© Palms Casino Resort

Kunst
04/21/2019

Damien Hirst designte "teuerstes Hotelzimmer der Welt"

Um 200.000 US-Dollar kann man in Las Vegas zwei Nächte zwischen Werken des Luxus-Provokateurs verbringen.

von Michael Huber

"Envy is for Outsiders" - "Neid ist etwas für Außenseiter": Mit diesem Spruch wirbt das "Palms Casino Resort" in Las Vegas auf seiner Website um Kunden, die sich das Dazugehören einiges kosten lassen wollen (und können). 690 Millionen US-Dollar investierte die Eigentümergesellschaft selbst in die seit 2017 andauernde Renovierung des Hotels, das sich mit Werken von gehypten Künstlern als Kulturdestination für eine neue Generation von Superreichen profilieren will.

Das Glanzstück dabei ist die so genannte "Empathy Suite", die der britische Kunstmarkt-Star Damien Hirst ausstattete. Mit einem Übernachtungspreis von 200.000 US-Dollar für 2 Nächte (Mindestaufenthaltsdauer) wird das zweistöckige Luxus-Apartement als "teuerstes Hotelzimmer der Welt" vermarktet. Soll die "Empathy", also das Mitgefühl, jenen gelten, die draußen bleiben müssen? Oder jenen, die von der Geld für eine Übernachtung ein paar Jahre lang leben könnten? Sicher ist, dass der Hofkünstler der Superreichen dem traditionellen Kunstsystem damit einmal mehr den Mittelfinger entgegen streckt.

Die Suite ist mit Dekor ausgestattet, das typische Elemente von Hirsts verschiedenen Werkserien zitieren: Der Billardtisch verweist auf die so genannten "Spin Paintings", die Hirst ab den 90ern schuf und auf denen sich die Farbe durch Zentrufugen auf der runden Leinwand verteilte. Gepunktete Säulen holen die "Spot Paintings", die seit den 80er Jahren entstanden und die Farbpunkte in immer neuen Kombinationen zeigen, ins Haus. Und überall sind Schmetterlinge und Pillen zu sehen - auch das Verweise auf prominente Werkserien des Kunstmarkt-Stars.

 

Doch da Innendesign nicht genügt, müssen auch "Originalkunstwerke" her: Eines davon, ein Formaldehyd-Tank mit zwei eingelegten Haien, heißt "Winner/Loser". Ein verspiegelter Schrank voller Diamanten heißt "The Winner Takes It All": "Siegerkunst entwickelt sich und verrät ihren Charakter mittlerweile sogar schon in den Titeln", twitterte der Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich, der den Begriff "Siegerkunst" mit einem gleichnamigen Buch 2016 geprägt hatte.

Jene Sparte, in der Gewinner des globalen ökonomischen Systems in eine kleine Elite  von Kunstproduzenten investieren und diese dadurch selbst zu "Siegern" machen, hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter vom "traditionellen" Kunstbetrieb enfert. War früher noch die Anerkennung durch Fachleute und die "Adelung" eines Künstlers durch die Aufnahme in eine renommierte Museumssammlung maßgeblich wertbestimmend, so definiert die Sammlerelite ihre Lieblinge heute weitgehend selbst. Deren Marktwert offenbart sich nur noch gelegentlich durch die Präsenz in öffentlichen Auktionen. Denn auch der Handel läuft zunehmend abseits der gewohnten Kanäle, in die die Öffentlichkeit - etwa auf Messen oder in Galerien  - zumindest teilweise Einblick gewinnen kann.

Damien Hirst ist jene Person, die dieses System wie kein anderer vorangetrieben hat: Auf seinen großen Ausverkauf 2008, bei dem der Künstler seine Werke am Vorabend der Lehman-Brothers-Pleite unter Umgehung seiner Galerie direkt im Auktionshaus  Sotheby's verhökerte, folgte nur scheinbar ein Niedergang. Tatsächlich ließ der Künstler die Kunstbranche hinter sich und wurde Ausstatter der Superreichen, was 2017 in der Mega-Schau "Treasures from the Wreck of the Unbelievable" gipfelte. In den Räumen des Milliardärs François Pinault in Venedig errichtete der Künstler ein fiktives Museum, prall gefüllt mit Kitsch-Objekten, die so taten, als wären sie antik.

Tatsächlich verkaufte Hirst sein in Venedig präsentiertes "Museum" gleich in mehrfacher Auflage, darunter auch nach Las Vegas, wo nun eine der großen  Dämonen -Skulpturen vor dem "Palms Casino Resort" steht.

Das Hotel, das auf Initiative der Sammler-Brüder Frank und Lorenzo Fertitta neu ausgestattet wurde, ist ein Monument für jene Klasse, die sich mittels Geld von allem abheben kann - vom herrschenden Geschmack, vom Kunstsystem, aber wohl auch von den kleinlichen Begehrlichkeiten von Staaten und ihrer Steuerbehörden.

Dass die "Empathy Suite" auf Fotos ein wenig kalt wirkt, ungemütlich sogar, ist wohl der falsche Kritikpunkt: Die Entfremdung ist hier Teil des Konzepts. Es bleibt die Frage, ob der Zustand, sich alles, aber auch wirklich alles kaufen zu können, hier nur gefeiert oder doch auch ein wenig reflektiert wird. Denn immerhin hält Hirst seine Schmetterlinge und eingelegten Tiere im Schwebezustand zwischen Tod und Leben: Anders als klassische Stillleben, die ihre Klientel immer auch an die Vergänglichkeit von Reichtum und Schönheit erinnern sollten, scheint bei Hirst dank des Geldes der Verfall künstlich aufhaltbar zu sein. Aber nicht für immer.

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