Igor Levit to perform Nobel Prize concert in Stockholm

© EPA / FELIPE TRUEBA

Kultur
10/20/2020

Chefredaktion der "Süddeutschen" entschuldigt sich für Levit-Kritik

Bittet den Pianisten und Leser um Entschuldigung für als polemisch und antisemitisch kritisierten Text eines Musikkritikers.

von Georg Leyrer, Peter Temel

Die Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung hat sich nach tagelanger Aufregung über eine Kritik am Pianisten Igor Levit bei diesem und den Lesern entschuldigt. Levit sah sich vom Text herabgewürdigt, auch viele Leser teilten diese Meinung, "deswegen bitten wir um Entschuldigung", hieß es im nunmehrigen Text.

Unter der Überschrift "Igor Levit ist müde" geht es darin zunächst um Levit als Pianisten, aber recht bald auch um dessen politisches Engagement und seine zahlreichen Äußerungen in sozialen Netzwerken. Der Autor stellt die Frage: "Kommt es also nicht nur auf das perfekte Legato an, sondern auch auf Twitter-Virtuosentum?"

Auch viele Redakteurinnen und Redakteure des renommierten Mediums "empfinden etliche Stellen des Textes als antisemitisch - insbesondere jene, die sich über den jüdischen Künstler Levit lustig macht, weil er nach dem Angriff auf einen jüdischen Studenten vor einer Synagoge in Hamburg auf Twitter an mehreren Tagen schrieb, wie müde er sei", hieß es.

"Opferanspruchsideologie"

Harte Kritik hatte es auch am Begriff "Opferanspruchsideologie" gegeben, der "nach dem Wortlaut des Textes zwar auf soziale Medien allgemein bezogen sei, aber so verstanden werden könne, dass er Levit gilt".

Der Autor des Textes, Helmut Mauró, ist seit 1990 Musikkritiker der Süddeutschen Zeitung. Auf den Leserbriefseiten der Zeitung habe Maurós Text viel Widersprich und nur wenig Zustimmung erhalten. schreibt die SZ-Chefredaktion. Ein Beispiel: "Nach dem zweitem Lesen war ich nur noch wütend, denn dieser Text wählt zwar einen musikkritischen Einstieg, dies scheint aber nur eine Kaschierung dafür zu sein, dass der Verfasser eine subjektive Kommentierung der Person von Igor Levit vornimmt, die auf dessen politische Meinung abzielt und nur einen vordergründigen Anlass, nämlich einen Vergleich mit den pianistischen Fähigkeiten von Daniil Trifonov, sucht."

Ein weiterer Leser schreibt: "Ob Igor Levit 'in einer völlig anderen Liga' als Daniil Trifonov spielt und Levits Beethoven-Sonaten 'eher unerheblich' sind - dazu dürfte es verschiedene Meinungen geben. Levit aber spöttisch dafür zu tadeln, dass er 'Tag für Tag die rechten Feinde beschwört', ist (um das Mindeste zu sagen) taktlos."

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