Kultur
28.09.2017

"Cars 3: Evolution": Rennauto beim alten Eisen

Lightning McQueen kommt zurück – und wird (fast) in die Pension geschickt.

Keiner lässt sich gerne in die Pension schicken. Menschen nicht, und Autos auch nicht. Wer einmal "lebende Legende" genannt wird, weiß, dass die Karriere gegen Ende geht. Diese bittere Erfahrung macht auch Lightning McQueen, bisher der rote Rockstar unter Pixars Rennautos. Lightning befindet sich plötzlich nicht mehr auf der Überholspur, sondern beim alten Eisen. Andere Autos ziehen locker an ihm vorbei, allen voran ein angeberischer, schwarz lackierter Sportsfreund namens Jackson Storm. Diese Demütigung ("Time to Re-Tire?") ist für Lightning und seine Fans niederschmetternd.

"Cars" zählte nie zu den großen Favoriten unter den Filmkritikern. Im Vergleich zu Pixar-Juwelen wie "Toy Story" oder "Findet Nemo", gilt "Cars" als vergleichsweise konventionelleres Schaustück im Bauchladen des genialen Animationsstudios. Umso mehr liebte das Publikum – vor allem die Kinder – seine "Cars". Pixar-Gründer John Lasseter lagen die Autos ebenfalls nah am Herzen und er übernahm bei "Cars 2" erneut die (Co-)Regie. Die Fortsetzung geriet allerdings zum deutlichen Absacker, und für "Cars 3" schob Lasseter seinen Regiestuhl zugunsten von Brian Fee zur Seite.

Sickerwitz

Fee selbst hat bislang noch keinen eigenen Film gedreht, arbeitete aber bereits an den beiden ersten "Cars"-Filmen eng mit Lasseter zusammen, ebenso wie an "Ratatouile" oder "WALL-E". Man kann ihn getrost einen Lasseter-Protégé nennen – eine Thematik, die auch in "Cars 3" zu größerer Bedeutung gelangt.

Technisch liegt der dritte Teil auf gewohnt höchstem Niveau. Mit ihren glänzenden, blank polierten Lackfarben leuchten die vielen bunten Autos stimmungsstark im sorgfältig animierten, glasklaren Ambiente.

Selbst die Nachtaufnahmen im Mondenschein glitzern noch sanft im Detail, wenn ein wild gewordener Schulbus Lightning und sein Trainingsauto Cruz beim "Demolition-Rennen" durch den Schlamm vor sich her treibt. Cruz ist der Neuzuwachs der letzten Folge: ein gelber Flitzer mit weiblicher Stimme und wenig Selbstbewusstsein. Eigentlich sollte Cruz nur als Motivationscoach auftreten und macht sich bei Lightning gleich sehr beliebt, in dem sie ihn als ihr "Senioren-Projekt" bezeichnet. Aber irgendwann schließt sich auch der Generationskonflikt.

Ein paar Sickerwitze sorgen für glucksende Unterhaltung, gefühlvolle Rückbesinnung auf Tradition und Freundschaft machen Kinder froh, und Erwachsene auch. Brian Fee erzählt temperamentvoll und engagiert und bringt "Cars 3" würdig über die Ziellinie – wenngleich eine Drehzahl zu brav und eine Pferdestärke zu solide unter der Kühlerhaube.

INFO: USA 2017. 102 Min. Von Brian Fee. Mit der Stimme von Manou Lubowski.

KURIER-Wertung:

Gruselclown mit Glitzeraugen

Rote Luftballons sind ein schlechtes Zeichen. Wo immer sie aufsteigen, ist Pennywise nicht weit – und jedes Kind muss ihn fürchten. Pennywise, der Grusel-Clown mit dem Killergebiss, lockt unschuldige kleine Menschen in seine Nähe, beißt ihnen den Arm ab und lässt sie im Gulli verschwinden.

Aber jeder, der Stephen Kings "Es" gelesen hat, weiß das längst. Und wer nicht, kann es jetzt im Kino nachholen – und die mit 480 Millionen Dollar ohnehin schon gigantischen Einspielergebnisse weiter hinauf treiben.

