsychose. Harvey ist ebenfalls Schriftsteller. Er schreibt Biografien von B-Promis. Ihm merkt man am stärksten an, dass sein Schöpfer, der Autor David Baddiel, zuvor Comedian war: In Großbritannien füllte er Stadien. Seine komplexbeladene, chaotische Figur Harvey hat Probleme, die sich gut als Sketches erzählen lassen. Etwa: Gerade, als Clinton zu Besuch ist, muss Harvey zum Prostata-Check. Dass der miese Schriftsteller Harvey ein Hypochonder ist, versteht sich von selbst. Er wird im Lauf der Geschichte überraschen.

KURIER-Wertung: **** von *****

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