Daniel Brühl (li.) als Baron Zemo mit Anthony Mackie, Sebastian Stan und Emily VanCamp 

© Chuck Zlotnick/Disney+

Marvel
04/11/2021

Daniel Brühl als Marvel-Bösewicht: „Ich bin leider ein Meister der Spoiler“

Daniel Brühl über seine Rolle als Zemo in der Marvel-Serie „The Falcon and The Winter Soldier“, abrufbar auf Disney+

von Alexandra Seibel

Daniel Brühl trägt einen seltsamen Schnurrbart. Einen, der nicht so aussieht, als wäre er eine coole Hipster-Entscheidung. Eher so, als gehörte er zu einer Filmrolle, die in die Vergangenheit führt.

Und so ist es auch: „Das ist für das Kriegsfilm-Remake ,Im Westen nichts Neues’ – also ein ,historischer Schnurrbart’“, erzählt Daniel Brühl aufgeräumt im KURIER-Gespräch: „Es ist ein großes, ambitioniertes Projekt, das wir mit unserer Firma Amusementpark Film produzieren. Ich werde eine kleine Rolle darin spielen und freue mich schon sehr.“

Der 42-jährige Schauspieler, berühmt geworden durch seine Rolle in „Good Bye, Lenin!“, ist bestens im Geschäft. Kürzlich war auf der virtuellen Berlinale sein Regiedebüt „Nebenan“ zu sehen, in dem er einen überambitionierten Schauspieler verkörpert, der sich nervös auf ein Casting für einen Superhelden-Film vorbereitet. Tatsächlich spielt Daniel Brühl derzeit einen Bösewicht in Marvels Superhelden-Universum: Bereits in dem Blockbuster „The First Avenger: Civil War“ (2016) war Brühl als ein Schurke namens Zemo zu sehen. In der Marvel-Serie „The Falcon and the Winter Soldier“, abrufbar auf Disney+, tritt er nun wieder als Baron Zemo auf.

KURIER: In dem Film „Nebenan“ erzählen Sie ziemlich lustig, wie es bei Vorsprechterminen für Superhelden-Filme zugeht. Was waren dazu Ihre Erfahrungen?

Daniel Brühl: Ja. (lacht) In meinem Film habe ich alles ein wenig überspitzt und mich über alles lustig gemacht, was ich in meinem Leben schon gedreht habe – unter anderem für Marvel. Bei mir selbst lief es ja zum Glück ein bisschen anders. Mir wurde die Ehre zuteil, mich gleich mit dem großen Produzenten und Marvel-Studio-Boss Kevin Feige treffen zu dürfen. Das war vor den Dreharbeiten zu „The First Avenger: Civil War“. Er erzählte mir, dass er gerne die Rolle des Bösewicht Zemo neu beleben und ein bisschen auf mich zuschneiden wollte. Deshalb hat es mich sehr gefreut, dass sich das Geschehen in den neuen Serien-Büchern ein bisschen vom „Civil War“-Film entfernt hat. Sosehr ich das damals genossen habe und so cool ich die Figur auch in dem Film fand, hatte ich in der Serie jetzt doch eine neue Spielwiese.

In der Serie ist Ihre Rolle humorvoller angelegt. Sie treten als Baron mit Pelzkragen auf, als eine Mischung aus cool und komisch.

Ja, es ist immer erfrischend, wenn man das Ganze nicht so ernst nimmt. Für die Mission, die Zemo in „Civil War“ erfüllen musste, war die große Ernsthaftigkeit und Kälte von Zemo total gut. Aber insgesamt handelt es sich ja um Popkultur und Comicbücher. Das zu überhöhen und beispielsweise so einen Mantel mit Pelzkragen zu tragen wie aus einem typischen Comicbuch, macht natürlich total Spaß. Deswegen mach ich ja auch mit – weil es etwas völlig anderes ist als das, was ich normalerweise mache.

Was für eine Stimmung herrscht am Set einer so großen Filmproduktion?

Man hat es mit fantastischen Kollegen zu tun – es ist also wirklich eine Freude. Die Messlatte ist ja auch sehr hoch. Aber wenn man mal vor Ort ist, schaffen sie es, eine Stimmung der Leichtigkeit und Furchtlosigkeit zu kreieren. Und dann kann man auch Sachen anbieten. Was den komischen Tanz anbelangt, den ich kurz auf der Tanzfläche in der Disco hinlege (lacht): Das war eine kleine Improvisation. Aber in dem Moment dachte ich, dass Zemo im Gefängnis gesessen ist und Dampf ablassen muss – und außerdem ist es eine schöne Möglichkeit, meine Begleiter zu provozieren.