"Es" ist Nostalgie-Kino reinsten Wassers, am besten geeignet für Zuseher, die dem 80er-Jahre-Kino (ihrer Kindheit) wieder begegnen wollen. Steven Spielberg und Brian de Palma lassen grüßen, ebenso alle Coming-of-Age-Filme mit (und ohne) Molly Ringwald. Andy Muschiettis Pastiche-Horror schwankt unentschlossen zwischen Blutlust und Parodie und klappert seine vernebelten Schauplätze – vom Zombie-Friedhof bis hin zum Spukhaus – mit steigender Schockfrequenz, aber sinkender Spannungskurve ab.

Richtig gut spielt das jugendliche Ensemble, das auf Pennywises Speiseplan steht: Alle sechs Burschen und ein Mädchen sind Außenseiter in ihrer Highschool und wohnhaft in der fiesen Kleinstadt Derry, wo Kinder verschwinden und die Erwachsenen untätig bleiben. Daher müssen sich die Kids zum Club der Verlierer zusammenschließen und sich ihren Ängsten stellen, um Pennywise zu stoppen. Bill Skarsgård als grinsender Killer-Clown mit Glitzeraugen und schiefen Zähnen passt tatsächlich in kein Kinderzimmer. Doch je öfter er auftritt, desto ungruseliger wird er. Man gewöhnt sich eben schnell.

Muschietti hat es jedenfalls nicht geschafft, Kings 1138-Seiten-Roman in einen Film zu packen. Sein "Kapitel Eins" spielt im Sommer 1989, "Kapitel Zwei" – 27 Jahre später, wenn die "Loser" erwachsen geworden sind – soll am 6. September 2019 in die Kinos kommen.

INFO: USA/CN 2017. 135 Min. Von Andy Muschietti. Mit Jaeden Lieberher, Finn Wolfhard, Sophia Lillis.

KURIER-Wertung:

Balkankrieg als skurriles Märchen

Emir Kusturica hat sich selbst die Rolle des Falken-Kostja auf den Leib geschrieben, der als Milchmann auf einem Esel durch die Frontlinien des Jugoslawien-Krieges reitet. Dass er dabei keineswegs eine ernsthafte Kriegsanalyse, sondern in lässigem Tonfall und viel Balkan-Musik eine humoristische Dreiecksbeziehung im grausamen Kriegs-Ambiente erzählen will, ist bald klar (und problematisch). Im osteuropäischen Märchenton, mit Hang zum Skurrilen und zum Slapstick, verstrickt er sich dabei zunehmend in einer Traumlogik. Als Braut, die einem anderen versprochen ist, aber dann die Liebe des ebenfalls bereits vergebenen Kostja erweckt, spielt würdig die schöne Monica Bellucci. Niemand aber kann dem Tierensemble das Wasser reichen: Eine Falke lüpft rhythmisch zur Musik seine Flügel, eine Gänseherde stürzt sich kollektiv ins Schweineblut – und futtert danach die Fliegen, die sich auf sie setzten.

INFO: SRB/USA/GB 2016. 125 Min. Von und mit Emir Kusturica. Mit Monica Bellucci.

KURIER-Wertung:

Ein Pferd verhilft Reiterin zu Lebensmut

Was hat man schon zu verlieren, wenn das Herz jeden Tag zu schlagen aufhören kann? In diesem Pferdedrama setzt die 17-jährige Jana, die an einer akuten Herzschwäche leidet, alles auf eine Karte. Sie will daher niemanden an sich heran lassen und endlich selbst über ihr Leben bestimmen. Kein Wunder also, dass sie zu dem ungezähmten, rebellischen Vollbluthengst "Rock My Heart" auf Anhieb einen Draht findet – und er ganz offensichtlich auch zu ihr. Denn als er dem Mädchen zum ersten Mal über den Weg galoppiert, bleibt er plötzlich stehen und lässt sich streicheln.

Obwohl Jana (noch) nicht reiten kann, will sie mit dem Pferd an einem Rennen teilnehmen – koste es, was es wolle. Ihr zur Seite steht dabei der von Dieter Hallervorden gespielte hochverschuldete Pferdetrainer, den nur mehr das Preisgeld vor dem Ruin retten kann. Der Film erinnert an den "Pferdeflüsterer" mit Robert Redford. Diesmal flüstert das Pferd offenbar zurück und verhilft seiner Reiterin zu neuem Lebensmut. Nette "Coming of Age"- Geschichte.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: D 2017. 105 Min. Von Hanno Olderdissen. Mit Lena Klenke, Dieter Hallervorden.

KURIER-Wertung: