Filmbranche
11/23/2019

„Das Filmemachen ist unglaublich stressig“

Der VÖFS (Verein der österreichischen FilmschauspielerInnen) fordert Neugestaltung von Kollektivverträgen; Anlaufstelle #we-do! wurde eingerichtet.

von Alexandra Seibel

Es gibt Grund zur Party. Vor 25 Jahren wurde der VÖFS (Verein der österreichischen FilmschauspielerInnen) gegründet – und das wird Samstagabend mit geladenen Gästen gefeiert. Der ursprünglich 40 Mitglieder zählende Vereins ist mittlerweile auf 310 angewachsen: „Das zeigt, wie solidarisch die Filmschauspieler und Filmschauspielerinnen in Österreich sind“, sagt Maria Anna Kollmann im KURIER-Gespräch: „Das ist ziemlich einzigartig in Europa.“

Kollmann ist Geschäftsführerin des Dachverbandes der österreichischen Filmschaffenden und des VÖFS. Die 25-Jahres-Feier gibt ihr nicht nur Grund zur Freude: „Die berufliche Situation der Schauspieler und Schauspielerinnen hat sich in den vergangenen 25 Jahren nicht verbessert, eher verschlechtert“, so Kollmann wenig optimistisch. Tatsächlich erschien 2016 eine Studie zur sozialen Lage der Filmschaffenden und offenbarte ein ziemlich tristes Bild.

Über die Hälfte der in diesem Bereich Beschäftigten war nicht durchgehend sozialversichert, die Armutsgefährdung viermal so hoch wie beim Rest der Bevölkerung. Auch sei es für viele schwierig, die Anwartschaftszeiten für die Arbeitslosenversicherungen zu erreichen.

Casting

Hinzu kommt, dass die Auftragslage für Schauspieler und Schauspielerinnen in einem kleinen Land wie Österreich schwankend sei. Zur Abhilfe hat der VÖFS in Zusammenhang mit der Feier Caster und Casterinnen aus Deutschland eingeladen, um einen Blick auf die heimischen Kräfte zu werfen.

Angesprochen auf die Neugestaltung des Kollektivvertrags, gehe es dem VÖFS laut Kollmann darum, jene Zusatzleistungen zu berücksichtigen, die bereits vor dem ersten Drehtag geleistet werden, wie beispielsweise Textlernen. Das werde bislang nicht in der Sozialversicherungszeit berücksichtigt.

Zudem hat der Dachverband zum Thema „Auftragsoffensive“ ein Papier zusammen gestellt, das ein Steueranreizmodell fordert, um internationale Filmproduktionen nach Österreich zu bringen: „Dieses Papier haben wir bei den Verhandlungspartnern der Regierungsverhandlungen – ÖVP und Grüne – deponiert und sie eingeladen, mit uns darüber zu reden.“

Auch eine neue Anlaufstelle wurde eingerichtet, erzählt die Geschäftsführerin: In Abwandlung von #MeToo habe der Dachverband, gemeinsam mit dem Verband österreichischer Filmproduzenten (AAFP), die Initiative #we-do! ins Leben gerufen: „Wir wollen uns um alle Arten des Machtmissbrauchs kümmern, nicht nur um den sexuellen. Wir wissen, dass Filmemachen eine unglaublich stressige Angelegenheit ist, wo mitunter Übergriffe stattfinden.“

Zwei branchenfremde Coaches wurden engagiert, die anonym kontaktiert werden können. Der Rücklauf sei überraschend hoch, so Maria Anna Kollmann. Auf der Diagonale in Graz wird dazu nächsten März der erste Bericht präsentiert.

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