Cecilia Bartoli als „Aschenbrödel“ Angelina in Gioachino Rossinis „La Cenerentola“ (ab Donnerstag)

© APA/SALZBURGER FESTSPIELE/SILVIA

Cecilia Bartoli
08/20/2014

Aschenbrödel und Entdeckerin

Die Mezzosopranistin singt in Salzburg Rossini und reist musikalisch an den Zarenhof.

von Peter Jarolin

Es war der größte und nachhaltigste Coup von Alexander Pereira in seiner dreijährigen Zeit als Intendant der Salzburger Festspiele. Denn Pereira gelang es 2012, Cecilia Bartoli als künstlerische Leiterin der Pfingstfestspiele an die Salzach zu lotsen. Das Resultat: Eine Serie von Triumphen und eine Sängerin, die hier "sehr glücklich" ist.

Glücklich wird wohl auch das Publikum ab kommendem Donnerstag sein, wenn Cecilia Bartoli im Haus für Mozart wieder in die Rolle der Angelina in Gioachino Rossinis "La Cenerentola" schlüpft. Bereits zu Pfingsten hatte Bartoli in der klugen Inszenierung von Damiano Michieletto als Aschenbrödel brilliert. Nun freut sich die Künstlerin auf die Neuauflage. "Ich liebe Rossini und seine Musik, die so göttlich perlt und prickelt", so Bartoli im KURIER-Gespräch.

Perfekte Chemie

Bartoli weiter: "Damiano hat ja sehr modern inszeniert, normalerweise bin ich da immer auch ein bisschen skeptisch. Aber wir hatten bei den Proben so eine Freude, die Chemie zwischen allen Beteiligten hat von Anfang an gestimmt. Ich denke, das merkt auch das Publikum. So etwas überträgt sich direkt auf die Zuschauer. Und wir auf der Bühne bekommen von den Besuchern wiederum unendlich viel zurück."

Von Rossini führt Bartolis Weg 2015 zu Gluck und Händel. "Wir möchten nächstes Jahr bei den Pfingstfestspielen alle Götter anrufen", so Bartoli, die in einer konzertanten Aufführung Händels "Semele" singen wird und in der Regie von Moshe Leiser und Patrice Caurier die Titelpartie in Glucks "Iphigénie en Tauride" gestalten wird. Bartoli: "Gerade bei Gluck gibt es noch so viel Schönes zu entdecken." Lachend: "Und ich entdecke ja sehr gerne."

Das beweist die gebürtige Römerin auch auf ihrer neuen CD, die im Oktober erscheinen wird. "St. Petersburg" lautet der schlichte Titel, und der Name ist Programm. Denn Bartoli huldigt auf diesem Album den italienischen Komponisten am russischen Zarenhof des 18. Jahrhunderts. "Die Zarinnen Anna Ivanowna, Elisabeth Petrowna und Katharina die Große haben die europäische Kultur nach St. Petersburg gebracht. Und mich hat interessiert, welche Komponisten nach Russland gingen. Und dann kam die große Überraschung: Natürlich vor allem die Italiener. Die waren wirklich ständig unterwegs." Das habe sich bis heute nicht geändert. "Wir Italiener sind immer überall."

Vergessene Schätze

Doch leicht war das Unterfangen nicht. "Ich war vier, fünf Mal in St. Petersburg, ehe ich in das großartige Archiv des Mariinsky-Theaters hineindurfte. Da lagern vergessene Schätze, die man nur bergen muss." In Bartolis Fall heißt das: Musik von Francesco Araia, Hermann Friedrich Raupach, Vincenzo Manfredini oder Domenico Cimarosa. Großteils Arien, die noch nie auf Tonträger gebannt wurden. "Mir blutet das Herz, wenn ich daran denke, wie viele wunderbare Werke ich nicht auf der ,St. Petersburg‘-CD unterbringen konnte. Man hat leider nur 80 Minuten. Mehr passt auf eine CD einfach nicht drauf. Aber wer weiß: Sollte das Album ein Erfolg werden, gibt es vielleicht einen zweiten Teil."

Russische Seele

In Wien wird Bartoli ihre "russischen Schätze" am 28. November im Konzerthaus im Rahmen der Reihe "Great Voices" live präsentieren. Verbunden mit einer Weltpremiere. Für "St. Petersburg" hat Bartoli zwei Arien in russischer Sprache einstudiert. "Das war schwer", sagt sie lachend. Aber die große Mirella Freni, die viel auf Russisch gesungen hat, meinte einst zu mir: Russisch zu lernen ist unmöglich, aber machbar. Daran habe ich mich geklammert. Jetzt bin mit dem Ergebnis halbwegs zufrieden und der russischen Seele ein Stück nähergekommen."

Würde es Bartoli reizen, einmal ins russische Opernrepertoire zu gehen? "Warum nicht? Da gibt es herrliche Stücke, Michail Glinka etwa würde mich interessieren. Aber das ist Zukunftsmusik. Denn dafür muss ich noch viel lernen und hart arbeiten." Wie aber geht sich das zeitlich alles aus? "Das weiß ich oft selbst nicht. Aber im Ernst: Wenn ich mich einem Projekt widme, versuche ich das ganz intensiv zu tun und wenig anderes zu machen. Im Moment zählt etwa nur Rossini. Aber da habe ich einen kleinen Vorteil. Er entspricht völlig meinem Naturell."

Bartoli: Die Termine

La Cenerentola

21., 23.,26., 29. und 31. August im Haus für Mozart. Inszenierung: Damiano Michieletto. Dirigent: Jean-Christoph Spinosi. Ensemble Matheus. Mit: Cecilia Bartoli, Javier Camarena, Nicola Alaimo, Enzo Capuano, Ugo Guagliardo, Lynette Tapia, Hilary Summers.

„St. Petersburg“

CD ab 10. Oktober. Wiener Konzerthaus: 28. 11. Dirigent: Diego Fasolis, I Barocchisti.

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