Apropos Begleiter: Wie sah die Zusammenarbeit mit den US-Kollegen aus?

Mit Anthony Mackie (Sam aka Falcon) und Sebastian Stan („Bucky“ aka Winter Soldier) hatte ich schon damals ein sehr gutes Verhältnis, das heißt, es war eine große Freude, wieder auf sie zu treffen. Mit Mackie muss man immer aufpassen, weil er so eine Gag-Kanone ist. Zum Teil läuft dann schon die Kamera, während er noch seine Witze erzählt. Sich da zu konzentrieren, ist gar nicht so einfach und ich musste ihm auch ein paar Mal ein „Shut up!“ zurufen. (lacht) Aber es herrscht so eine Spielfreude am Set, dass man vergisst, wie groß alles ist. Stattdessen fühlt es sich an wie ein Luna-Park: Man setzt sich in die Achterbahn und fährt los.

Was können wir an weiterer Handlung erwarten?

Zemo muss extrem auf der Hut sein, denn es mehren sich die Superhelden um ihn herum – und die mögen ihn alle nicht. Ich bin leider ein Meister der Spoiler. Ich glaube, alle sind panisch, wenn ich Interviews gebe. In der Vergangenheit habe ich mich, glaub ich, ein oder zwei Mal verplappert. Ich möchte es daher wie meine Figur Zemo nebulös, undurchsichtig und geheimnisvoll halten und sage nichts weiter dazu. (lacht)

Es gibt in der Serie eine Szene mit Sam, wo er keinen Bankkredit bekommt – offensichtlich, weil er Schwarz ist. Wie politisch brisant kann eine Marvel-Serie sein?

Politische Brisanz ist immer ein großes Anliegen von Marvel. Gerade die Geschichte von Captain Americas Kampf gegen die Nazis war immer hochpolitisch. Das finde ich an diesem Universum auch so interessant. Dass sich auch diesmal, was die Aktualität von Rassismus in den USA und überall auf der Welt angeht, eine Figur die Frage stellen muss: Kann ich den Schild von Captain America übernehmen? Natürlich spielt da die Frage mit hinein, ob ein Schwarzer Amerikaner diesen Schild in der Hand tragen kann. Um diese Frage kreist ja die ganze Geschichte.

Wie geht es Ihnen in Zeiten von Corona als Gastronom, der ein Lokal besitzt – und als „Barcelona-Bürger“, der „halber“ Spanier ist?

Ich war noch nie solange am Stück in Berlin, und es gab kein Jahr in meinem Leben, in dem ich nicht in Spanien war. Das war letztes und dieses Jahr aber erstmals der Fall. Ich vermisse es sehr und würde meinen Bruder auch gerne wieder sehen. Die Gastronomie hat es natürlich besonders hart getroffen. Bis jetzt konnten wir durchhalten und mussten unsere Bar Raval nicht schließen, aber ich weiß nicht, wie lange das so noch weiter gehen kann.

Was erwarten Sie nach dem Lockdown für eine Welt?

Es wird schrittchenweise passieren. Aber die Euphorie bei den Menschen wird rührend sein. Was dann plötzlich eine Umarmung bedeutet – das wird hochemotional sein. Ich komm ja zur Hälfte aus einer Kultur wie Spanien, wo körperliche Nähe noch mal etwas ganz anderes bedeutet als in Deutschland. Eine Normalität, wie wir sie kannten, wird vielleicht generell so nicht mehr möglich sein. An bestimmte Dinge wird man sich gewöhnen müssen. Aber ich freue mich schon sehr auf ein gewisses Maß an Normalität.

Karriere

Daniel Brühl, geboren 1978 in Barcelona, ist ein deutsch-spanischer Schauspieler und Regisseur. Er wuchs in Köln auf. International bekannt wurde er für seine Rolle in „Good Bye, Lenin!“ (2001). Weitere Rollen u. a. in „Die fetten Jahre sind vorbei“ (2004) oder „Inglourious Basterds“ (2009) von Quentin Tarantino. In „Rush“ (2013) brillierte er als Niki Lauda.   Weiters ist er in der Netflix-Serie „The Alienist“ zu sehen. Brühls Regiedebüt:  Eine schwarze Komödie mit dem Titel „Nebenan“ (2021), nach einem Drehbuch von Daniel Kehlmann

Marvels Zemo

Daniel Brühl trat erstmals in „The First Avenger: Civil War“ (2016) als Zemo auf. In der Marvel-Mini-Serie „The Falcon and the Winter Soldier“ ist er erneut als Baron Zemo zu sehen. Die ersten vier (von sechs) Episoden sind auf Disney+ abrufbar

 

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