© APA/AFP/STEPHANE DE SAKUTIN

Kultur
10/16/2020

Das neue Woodkid-Album "S16" ist ein "Sci-Fi-Thriller“

Der Franzose Yoann Lemoine veröffentlicht als Woodkid sein zweites Album. Eine fordernde Angelegenheit.

von Marco Weise

Vor sieben Jahren hat der französische Künstler Yoann Lemoine aka Woodkid mit „The Golden Age“ sein Debütalbum veröffentlicht und damit seine Zweitkarriere gestartet. Denn bis zu diesem Zeitpunkt visualisierte er ausschließlich Musik anderer – von Stars wie Katy Perry, Taylor Swift, Drake, Rihanna und Lana Del Rey.

Aber der enorme Erfolg als Musikvideo-Regisseur konnte den 1983 in Lyon geborenen Franzosen nicht zur Gänze befriedigen. Daher versuchte er sich selbst als Musiker und Sänger. „Ich musste mir beweisen, dass ich auch in einer anderen Dimension kreativ sein kann“, sagt er im KURIER-Interview.

Seine Lieder schossen daraufhin nicht nur in die Charts, sondern tauchten auch in unzähligen Werbespots, Videospielen und Filmen auf. Besonders gut funktionierten sie dann, wenn Gefühle verstärkt oder gar erst entfacht werden sollten. Denn der oft überbordende Pathos in Woodkids Arbeiten beschert selbst den coolsten Typen unter der Sonne eine Gefühlsregung.

Thriller

Nun wendet er seine ausgeklügelte Pathosformel erneut an: „S16“ nennt sich sein zweites Album, für das er sich sieben Jahre Zeit gelassen hat – in der schnelllebigen Pop-Welt gleicht das einer halben Ewigkeit. „Ich wollte nach meinem Debüt eigentlich gleich ein weiteres Album nachschießen, bin aber in ein Loch gefallen, hatte Probleme damit, neue Musik zu produzieren. Der Druck war groß, ich wollte noch eines drauflegen, was mich lange Zeit überfordert und gehemmt hat“, sagt der 37-Jährige.

Mit den Arbeiten fürs neue Album hat Woodkid 2016 begonnen. Anfangs ging es ihm nur darum, den richtigen Klang zu finden, Soundforschung zu betreiben. Bis zum ersten Ergebnis, dem ersten Vorgeschmack auf das neue Album vergingen drei Jahre: Der Song „Goliath“ wurde im April veröffentlicht, es ist ein dramatisches wie lebensbejahendes Stück. Dazu reichte er martialische Bergbau-Bilder, welche auf YouTube bereits über drei Millionen Mal aufgerufen wurden. „Videos sind Teil meiner Arbeit. Für mich gehören Musik und die visuelle Begleitung dieser einfach dazu. Musikvideos sind ein gutes Mittel, um die Aufmerksamkeit auf seine Musik zu lenken. Aber ein gutes Video macht einen schlechten Song auch nicht besser“, sagt Woodkid.

Apropos schlechter Song: Auf „S16“ findet sich keiner. Herausragendes sucht man hingegen auch vergeblich – am besten funktionieren noch Balladen wie „In Your Likeness“. Der Rest ist mit dicken Streicherschichten und vibrierenden Bässen vollgeräumter Bombast, den Woodkid mit Produzenten wie u. a. Tanguy Destable angerührt hat. Mit Hall-Effekten wird dem oft bedrohlichen, stets emotional aufgeladenen Klangbild dann noch eine Leere verabreicht, die Woodkid mit seiner dunklen, gebrochenen, an Antony Hegarty erinnernde Stimme füllt. Das ist fordernd, weiß er selbst: „Meine erste Platte war ein Hollywood-Blockbuster, diese ist eher ein Sci-Fi-Thriller“.

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