Man kann auch vor Scham in den Boden versinken: Das Bühnenhaus samt vollautomatischem Schnürboden spielt alle Stückerln

© Thomas Trenkler

Reportage
10/14/2020

Das Volkstheater, derzeit Baustelle, will die Temperatur erhöhen

Direktor Kay Voges möchte am 9. Jänner eröffnen. Nach einer Baustellenbegehung kann man sich das nicht ganz vorstellen.

von Thomas Trenkler

Kay Voges hat Dortmund, wo er ein Jahrzehnt das Schauspiel leitete, verlassen. Nun ist er Direktor einer Baustelle in Wien. Denn das Volkstheater wird, wie es so schön heißt, „ertüchtigt“.

Wirklich eingreifen konnte er zwar nicht in die bereits vor seiner Bestellung im Juni 2019 abgesegneten Pläne. Aber er ist ohnedies begeistert: Sein Haus werde das modernste Theater in Wien sein. Und es werde ab Jänner für erhöhte Temperatur sorgen. Es gibt bereits ein neues Logo: Zwischen die Buchstaben V und T wurde ein hochgestelltes Kreiserl eingefügt, also „V°T“. Voges spricht es „Vau Grad Tee“ aus.

Bereits sicher ist, dass er das Haus am 9. Jänner nicht mit seiner Inszenierung von Thomas Bernhards „Der Theatermacher“, die der Kulturstadträtin so gut gefällt, wiedereröffnen wird. Klar ist zudem, dass sein Ensemble aus 20 Personen besteht; von der eher unglücklichen Ära Anna Badora (die Eigendeckungsgrad sank auf nur 16,4 Prozent) übernimmt Voges bloß vier Schauspieler. Und bis zum Sommer 2021 werde es neun Produktionen im großen Haus geben.

Die Herren Kay & Cay

Alles Weitere will der joviale, gut gelaunte Direktor erst am 2. November bekanntgeben – bei einer Pressekonferenz im Volkstheater. Also in nicht einmal drei Wochen. Wie das gehen soll? Wohl niemand, der am Mittwoch bei der Baustellenführung war, kann sich das vorstellen. Das Gerüst ist zwar wieder weg, die Holzfenster sind renoviert – und die Fassade leuchtet in einem Cremeweiß, das man der ursprünglichen Farbe nachempfunden hat. Aber im Inneren herrscht eher Chaos.

Beim Rundgang zusammen mit Cay Stefan Urbanek, dem kaufmännischem Direktor, gerät Voges immer wieder ins Schwärmen. Sein „Highlight“ ist das neue Rolltor beim Würstelstand, also die Bühnenbild-Anlieferung.

Daher gibt es nicht mehr die Herren- und die Damen-Seite, sondern gemeinsame Garderoben (in Richtung Justizpalast). Es gibt einen neuen Sanitärschacht über alle Geschoße mit Toiletten und Duschen sowie einen neuen Lift bis zum Lusterboden, der künftig als „Dunkelkammer“ bespielt werden wird. Daher muss man z. B. die Kostüme nicht mehr über die Treppen tragen.

Es gibt eine neue Zentralgarderobe unterhalb des Balkons aufgrund der bereits erfolgten Verkleinerung des Zuschauerraums. Daher wurde rechter Hand Platz für die neue Tageskassa – und linker Hand für ein Café, das laut Voges den allerbesten „Káffee “ anbieten werde. Die seitlichen Zugänge zum Foyer wurden wieder geöffnet, die Abendkassa bekommt ein neues Pult. Und dann gibt es noch einen weiteren Lift – um barrierefrei zur Roten Bar zu gelangen, die fürderhin unabhängig vom Saal programmiert werden kann.

„Aufgrund Corona“ sei es zu Mehrkosten von 1,7 Millionen Euro gekommen. Urbanek hofft, dass diese von Bund und Stadt übernommen werden – zusätzlich zu den bereits bewilligten 24 Millionen. Eigentlich hatte das Volkstheater versprochen, 3,3 Millionen an Eigenmittel beizusteuern. Doch diverse Aktionen brachten nur 100.000 Euro an Spenden. Urbanek will daher einen Kredit aufnehmen. Und wie wird dieser bedient? Unverständlich wäre, wenn dafür die zuletzt wegen Unterdotierung angehobene Subvention verwendet würde.

Und der ÖGB bestätigte dem KURIER, sich nun tatsächlich aus der Volkstheater-Stiftung zurückziehen. Kay Voges, der es einst cool fand, dass es in Wien ein Gewerkschaftstheater gibt, reagiert gelassen. Denn über die Betriebsräte werde der ÖGB weiterhin präsent sein.

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